Ausgabe 
12 (21.11.1852) 47
Seite
369
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Zwölfter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburger Pojlzeitung.

21. November 185S.

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Die Heiligen und Heiligenbilder der katholischen Kirche . *)

Die Wittembergische Confession sagt:ES unterliegt keinem Zweifel, daß daSAndenken jener Heiligen, welche, als sie noch im Fleische wandelten, der Kirchenützten, im Herzen aller Frommen heilig gehalten werden müsse." Die AugSburgischeConfession hält eS sür nützlich, wahre Geschichten frommer Personen zu erzählen,weil gute Beispiele nicht ohne Vortheil seyen, und die helvetische Confession sagtsogar, die Heiligen müßten, behufs der Nachahmung, geehrt werden.

Die katholische Kirche bestimmte nieEtwaS über den Namen der Ehre, welchesie den Heiligen erweist. Indessen unterscheidet sie einen zweifachen ReligionSact,einen unmittelbaren und mittelbaren, wovon keiner auf Goll allein bezogen wird.Ueber letzteren äußert sich AmasiuS folgendermaaßen:Die Geschöpfe muß man auSAchtung gegen Gott verehren und nicht aus Achtung gegen sie selbst, und die Reli-gion befiehlt nach der Lehre der Scholastiker eine solche Verehrung." Selbst Lutherschreibt:Die Obrigkeiten, der Kaiser, König, Fürst, Consul, Doctor, Prediger,Lehrer, Schüler, Vater, Mutter, die Kinder, der Herr, der Knecht u. s. w. sindPersonen, welche wir nach dem Willen Gottes für seine Geschöpfe erkennen, frommverehren und die auch auf dieser Welt seyn müssen. Aber er will nicht, daß wir siezu Göttern machen." Weil wir nun die Verehrung GotteS von jener der Heiligenunterscheiden, und letzteren wegen ihrer übernatürlichen Herrlichkeit und Gnade einegrößere Ehre, als den Sterblichen erweisen, welche auf Erden wandeln, so ist keinGrund vorhanden, die Heiligenverehrung zu verwerfen.

Die Anrufung der Heiligen ist nicht zum Heile nothwendig, sondern nur erlaubtund nützlich: Loths Gebet rettete die Stadt vom Untergänge; Jakob sagte, indem erseinen Enkeln den Segen ertheilte:der Engel, welcher mich vor allem Uebel be-wahrte, sogar diese Knaben u. s. w." Endlich schreibt der heil. Johannes:Gnadeeuch und Friede von Dem, der war und seyn wird, und von den sieben Geistern,die vor seinem Throne stehen." Durch diese Worte fleht Johannes nicht nur beiGott, sondern auch bei den sieben Geistern, die vor seinem Throne stehen, um Gnadeund Frieden.

Die Protestanten geben auch zu, daß die Engel nicht stumm seyen, sondern'daß der eine zum andern durch die Richtung seines Willens reden könne. Wennalso ein Engel durch die Richtung seines Willens den Gedanken eines andern kennenlernt, oder demselben seine Gesinnung mittheilt, so können sie gewiß auch unsereBitten, welche wir durch unsern Willen an sie richten, erfahren. Muß man aberden Engeln diese Kenntniß zugestehen, wie kann man sie den Heiligen absprechen,

») Mainzer S.-Bl.