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als aufopfernden Liebe des Edlen für dieses, erst seit dem Beginne unsers Jahrhun«derts wieder gewürdigte, in seinen unerreichten Werken so großartige Kunststreben daSrühmlichste Zeugniß gibt.
Die Ergebnisse seines unermüdlichen Bienenfleißes hat der eben so bescheideneals verdienstvolle Mann, eine wahre, aber seltene deutsche Künstlernatur, in zweiSchulprogrammen der Anstalt, an welcher er wirkt, unter dem Titel: „Die Bemü-hungen in Erforschung der Denkmäler altdeutscher Baukunst, vorzüglich ihrer Bau-regeln" (Bamberg , gedruckt in der Humann'schen Officin. 4. 1841 und 1847),niedergelegt. In diesen Abhandlungen findet der Freund altdeutscher Kunst ein mög-lich vollständiges Verzeichnis) aller Werke, die besonders in Deutschland , dann inFrankreich und England über das Wesen der altdeutschen Baukunst, ihre Ornamentiku. s. w. bis zum Zeitpunct ihres Erscheinens herausgegeben wurden, mit höchstschätzenSwerthen Andeutungen.
Gar Mancher mag sich sonst bei dem eben so leutseligen als dienstfertigen Manneschon Rath geholt und Aufschlüsse gefunden haben, die er anderwärts vergebens suchte;gar Mancher mag sich schon mit v. ReiderS Verdiensten geschmückt haben, währenddieser selbst sein höchstes Glück einzig darin findet, für die Wiederbelebung ächt deut-schen KunststrebenS, für die wahre Würdigung, daS Verständniß altdeutscher Bauwerkeanregend und fördernd wirken zu können, v. Neider war es, dessen umsichtigen Rathder leider zu früh Heimgegangene Erbauer der Aukirche in München , Ohlmüller,bei diesem einfach schönen Baue freudig und dankbar benutzte; v. Neider lieferte sehrschätzbare Beiträge zu dem anerkannt tüchtigen Werke des auch schon verstorbenenFriedrich Hoffstadt : „Gothisches ABC-Buch, daS ist: Grundregeln deS gothi-schen Styls für Künstler und Werkleute", und durch v. ReiderS umsichtigen Rathunterstützt, vollendete der Modelleur Schropp aus Erfurt auch in Bamberg das großeDom-Modell, das, als einzig in seiner Art, jetzt in Köln bewundert wird.
Möchte sich Herr v. Neider nur veranlaßt sehen, zum wahren Nutzen undFrommen altdeutscher Kunst, zur Förderung deS wahren Verständnisses ihrer Bau-weise und dtten Verbreitung seine eben so gründlichen als seltenen Kenntnisse, seinemit einem so unsäglichen Fleiße gesammelten Schätze und Erfahrungen in einem um-fassenden Werke bekannt zu machen, damit ein so überreicher Schatz nicht mit ihmverloren gehe, damit dem Vaterlande Gelegenheit geboten werde, sein Verdienst umaltdeutsche Kunst kennen zu lernen und zu würdigen.
Jeder Kunstfreund, der auf seinen Wanderungen daS so malerisch gelegeneBamberg besucht, findet in Herrn v. Neider den leutseligsten und kenntnißvollstenCicerone. Er kennt Bamberg und seine Geschichte auswendig, ist bis zu den kleinstenDetails mit dem massenprächtigen und doch bauzierlichcn Dome, dem vollendetstenMeisterwerke byzantinisch-romanischer Bauweise in Deutschland , vertraut, hat sich selbstum dessen Wiederherstellungsbau in mancher Weise verdient gemacht. Sein höchsterGenuß ist eS, Jemanden die Kunstgenüsse BambergS zugänglich machen zu können,unter denen als einzig und wirklich vollständig die Sammlung von Kupferstichen undHolzschnitten Dürers und CranachS hervorzuheben ist, welche sein Freund Hellerunter seinem Beistande anlegte, und die jetzt neben vielen merkwürdigen Manuskripten,Jncuuabeln und bibliographischen Seltenheiten auf der Stadtbibliothek aufbewahrtwird. Wir sind dem Ehrenmanne für seine rührende Leutseligkeit zu ganz besondermDanke verpflichtet, der ihm hier öffentlich dargebracht sey.
Daß ein so begeisterter Freund altdeutscher Kunst, wie Herr v. Neider, auchfür unsern Dom mit der ganzen Gluth einer frommen Künstlerseele schwärmt, wersollte daran zweifeln. In seiner Sammlung findet man alles, waS nur in entfern-tester Beziehung zu unserm Dome steht, und außerdem viele Kunstschätze auö derBlüthezeit Kölns , die selbst in der Vaterstadt selten.
Er zog, ein frommer Pilger, mit heiliger Sehnsucht nach dem erhabenstenHeiligthume deutscher Kunst, unserm Dome, als der königliche Protektor deö heiligenBaues am Sonntag den 4. September 1842 den Grundstein zu seinem Fortbaue