Ausgabe 
14 (2.4.1854) 14
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Heinrich IV. von Frankreich und die Jesuiten .

Heinrich IV., der Stifter der bourbonischen Linie in Frankreich (15891610 f),gehörte zu jenen Männern, die nach dem stereotypen Ausdrucke moderner Geschichte-machcr ihrer Zeit weit vorausgeeilt waren, weil sie es mit dem alten Kirchenwesennicht mehr so genau nahmen, und es schon längst weg hatten, daß jede Religionselig mache, sie heiße wie immer. Was Heinrich IV. der Politik wegen opferte,davon sey jetzt keine Rede, aber daß in seinen Augen die katholische Kirche und ihreInstitutionen wenig mehr als Menschenwerk war. haben unS seine Biographen hinter-lassen. Und dennoch unterlag auch sein stolzer Geist dem Drucke der Wahrheit, undzollte einem Orden seine Verehrung, der durch und durch kirchlich ist. Damit unSaber nicht eingewendet werden möge, eS seyen diese Aeußerungen das Resultat seinergewöhnlichen Politik, so geben wir die Rede, die er an die Deputt'rten deS Parla-mentes, daS ihn von der Restauration des Jesuitenordens abhalten wollte, im Jahre1593 hielt, in folgenden Zeilen wieder: Nachdem Heinrich im Allgemeinen vonseiner absoluten Macht dem Parlamente gegenüber gesprochen, fahrt er, auf den frag-lichen Gegenstand selbst kommend, fort: Ist es der NameJesuit ", der euern Eifererregt, so müßt ihr ciucb mit jenen hadern, welchen sich den Namen H, H. Dreifal-tigkeit: Iö8 peres äs Is 1rinit6 (ein Orden), beigelegt haben; und wenn ihr glaubt,daß ihr eben so gut wie sie ^ur Gesellschaft Jesu gekört, *) so möchte ich euch wohlfragen, ob denn eure Töchser eben so gut zu den Gilles visu in Paris gehören, wiedie Nonnen, die diesen Namen führen. Ich für meinen Theil würde eben so gerneund noch lieber Jesuit heißen, als Hugenot. Wenn ein Theil der übrigen Geistlichendiesem Orden ebenfalls abgeneigt ist, so mag dieses wohl daher kommen, weil vonjeher die Unwissenheit der Wissenschaft nickt hold war. Ueberhaupt habe ich gefunden,daß, sobald ich mich wegen Zurückberusung der Jesuiten etwas deutlicher erklärte,zwei Gattungen Menschen sich diesem Gedanken am stärksten widersetzten: die Huge-noten, und alle wegen schlechter Aufführung und Sitten berüchtigte katholische Geist-liche; aber eben dieses war es gerade, was mir nur noch eine größere Liebe undAchtung für die Jesuiten einflößte. Hat die LorKonns (Universität), wie ihr sagt,sich gegen die Jesuiten erklärt, so hat sie eS hierin eben so wie ihr gemacht, sie hatnämlich über die Jesuiten geurtheilt, bevor sie dieselben noch kannte. Hatte blos Eifer-sucht die Glieder der alten 8ori>onns zu Jesuirenfeinden gemacht, so hat die neueM'ist bei denselben studirt, und preiset sich nun glücklich, solche Lehrer gefunden zuhaben; hätte endlich der Orden bis jetzt noch nicht festen Fuß gefaßt, so danke ichGott , daß er mir die Ehre vorbehalten hat, ihm (dem Orden) eine Garantie zugeben; so werden sie jetzt kraft meines EdicteS in Frankreich leben, und so wie meineVorfahren den Orden blos geduldet hatten, so ist es jetzt mein Wille, denselben festund dauerhaft in meinem Reiche zu gründen."

Ihr sagt, daß die Universität sich mit den Jesuiten nicht vertragen könne;davon jedoch war die Ursache: Entweder daß sie gelehrtere Leute waren, und daherAlles sich zu ihren Lehrstühlen hindrängte, während die Lehrsäle der hohen Schuleleer blieben, oder auch, weil sie bis jetzt der Universität noch nicht einverleibt waren;dieses wird aber nun geschehen, und ich bin überzeugt, daß, wenn ich eS befehle, siesich dieser Einverleibung nicht weigern werden. Ihr bemerkt, daß die gelehrtestenMänner in eucrm Parlamente nicht bei ihnen studirt haben; ja! wenn die ältestenauch die gelehrtesten sind, so mag dieses wahr seyn, denn jene studirten zu einerZeit, wo man noch keine Jesuiten in Frankreich kannte. Aber ich weiß, daß nichtalle Glieder eures Parlamentes eurer Meinung beipflichten; wenn man aber bei denJesuiten nicht mehr lernt, als anderswo, woher kam eS denn, daß selbst, währenddie Jesuiten aus Frankreich vertrieben waren, alle andern Lehranstalten dennoch von

*) Man hatte nämlich dem Jesuitenorden gleich bei seiner Gründung das Recht streitig gemacht,sich nach dem H, H, NamenJesu" nennen zu dürfen, und es als Particularismus verschrien. Auchdie Gesandten hatten unter ihre Anklagepuncte diesen ausgenommen,