Ausgabe 
14 (2.4.1854) 14
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105
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Vierzehnter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

Augsburger post.mtnng.

2. April

1854.

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Rom, 7. März, Das Kollegium all'Anima beherbergt gegenwärtig eineninteressanten Gast, den rühmlich bekannten Missionär Baraga, Bischof und apostoli-schen Vicar in Nord-Michigan . Er reiste nach seiner Consecration Hieher, um vordem Stuhle Petn seine Huldigung darzubringen. Er hatte bereits zwei Audienzenbei dem heiligen Vater. Se. Heiligkeit nahm mit lebhaftem Interesse die Bücher ent-gegen, welche der Verfasser offerirte: Die erste Grammatik und das erste Wörterbuchder Jndianersprache deS von ihm bekehrten und seelsvrglich geleiteten Stammes. DieseSprache hat keinen Laut, dem der Buchstabe r entspricht. Die Zcirwörtcr gruppirensich in neun Conjugationen. Baraga rühmt die durchgreifende Regelmäßigkeit undden Wohllaut, obgleich diese Indianer ohne Musik, sogar ohne Gesang waren, alser sie kennen lernte. Von den Ueberlieferungen der heiligen Geschichte hatten sie nurgeringe Reste: den Glauben an den guten Geist und die Annahme eines bösen Gei-stes; das Opfer von Thiere», welches sie jedoch dem bösen Geiste darbrachten wiedem guten, den sie den großen Geist nennen; endlich die Sage, in uralten Zeitenhabe der große Geist seinem eifrigsten Verehrer geoffenbart, eine Alles bedeckende Ueber-schwemmnng werde hereinbrechen; er solle sich ein großes Floß banen und Thiere umsich sammeln, um sich und diese zu reiten; und so sey eS geschehen. Rührend ist dieAnhänglichkeit, welche der hochwürdigste Bischof Baraga für seine Indianer im Herzenträgt: er sehnt sich, selbst in der Mitte aller Merkwürdigkeit und Erbauungen Romszu den amerikanischen Urwäldern zurück. Wahrlich, Baraga ist ganz Missionär. Ersucht nichts anderes, und denkt beinahe nichts anderes. Er erinnert in der That andie GlaubenSbolen dcr ersten christlichen Zeiten: Dieser lebhaste Glaube, diese lie-benswürdige Offenheit, diese zarte Demuth, dieses eifrige Gebet, diese Sanstmnih undGeduld, diese evangelische Irmnlh, diese Tranlichkeit und Väterlichkeit in der Verkün-digung deS göttlichen Wortes. V!m vorigen Sonnrage hatte nämlich der hochwürdigsteBischof die Güte, die deutsche Predigt zu halteu. Morgen gedenkt er die Rückreise nachDenischland anzutreten. Am 23. Februar waren sännutliche Seelsorger und Fasten-prediger Roms durch gedruck-e Karten deS Cardinal - Vicarialeö zum heiligen Vaterbeschiedcn. Beiläufig hundert Pricstir kamen zusammen. Der hochwürdi,,ste VicegerenSEr Eminenz dtS l^ardinalvicars nahm das Glaubenöbekenntniß ab: alle knieten imHalbkreise nm ihn und sprachen die weitläufigen Bekenntnisse nach, die ein vor ihnenknnenver Priester vvriaS. Hierauf trat Jeder zum hochwürdigsten ViccgerenS, knietenieder, legie die Hand auf ras vorgchaldnc Evaugelienbuch und sprach die Gelvbniß-formel. Die Verjammluug folgte dem VicegercnS in den Audienzsaal, der übrigensnur ein Zimmer von mittlerer Ausdehnung ist, mit dem Throne im Hintergründe.Se. Heiligkeit ertheilte ankommend den heilig.» Segen und bestieg den Thron. Ver-muthlich wegen des blendenden Lichtes wurden die Fensterladen zugelehut und die

Rom.