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verbrämt, von den Arabern erfahren. Die Länder, welche Philipps Sohn beherrschte,als cr den Perserzug antrat — Makedonien, Thränen und Thessalien — sind freilichnoch in den Händen der Türken selbst. Gingen sie aber einmal verloren, dann könntedie Prophezeiung wohl Recht haben, daß derjenige, der in ihren Besitz gelangt wäre,bald auch Konstantinopel nehmen und der Macht der Türken in Europa ein Endemachen würde. Und in diesem Augenblicke erhaltm wir die Kunde von den Gährun-gen, Bewegungen und Ausständen in Thessalien und Macedonien, einer Fortsetzungder griechischen Kämpfe, welche die Pfone in acht Jahren nicht zu bewältigen ver-mochte. (A. Z.)
Paris , 15. März. Wir können unö nicht versagen, den solgendcn Zug achtchristlicher Nächstenliebe unsern Lesern mitzutheilen. Seit einigen Jahren bereits siehtman zu Anfang jedes Monates einen Herrn die verschiedenen Hospitäler von Paris besuchen, der seine Aufmerksamkeit vorzugsweise den dort verpflegten kranken Kindernzuwendet. Von den bereits in Genesung begriffenen wählt dieser Herr alsdann stelSzwanzig bis sünfundzwanzig aus und nimmt sie mit in die Provinz. Dieser Men-schenfreund ist der Marquis de la Rochefoucauld, ein Sprößling deö alten bekanntenGeschlechtes, der ans seinem Schlosse La Röche-Gnyon eine zahlreiche Kindercoloniegegründet hat. Die Kleinen, Knalen und Mädchen, werden hier verpflegt underzogen. Drei barmherzige Schwester», mit dem nöthigen Hilfspersonal, stehen demganzen Werke vor. Die Kinder führen das beste und glücklichste Leben, das sichdenken läßt. Sie werden in allem Nöthigen, in Rücksicht auf ihren künftigen LebenS-beruf, unlerrichlet; der würdige Pfarrer des OrleS nimmt hieran den thäligsten An-theil. An Seele wie an Körper auf diese Weise geueseu, werden sie später entlassen,um andern Zöglingen Platz zu machen- Schon seit einigen Jahren wirkte der Mar-qniS im Stillen uud hat so über dreihundert Kinder alljährlich einem gewissen Elendeenirissm und brauchbare, fromme Arbeiter aller Art aus ihnen gebildet. Erst in neue-stcr Zeit wurde dieß Unternehmen zufällig bekannter und erregie daS verdiente Auf-sehen. Um so größer ist daö Verdienst dieses Menschenfreundes, da das Vermögendesselben keineswegs f> bedeutend ist, um ohne bedeutende Geldopfer sein Werk fort-zuführen. Jetzt aber, wo es bekannt geworden, beeilt sich Mancher, den Marquiszu unterstützen; man sendet ihm aus allen Gegenden Frankreichs zahlreiche Beiträge,oft mit Hast und Besorgnis!, als hätte man ein altes Vergessen gur zu machen. DerStadtralh von Paris hat kürzlich eine bedeutende Summe geschickt, der Kultusministerund mehrere Bischöfe desgleichen; daö Ministerium deS Innern hat dem Marquissogar einen großen Credit eröffnet. In ganz jüngster Zcic erzählte man der Kaiserindie Sache, die sich sogleich lebhaft dafür interessirte. Tief gerührt von den mitge-theilten Details über die kleine Eoionie soll sie anSgernsen haben: Auch ich will dazubeirragen; wie viel soll ich wohl hinschicken? Man erwiderte ihr: tausend Frankenwürben eine schöne Gabe seyn. Nein, entgegnete die hohe Frau, das Werk ist zuherrlich; ich gebe viertausend, uud alljährlich eine gleiche Summe. Dadurch ist nundem Marquis ein weit größerer Wirkungskreis eröffnet, und schon in diesem Monathat derselbe mehr als fünfzig Kinder abgeholt. Weniger für den Ehrenmann, der,anspruchslos und bescheiden, nicht nach dem lauten Lobe der Well verlangt, erzählenwir die ganze Geschichie, als vielmehr für das übrige Publicum, das sich hier auf'SNeue überzeugen kann, wie viel ein Einzelner im Guten vermag, wenn ihn Nächsten-liebe und Gottverlraucn beseelen. Hier könnte man doch wirklich auerufen: Gehethin und thut desgleichen! — Wir verdanken einem der AumonierS deS Kaisers, demwürdigen Abb6 Mullois, diese Mittheilung. (D. V.-H.)
Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.