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zählung von schlagenden Thatsachen, wie diese Ausrechthaltung bisher nicht geschehenist, wie im Gegentheil die wesentlichsten Puncte durch Mißbrauch bis auf dieseStunde zum größten Nachtheil der Kirche umgestoßen wurden. Wie wir nun ver-nehmen, hat der hochwürdigste Herr Erzbischof von München-Freising bereits sichgeäußert, daß er seinerseits mit dem Verbot einer Schrift nicht einverstanden seynkönne, welche den Boden der Wahrheit und des kirchlichen Rechts nicht verlasse,und die nur diejenigen gerechten Forderungen wiederholt und mit Thatsachen unter-stützt, welche die Bischöfe in ihrer Denkschrift ausgesprochen haben. Was sollenaber auch die Bischöfe Bayerns von der Gewährung der in ihrer Denkschrift auf-gestellten Puncte für eine Erwartung hegen, wenn eine Schrift, die dasselbe auS-spricht, was in der Denkschrift steht, und gegen welche vom kirchlichen Standpunctnur RühmenSwertheS gesagt werden kann — von Seite der Staatsbehörde denKatholiken Bayerns nicht einmal zu lesen erlaubt wird? Die Tragweite und dieFolgen eines solchen Verbotes liegen auf offener Hand. Wie ehrenwerth ist der katho-lische KleruS während der Z?it des Aufruhrs, in ganz Bayern , besonders aber in dergefährlichen Revolution in der Pfalz dagestanden — so daß selbst König Ludwig seineoffene Anerkennung darüber schriftlich und mündlich mehrmal ausgesprochen; — diesemkatholischen KleruS nun dürfte doch von Seite des Ministeriums eine andere Behand-lung gebühren als jene, welche demselben jetzt widerfährt. Aber die Weisheit predigtdraußen, wie es im Buch der Sprichwörter im ersten Capitel heißt, und eS dürfteallen jenen, welche sich die Ohren vor der Wahrheit zuhalten, nicht schaden —wenn sie dieses Capitel vom Anfang bis zum Ende aufmerksam durchlesen wollten!(W. Kirchenz.)
Im vorigen Jahre entstand zu Rom eine amerikanische GcsandtschastScapelle.Die amerikanischen Gesandten zu Paris, Wien, St. Petersburg , Constantinopel undin andern Hauptstädten haben nie besondere Gesandtschaftscapellen noch Gesandtschafts-capläne gehabt. So ist eS auch in der Ordnung, denn die vereinigten StaatenNordamerikas haben ja keine StaatSreligion, sondern sie haben die Trennung desStaates von der Kirche aufs vollständigste durchgeführt. Man kommt daher auf dieVermuthung, daß bei der Eröffnung dieser americanischen Gesandtschaftscapelle andereZwecke verfolgt werden. Ein Geständnis; hierüber finden wir in einem protestantischenBlatte, welches unter dem Titel: „Ms cnristisn IntelliAkneer^ zu New-Aork erscheint.Dieses enthält in der Nr. vom 3. Mai 1851 einen Brief aus Rom , in welchem eSheißt: „Ich habe Ihnen gemeldet, daß hier eine amerikanische preSbyterianische Capellebesteht, deren Pfarrer der Geistliche HastingS ist. Er ist dem Scheine nach Caplaiider Gesandtschaft der vereinigten Staaten, wird aber in der That von der Gesellschaftder amerikanischen Missionen zur Unterdrückung der katholischen Kirche verwendet. Dieenglische Kirche wird zu Rom nicht geduldet, und diese protestantische Kirche ist nurerlaubt, weil sie sich unter dem Namen der Gesandtschaft der vereinigten Staatenverbirgt." (M. Sbl.) _
Während die Kirche in Neu-Gran ada verfolgt wird, indem man die geistlichenOrden verbannt, die Güter der Geistlichkeit einzieht, die Bischöfe vertreibt, oder doch inder Ausübung ihres heil. Amtes hindert, schlägt die Regierung in Lima den ganz ent-gegengesetzten Weg ein. Sie sucht mit dem Mittelpuncte cer kathol. Einheit, dem heiligenStuhle, in immer engere Verbindung zu treten. Der Präsident, General Etchenique,schickt den Vorsteher seines CabinetS, Herrera, einen jungen Priester, welcher sich schondurch sein Talent rmv seine Ergebenheil sür Gott und sein Vaterland berühmt gemachthat, als Gesandten nach Rom. Als Mitglied deS Parlaments von Peru verfocht er immerdie Rechte der Kirche und die Unabhängkeit der geistlichen Macht. (M. Sbl.)
Bera-twortlicher Redacteur: L. Schönchen.
VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer.