Ausgabe 
12 (31.10.1852) 44
Seite
345
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Zwölfter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

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zur

Angsburger Psjheitnng.

31. Oktober /U^ 1852.

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Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage» Der halbjährige Abonuementsprei«4V lr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Bnchhaudluugeu bezogen werden kaun.

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Abschiedsschreiben des bisherigen Pastors der evangelisch-luthe-rischen Gemeinden in und um Bnnzlau, Görlitz , Warmbrunn,Löwenberg, Greiffenberg u. s. w. an seine Pfarrkinder bei Gele-genheit seines Rücktrittes zur katholischen Kirche .

Meine theure, herzlich geliebte Gemeinde!

Möchtet ihr in Liebe noch ein Abschiedsschreiben von mir nehmen, da ich meinAmt bereits niedergelegt habe. Empfanget zuerst meinen innigsten Dank für dasgroße Vertrauen, welches ihr mir bisher geschenkt, mit welchem ihr mein Wort fünfJahre lang aufgenommen; mir thut cS herzlich leid, dass ich nicht, wie ich hättesollen, überall mit sichtbar herzlicher Freundlichkeit euch erwiedert habe und Jedementgegen gekommen bin. Insbesondere danke ich denen unter euch, die besondere Liebeund Güte in mancherlei Erweisungen freundlich mir entgegen brachten; ich bitte Gott ,er wolle auch deS Becher Wassers nicht vergessen, und Alleö reichlich lohnen, waseinem seiner Geringsten erwiesen worden ist. Mit Wehmut!) nehme ich Abschied, mitThränen im Auge und Herzen, wenn ich besonders auch der Versäumnisse gedenke,die ich in'einem so hohen Amte mir zu Schulden kommen lassen. Wie oft hatte ichmir vorgenommen, mich ganz in seinem Dienste aufzuopfern; aber wie oft habe ichleibliche Schwachheit und Beschwerden mich abhalten lassen, euch daS zu seyn, wasmein Herz immer wünschte und mein Wille wa»! Ich bitte Gott um Vergebung allerdieser Versäumnisse: Er wolle gnädig erlassen, was ich ihm schuldig blieb I Ich bitteeuch Alle insgesammt und Jeden Einzelnen: Vergebet mir, und durchstreichet, wasich euch schuldig blieb! Ich meines Theils habe gegen Keinen Etwas im Herzen, esdarf Keiner sich ein Bedenken machen: O möchten wir Alle rein und frei gegen ein«ander vor GotteS Angesicht einst treten!

Waö ich jetzt euch sagen muß, ist EtwaS, das eure Herzen aufs Tiefste ver-letzen muß; das den Glauben, dem ihr -die größten Opfer gebracht, antastet; dasdie Kirche unserer Väter, für die wir Schmach und Spott willig bisher litten, daöden Grund unter den Füßen euch rütteln wird. Wie gerne wollte ich eS nicht seyn daS weiß Goit der solchen Schmerz, solches Herzeleid seiner geliebten Ge-meinde macht; aber ach, ich kann ja nicht anders! Gott hat mir den Schmerz, daöHerzeleid gemacht, Gott hat meiner nicht verschont; er hat mich au,fS Tiefste betrübt,um mich aufS Höchste zu erfreuen. «Mein Abschied ist nicht allein von eurer lutheri-schen Gemeinde, sondern von der ganzen lutherischen Kirche. In BreSIau, wohin ichzur Generalsynode gereist war, habe ich wiederholt in vielen Unterredungen mich aus-gesprochen, nachdem dieß schon im vorigen Jahre und in diesem geschehen, und ichbin immer nur bestärkt und zur völligsten Klarheit entschieden worden. So habe ich