Ausgabe 
12 (21.11.1852) 47
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welche im Himmel herrschen? Sagt doch selbst Christus von ihnen:Sie können nichtmehr sterben, weil sie den Engeln gleich und als Kinder der Auferstehung KinderGottes sind."

Aber die Protestanten reden gewöhnlich von den Heiligen wie von den Todten,obgleich die Heiligen sich eines weit höhern Lebens erfreuen als wir, und Theilnehmen am unerschaffenen Lichte und der ewigen Herrlichkeit.Unvollkommen," schreibtder Apostel,, ist unsere Erkenntniß, und unvollkommen unser begeisterter Vortrag;wann aber das Vollkommene erscheint, dann wird das Unvollkommene aufhören."Reichlicher begabt Gott die Heiligen, welche mit ihm in den seligen Gefilden herr-schen, als die Pilgrime in diesem Erdenjammerthal. Wenn der Prophet ElisäuS imGeiste sah, wie Naaman, der Syrer, seinem Diener Giezi Geschenke machte; solltendenn die Heiligen, wenn gleich von unS abwesend, nicht auch die Bitten wahrneh-men, die wir an sie richten? Wenn ElisäuS nicht der Augen bedürfte, um seinenKnecht zu sehen, warum sollen die Heiligen der Sinne bedürfen, um unsere Bittenwahrzunehmen? Wenn Jener von oben die Gnade erhielt, um abwesend zu sehen:um wie viel mehr werden sich die Heiligen dieser Gnade zu erfreuen haben, da ihnenGott Alles in Allem geworden ist? Daniel wußte die mystische Auslegung jenesTraumes, den Nabuchodonosor hatte; Samuel sah die geheimsten Falten des HerzensSauls; Abdias kannte die Verstellung von JerobeamS Weib; EliaS, aufgenommenins Paradies, tadelte den König Joram in einem Briefe; und Gott sollte den Hei-ligen, welche schon im Besitze des Vollkommenen sind, indem bei ihnen das Unvoll-kommene aufgehört hat, geringere Gnaden zufließen lassen? Gewiß würbe sich Jakob nicht an die Engel gewendet haben, damit sie seinen Enkeln den Segen ertheilten,wenn er nicht überzeugt gewesen wäre, daß die Engel die Bitten, welche er an sierichtete, kennten. Eben so glaubte der heilige Johannes, daß die sieben Geister seinGebet wüßten, und wenn David singt:Im Angesicht der Engel will ich dir lob-singen," so glaubte er gewiß, daß ihn dieselben nicht nur sähen, sondern auch hörte».Auch aus deu Worten Christi:Im Himmel wird Freude über einen Sünder seyn,der sich bekehrt," geht hervor, daß sich die Engel nicht nur über die Bekehrung derSünder im Allgemeinen, sondern auch über die Bekehrung eines einzelnen Sün-ders freuen. Woher aber diese Freude, wenn sie von der Bekehrung des Sündersnichts wissen?

WaS gab es Geringeres als den Schatten deö heiligen PetruS ." Und dochverehrte ihn das Volk und Gott wirkte durch denselben Wunder. Gott wirkte Wun-der durch die Tücher und den Gürtel des heiligen Paulus; man dürfte sie nur aufKranke legen, um Krankheiten und böse Geister von ihnen zu vertreiben. Jene Frau,welche am Blutflusse litt, und das Kleid Christi berührte, erhielt ihre Gesundheitwieder. ElisäuS theilte durch Berührung mit dem Mantel deS Elias die Gewässer;ein Todter erhielt durch Berührung der Gebeine des ElisäuS daS Leben wieder, undals Moses aus Egypten wanderte, nahm er die Gebeine des Joseph mit. Hierzubemerkt Chemnitz :Gewiß haben die Jsraeliten die Gebeine Josephs ehrfurchtsvollaufbewahrt." Die JSraeliten führten gewiß ehrfurchtsvoll Josephs Gebeine ausEgypten ins gelobte Land. Wer kann nun nach dem so eben Angeführten in Abredestellen, daß man die Reliquien der Heiligen in Ehren halten müsse und verebren könne?

Die Katholiken beten weder die Heiligen an, noch halten sie sie für Götter,sondern glauben, die Ehre, welche sie den Heiligen beweisen, gehe auf Gott , deuUrheber ihrer Heiligkeit, der allein anzubeten ist. Eben so wenig beten sie die Bilderder Heiligen an oder verehren dieselben um ihrer selbst willen, sondern wissen, dieEhre, welche sie den Bildern derselben erweisen, beziehe sich auf die Heiligen selbst.Wenn man einem König einen Schimpf anthut, indem man sein Bildniß beschimpft:Warum sollen wir jene Bilder nicht verehren; welche uns an Gott wohlgefälligePersonen, an seine besondere Freunde erinnern? Wenn es den Protestanten erlaubtist, sich vor einer Wand niederzuknieen, um zu Gott zu beten: warum soll eS denKatholiken nicht gestattet seyn, sich vor einem Krucifix niederzuwerfen, welches ihnen