Ausgabe 
14 (2.4.1854) 14
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Niemand besucht waren, und man lieber nach Twray ging, und die Jesuiten imAuslande aufsuchte, nur um ihreö Uuicriichtes nicht entehren zu müssen? Sie ziehen(sagt ihr) alle guten Kopfe an sich, und wählen die besten für ihren Orben; abereben dieß gibt ihnen einen Anspruch mehr ans meine Ächtung. Fändet ihr imJesuitenoiden unwissende Professoren und schlechte Prediger, so konntet ihr ihn ver-achten; und jetzt, wo ihr lanler treffliche Leute unler ihnen findet, wollt ihr ihnendas zum Verbrechen machen."

WaS die Güter und Reichthümer betrissr, welche, wie ihr sagt, die Jesuiten besessen haben sollen, so ist dieses eine große Lüge und Verleumdung; Niemand kann besser wissen, als ich, da ihre Güter meinen Domänen einverleibt winden; woes sich zeigte, daß man in Vourges und Lyon kanm sieben bis acht Lehrer hat besol-den können, während doch vorher nennunddreißig bis vierzig Jesuiten dort lebten."

Eben so ungerecht ist es, sie Aufrührer zn nennen, weil sie auf Seite derLigue. *) Dieses lag im Geist der damaligen Zeit. Die Jesuiten waren gelänschtworden, wie es andere auch waren, haben aber nachher den Irrthum erkannt, undeingesehen, daß Alles, was man ihnen von meinen Gesinnungen gesagt, falsch undgrundlos sey? Zudem bin ich anch noch ül'erzeu>,t, daß bei ihnen weniger der böseWille als bei Andern war. Sie suchen, sagt ihr, sich auf jede Art in Städte an-zuschleichen; nun gut Andere machen eS eben so, und ich selbst suchte in meinKönigreich zu kommen, auf welche Art ich nur immev konnte. Man muß jedochgestchen, daß die Jesuiten mit ihrer Geduld, Klugheit und ausgezeichneten Frümmig-keit Alles zn Stande bringen, und daß ihre givße Anhänglichkeit an ihre mlen Sta-tuten und Einrichtungen, an welchen auch nicht das geringste geändert rverd>n darf,dem Orden wirklich eine sehr lange Dauer verspricht. Ihr Gelübee dcs Gehorsamsgegen den Papst kann für sie keine stärkere verbindliche Kraft baden, als der Eid derTreue, den sie mir schwören. UebrigenS kennt man dieses, dem Papste GehorsamVersprechende Gelübde der Jesuiten nicht recht, oder vielmehr mau har es aus bo'>emWillen nicht kennen wollen, und vorsätzlich s^ viel als niögl ch entstellt. DiejesGelübde heischt nicht einen ans alle Gegeustäude sich beziehenden unbedingten Gehorsam,sondern es erstreckt sich auf Misstonen; und der an den päpstlichen Stuhl sie bindend-Gehorsam verpflichtet dieselben nnr, überall und in die entfernt, sten Länder unbedingthinzugehen, sobald sie der Papst dorthin schick.n würde, das Evange ium zu predigen;auch waren cS in der That die Jesuiten ganz allein, deren sich Gott aiö seinerWerkzeuge bediente, um den Jndiern das Christen hnm zu verkündigen."

Rücksichilich ihrer Meinung vom päpstlichen Stuhle ist mir nicht unbekannt,daß sie gegen denselben eine tiefe Ehrfurcht haben; diese Ehrfurcht gegen den heiligenVater theile ich mit ihnen. Indessen ist eS von Ench sehr sonderbar, daß ihr keinWort davon sagt, daß man erst vor Kurzem in Rom alle Schriften des Jesuiten Bellarmin in B>schlag nehmen wollte, weil er in denselben der päpstlichen Gerichts-barkeit wiit engere Schranken setzte, als die übrigen Theologen bisher gethan; ebenso wenig macht ihr eine Erwähnung davon, daß erst unlängst die Jesuiten den Satzaufstellten: daß der Papst an der Spitze der Kirche zwar unfehlbar sey, aber dennochClemens (der damalige Papst) sich wie jeder Andere irren lönne. (In Sachen, dieden Glauben nicht betreffen) Auf jeden Fall bin ich gewiß, daß sie wenigstens dieß-falls nicht mehr lehren, als die übrigen Alle; und wollte man hierüber einen Proceßanhängen, so müßte man ihn gegen die ganze katholische Kirche führen."

WaS die Lehren betrifft, die man ihnen znm Vorwurf macht, nämlich daß ihreGrundsätze dahin gingen, die Geistlichkeit dem Gehorsam gegen den Regenten zu ent-ziehen, ja sogar den Königemvrd als erlaubt darzustellen, so muß man sich vor Allembemühen, früher ihre Grundsätze genau kennen zu lernen, und darauf Acht geben, obdieselben wirklich der Art sind, wie ihnen nachgesagt wird. WaS mich noch glauben

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*) Bevor Heinrich IV. vom Protestantismus zur katholischen Kirche übertrat, hatten die Katho-liken gegen ihn, der sich um den Thron bewarb, einen Bund, die .Ligue", geschlossen.