Ausgabe 
14 (2.4.1854) 14
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Priester standen in einem Dunkel, welches an Finsterniß gränzte. Der heilige Vaterhielt min eine Predigt, welche eine Viertelstunde lang dauerte, ausgehend von denWorten dcS ersten Briefes an die Thessalonicher C. 5, V. 14:Wir bitten euch,Brüder, weiset zurück die Unruhigen, tröstet die Kleinmüthigen, stehet den Schwachenbei, habet Geduld mit Allen." Jede dieser Ermahnungen wurde kurz entwickelt undzwar mit besonderer Beziehung für die Seelsorger. Der heilige Vater gab unter An-derem die merkwürdige Lehre, der Seelsorger solle zur gehörigen Verwaltung seinesAmIeS mit Niemanden so anhaltend verkehren, als mit Christus selbst; der Heilandwerde dann belehren, stärken, helfen. Se, Heiligkeit wandte sich im zweiten Theilezu den Predigern und ergoß ue-ch den nimmer versiegenden Echuurz über die Miß-bräuche, welche in der Zeit der Umwälzung auf heiligen Slälten vielfach zum Vorscheinkamen: statt das Wort GotleS zu verkündigen, hätten manche nur heidnischen Rede-prunk zur Schau gestellt; statt an den schmalen Weg und an die enge Pforie zuerinnern, sey der Eingang in den Himmel als eine Leichligkcit erklärt worden u. s. w.Diese Klage gehe nicht auö der Besorgniß hervor, daß auch nur Einer der Anwesen-den etwas AehnlicheS sich zu Schulden kommen lasse, sondern sie wolle nur dazudienen, um den guten Eifer noch mehr zu bekräftigen. DaS horchende Ohr sey zwarfür den Prediger beseligend, aber leider findet das Wort GolteS in unsern Zeiten beiUnzähligen eine schlechte Ausnahme. Die Prediger sollen nicht müde und nicht mulh-loS werden. Dem Worte seyen aber Gebet und Beispiel die mächtigsten Stützen.Der feierliche Segen war der Schluß. Jeder wurde zum Fußkusse zugelassen. Se.Heiligkeit wandelte segnend in das Cabinet. Eine Vorbereitung, Einsegnung undWeihe dieser Art kann nur die heilsamsten und nachhaltigsten Eindrücke in den Herzenhinterlassen. DaS Wesentliche der Handlung ist aliherkömmliche Ueblichkeit; aber dieErweiterung der Ansprache zu einer förmliche Rede rührt von Sr. gegenwärtig regie-renden Heiligkeit her. Von der besondern Gabe des heiligen VaierS, das WortGottes zu verkündigen, hörte ich neulich auö dem Munde eines OrdenSgencrals einenbeweiskräftigen Fall. Als nämlich Se. Heiligkeit noch Bischof zu Jmola war, geschaheS, daß der Festprediger, von einem Unwohlseyn befallen, abbrechen und abtretenmußte. Se. Eminenz der Cardinal und Bischof erhob sich während der allgemeinenVerwirrung vom Sitze, bestieg die Kanzel und setzte die Predigt in einer Weise fort,als hätte er sie selbst begonnen und sorgfällig einstürmt. Eben wird mir von demHerrn Caplan der Anima, der dem hochwürdigsten Bischof Baraga als Führer zudienen die Ehre hat, noch ein Vorfall erzählt, den ich Ihren Lesern nicht vorenthaltendarf. Eardinal Wiseman ging dem MijsiouSbischofe, der sich demülhig nahte, mitlebhafter Freude cntc-egen und sagte:O mein liebster Bischof Baraga, seyen Siemir herzlich willkommen! Obgleich wir uns zum ersten Male sehen, sind Sie mirdoch ein alter Bekannter. Ich habe Ihre Milsionsberichte und anderweitigen Nach-richten über Ihr gesegnetes Wirken mit Theilnahme gesammelt und einmal in eineröffentlichen Rede in England davon Gebrauch gemacht: ich habe nämlich die Missionender Angolaner mil Ihrer Mission verglichen, jenen Reichthum der Ausstattung »>itIhrer Armulh und cie Sterilität der Erfolge auf jener Seite mit Ihren Früchten:und ich habe daraus die Wahrheit gefolgert, daß jene nur ein mcnichliches Unter-nehmen gegen den Willen Gottes betreiben, während Sie in Ihrer Einsamkeit undEnibehrnng Goit zum Begleiter unv Heiser bei Ihnen haben." Baraga istdieher nur Bischof in parti>>u8, obgleich er seinen eigenen diocesanarligen Wirkuugs-krciS hat mit alle» bischöflichen Vollmachten: der hei ige Vater hat nun den Aufriaggegeben, die kanonische Verhandlung einzuleiten, wodurch Ober-Michigan znm Bis-thum erklärt werden soll. Diese Erklärung war bisher nur aus dem Grunde unter-blieben, weil der Ort für die Residenz nicht namhaft gemacht werden konnte. Ob-gleich übrigens der eifrige Missionsbischof mit vielem Troste Rom veiläßt, so bleibter doch rücksichtlich der Geldmittel lediglich auf die Leopoldinen-Stiftung angewiesenund an sonstige Hilse in Oesterreich unv Deutschland . (Salzb. Kirchenbl.)