Ausgabe 
14 (2.4.1854) 14
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macht, dciß an allem Dem nichts sey, nnd daß eS ihnen nur boshafter Weise aufge-bürdet w rd, ist: daß, nachdem man ihnen länger als dreißig Jahre den Unterrichtder Jugend in Frankreich überlassen hatte, und binnen dieser Zeit wenigstens mehr alsfünfzigiausend Personen aus allen Classen der Staatsbürger bei ihnen studirt, nachhernoch mit ihnen gelebt und häufigen Umgang gepflogen halten, es doch von allen diesenleinen einzigen gibt, welcher behauptet, daß er sie jemals eine solche Sprache führenoder etwas ihr sehnliches Uhren gebort hätte. Ja was noch mehr ist, eS gibt SiaatS-minister, welche bei ihnen studirt und schon unter ihnen gelebt haben; warum wendetman sich denn nicht an diese, um über die Lebens- und Lehrart der Jesuiten Eikun«dignugen einzuziehen? ist ja zu vermuchen, daß sie so viel Böses als möglich vonihnen sagen würden, wäre es auch nur um sich zu entschuldigen, daß sie nicht in denOrden derselben getreten sind. Ich weiß sehr Wohl, daß man solche Männer schonbc ragt hat, aber nichts anderes hat herausbringen können, als daß in der That ihreSitten von allem Tadel völlig frei sind."

Die Jesuit»n sind in Frankreich geboren, folglich meine natürlichen Unterthanen,gegen die ich keinen Verdacht haben und keinen Einflüsterungen Ranm geben will. Ichhabe schon ungleich schwierigere Sachen durchgeführt, überlaßt dir selben also mir ganzallein, und bekümmert euch blos um daS, was ich euch sage und befehle."

So weit Heinrich IV. Wir überlassen eS dem Leser zu untersuchen, wiegroß die Harmonie zwischen der Denk- nnd SinneSweise Heinrichs und diesen Wortengewesen seyn mag; wir verweisen bK>s auf den Inhalt dieses so ehrenvollen und bün-digen Zeugiusses, das uns ganz die Jesuiten von Heute bezeichnet, obwohl eS Män-nern gilt, die schon vor mehr als zweihundert Jahren über die Breiter dieser Weltgegangen sind. Mag die Rede auch mit Heinrichs Junerm nicht übereingestimmthaben i^waS erst deö Beweises bedan), so steht sie doch da als ein Denkmal ciiuöOrdens, das man ihm setzte zweihuudcrt Jahre früher, ehe ihn die Gewalt erdrückte;als ein Aciuistück, d. S lauter als Marmorsäulen und Epitaphien von vergangenerGröße spricht In jedem Falle ist die Wahrheit dieses Zeugnisses verbürgt; dennangenommen, es war kalte berechnende Politik, was Heinrich obige Worte in Mundlegte, wie durfte er eS denn wagen, wenn ibm an Erreichung seines Zweckes gelegenwar, seinen Gegnern und Anklägern dcS Ordens mir Gründen zu antworten, dienicht hallbar, nicht dem Boden -er Wahrheit entwachsen wären? Wie hätten dieseeine Vertheidigung anfgeiiommen, die aus erdichieien Verdiensten beruhte? HaltenFürsten späterer Zeit den Verleumdern und Anschulvigern deö JesuiienordcnS aufgleiche Weise geantwortet, sa wäre viele Ungerech igkeii verhütet, und der Welt einVerbrechen erspart worden, dessen Folgen so unermeßlich waren, daß man si>benzigJahre (von 17801d5v) bedurfie, um dieselben in ihrer ganzen Ausdehnung kennenzu lernen. (Ocst. Nolksfr.)

Da» Christenthum in Abyssinten und der letzte Märtyrer daselbst

aus Oesterreich .

(Schluß.)

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II.

Pater TheodosiuS Wolf stattet über den Martyrertov seiner Ordensbrüder inAbyssinien an den Provincial Bruno Premier folgenden Bericht ab.H ochzn ehrender Pater Provincial!

Kindliche Verehrung, und die enge Verbindung, in welcher ich mit dem hoch-würdigen Pater LiberatuS, seligen Angedenkens, stand, bestimmen mich die Feder zuergreisen, um das wohl grausame, aber dennoch nicht traurig, sondern glorreich zunennende Schauspiel zu schildern, welches daS dem katholischen Glauben noch immerfeindlich gesinnte Aethiopien in diesem Jahre wieder c>N' drei Priestern des SeraphischenOrdens gegeben hat. Wie bekannt, wurden im Jahre 1704 von unserm heil. Vater