371
die empfangenen Wohlthaten besonders ins Gedächtniß zurückruft? Die Juden betetenGott bei der Bundeslade an, welche sie in großen Ehren hielten, und doch war diesenur ein Bild Gottes, wie denn auch die Cherubim, welche sich über ihr befandenund gleich ihr verehrt wurde», ebenfalls nur Figuren waren. Die eherne Schlange,ein Vorbild Christi, hatte die Macht, Alle, welche von den feurigen Schlangengebissen worden waren und sich ihr nahten, zu heilen. Nach der Lehre der Refor-mirtcn wird im Abendmahl nur vaS Zeichen, daS Bild des Leibes Christi genossen,und doch will Calvin, daß seine Anhänger es mit Ehrfurcht empfangen.
Die Protestanten geben zu, daß die Worte Zeichen der Dinge seyen. Nichts-destoweniger findet man wohl Solche unter ihnen, welche beim Namen eines irdischenFürsten das Haupt entblößen, aber dem allerhciligsten Namen Jesu keine Ehre erweisen,obgleich der Apostel schreibt: „Im Namen Jesu sollen sich beugen alle Kniee Derer,die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind." Am besten kann JohannesHuß die Protestanten über die Verehrung der Heiligenbilder belehren, indem er schreibt:„Obgleich die Menschen vor einem Bildnisse Christi oder irgend eines Heiligen dieKniee beugen, beten, opfern und Kerzen anzünden, so thun sie dieß nicht im NamendcS Bildes, sondern im Namen Dessen, welchen dasselbe vorstellt, so wie denn auchnicht daö Bild seiner selbst wegen, sondern wegen Desjenigen, der aus ihm abgebildetist, vor den Menschen ausgestellt wird."
(Fortsetzung folgt.)
Christliche Lefefruchte und Betrachtungen eines Laien.
1. So wie Gott einst wegen eines einzigen Gerechten einer ganzen Stadt ver-schonte, so kann Seine Barmherzigkeit auch das ganze Leben eines reuigenSünders auch nur wegen eines einzigen demuthövollen und gläubigen Ge-betes, auch nur wegen einer einzigen demuthvollen Unterwerfung unter Ihnin Gnaden aufnehmen.
2. Die heiligen Evangelisten erzählen fast von keinem Wunder Christi, wo sienicht bemerken, daß Christus beigefügt habe, der Glaube habe dem Ge-retteten oder Begnadigten geholfen. Eben so bemerken sie fast bei jedemvon ihnen erzählten derartigen Wunder des Herrn,-daß er den Begnadigtenbefahl, es Niemanden zu sage«. Allein fast Alle, bemerken sie, ver-breiteten es dann nur desto mehr.
3. Wenn die heiligen Evangelisten von der Erscheinung eines Engels, z. B.bei den Hirten, beim Zacharias, beim heiligen Grab ic. erzählen, so fügensie fast immer bei, daß man sich vor dem Engel fürchtete, und daß derEngel sagte: „fürchtet euch nicht!"
4. Wenn dein Geist oft zum Herrn schöne, glühende Worte hinaufsendet, deinkühles Herz aber seine Leere fühlt und sich sehnet, von der Liebe zu Ihmentzündet zu werden, dann ergib dich still und demüthig in deine innereund äußere Lebenslage; daS ist dann daS beste Gebet.
5. Wenn dir die Andacht nicht recht gelingen will oder du dich nicht von derGnade gehoben fühlst, so sey zufrieden mit dem Wenigen, was dirGott gibt; nimm eS immer hin voll Dank als Gabe GotteS ; denk',daß du ja nicht einmal dieses Wenige verdient hast.
6. Wenn sich der Christ mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes bezeichnet, somag er erwägen oder denken:
1) (Stirne.) Der Vater ist der schaffende Geist; gehciliget seyen auchdie Gedanken des erschaffenen Geistes!
(Mund.) Der Sohn ist das ewige Wort; geheiliget sey auch bei mirder Gebrauch des Wortes!
(Herz.) Der heilige Geist erleuchte und heilige mein Herz!