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2) (Stirne.) Christ! benutze deine Gedanken!(Mund.) Christ! benutze deine Zunge!
(Herz.) Christ! kreuzige dein Herz und seine Begierden!
3) (Stirne.) Betrachte im Geiste stets das Leiden und Kreuz deinesHeilandes!
(Mund.) Lobpreise dein ganzes Leben hindurch deinen Erlöser, derfür dich am Kreuz gestorben ist!
(Herz.) Trachte, Ihn zu lieben aus allen Kräften deines Gemüthes I7. Wie kann denn der sündige Mensch Gott für Seine Erbarmuugen undWohlthaten irgend würdig danken? ich wüßte keinen bessern Weg dazu, alsdaß er mit Geduld und Ergebung leidet, was Gott über ihnverhängt.
B a m b e r g.
Im Kölner Domblatt finden wir von E. W. (Ernst Weyden ) folgendeinteressante „Reisenotiz."
Jedem wahren Dombaufreunde ist eS ein wohlthuendes, erhebendes Gefühl,auch fern von Köln Männer zu finden, welche für das herrliche Werk und seinengedeihlichen Fortgang wahrhaft, begeistert sind. Viele solcher Dombaufreunde fandenwir im südlichen Deutschlande, wo überhaupt der Sinn für deutsche Kunst ein leben«diger, ein werkthätiger ist, wie dieß die Wiederherstellung einzelner Kirchen, vieleöffentliche Neubauten und die Pflege deutscher Kunst in den Gewerbe- und polytech-nischen Schulen am schönsten bekunden. In Bayern fand dieses Streben die ersteAnregung, Aufmunterung und Unterstützung in dem edlen, hochsinnigen Wiederbeleberdeutscher Kunst nach so langen Jahren der Schmach und Mißachtung, in KönigLudwig I. Durch sein Wollen und Wirken ist die deutsche Kunst zu einer Höhe derEntwicklung gelangt, die vor ihm die Geschichte nicht gekannt, und welche um sogroßartiger belebend wirkte, da dem königlichen Kunst-Mäcen, dem gleich Deutsch-lands Annalen keinen Zweiten aufzuweisen haben, alle Einseitigkeit fremd, sein reinerKunstsinn alle Richtungen wahren KunsistrebenS mit gleicher Liebe, gleicher Fürsorgeumfaßte.
Mit welcher begeisterten Liebe König Ludwig den großen Gedanken der Vollen-dung unseres DomeS ergriff, ist bekannt und hat allseitig den wärmsten Dank derAnerkennung gefunden. Daß seine Begeisterung für daS herrliche Gotteshaus einelebendige, werkthätige, dieß bekundet das königliche Geschenk der prachtvollen Fenster,mit dem er den Tempel schon verherrlichte, dieß beweisen die bedeutenden Beiträge,welche Bayern bis dahin zum Foribaue unseres Domes gespendet hat und noch sürderspenden wird, da Ludwigs Nachfolger, König Marll., nach den trüben Jahrenpolitischer Wirren den^ bayerischen Dombauverein zu erneuerter Thätigkeit aufgeforderthat und die Sammlungen bereits wieder begonnen haben sollen.
In allen Ständen zählt Bayern viele der wärmsten Dombaufrcunde, unterdenen aber vor allen Martin Joseph von Neider in Bamberg genannt zu wer-den verdient. Der enthusiastische Kunstfreund, ein rüstiger SechSziger, ist ein durchund durch gebildeter Architekt, bei welchem die Theorie selbst frisch grünt, der miteiner, man darf sagen jungfräulichen, heiligen Begeisterung für altdeutsche Kunstlebt und strebt, und namentlich das innere, noch so wenig gekannte Wesen altdeutscherBaukunst lebendig erfaßt hat. Den größten Theil seines in jeder Rücksicht anspruchs-los, aber um so fruchtbringender wirkenden Lebens — er ist Lehrer deö technischenZeichnens an der Bamberger Landwirthschafts- und Gewerbeschule — hat er demStudium der altdeutschen Kunst und vorzüglich ihrer Bauweise gewidmet, und mitOpfern aller Art, vielleicht selbst mit Entbehrungen, eine Sammlung von Werkenüber diesen Kunstzweig, von Plänen, Grund« und Aufrissen altdeutscher Bauwerkezu Stande gebracht, die als einzig in. ihrer Art bezeichnet werden kann und der mehr