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liebte Schwestern, Euere Würde, Eueren Adelsbrief, ausgefertigt von Euerem himm-lischen Bräutigam!
Ruhe werdet Ihr finden für Euere Seelen, DcnnJhr beschäftigt Euchmit dem Unterrichte und der Erziehung der Jugend, und auch diejenigen von Euch,welche nicht unmittelbar diesem Zwecke dienen, dienen ihm doch mittelbar, Soll ichEuch erinnern an die stille» Freude», die mit der Jugendbildung verbunden sind?Aber es kann nicht beschrieben, eS muß erfahren werden, welch' ein Hochgefühl in demGedanken liegt. Diese jugendliche Seele, ich habe sie gebildet, ich habe den Keim derTugend in sie gepflanzt! Over soll ich Euch erinnern an die heißen Dankgebete,die auö vielen Herzen für Euch zum Himmel emporsteigen ? Es ist zwar wahr, daßIhr oft nur Undank erntet und Vcrkennung; aber es ist auch wahr, Hunderte ver-lassen dieses Hans und sie tragen ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit mit sich herumund flehen für Diejenigen, denen sie Erziehung und Bildung verdanken. Und wennIhr selbst dann einstens sterbet, wenn Ihr dalieget in Euerem letzten Kampfe,wenn dir Pforte der Ewigkeit sich Euch öffnet, dann erst werdet Ihr cS erfahren,welch' ein Verdienst die Juge»dbildu»g erwirbt Es mag sey», daß Ihr strauchelt,ja eS könnte sogar geschehen, daß Ihr die Gnade uud Freundschaft Eueres Gottesverlieret; denn Ihr wisset ja, obwohl Ihr getrennt seyd von der Welt und ihrenLockungen, jener gefährlichste Feind des Heiles, den wir i» unserem eigenen Herzen«ragen, er ruht selbst in der Einsamkeit nicht, und auch dem Geiste der Finsterniß sinddie klösterlichen Mauer» nicht verschlossen. Aber zu Euerer Beruhigung rufe ich Euchzu mit dem heil. Augustin: Sehet, welchen Schatz Ihr in der Person der Euch an-vertrauten Zöglinge besitzet! Wenn Ihr sie im Namen Jesu unterrichtet und bildet,so werden sie für Euch das Unterpfand Euerer ewigen Glückseligkeit! WaS Ihr denZöglingen thut, das thut Ihr Jesu selber; JesuS wird es so ansehen und so belohnen,als hättet Ihr eS ihm selbst gethan, denn wer eines von diesen Kleinen auf-nimmt, sagt er selber, der nimmt mich auf!"
Doch, ich ende. Ich habe Euch gezeigt, weil Ihr den zeitlichen Gütern entsagetum Jesu willeu, weil Ihr gehorsam seyn wollet um Jesu willen, weil Ihr die Rein-heit bewahren wollet um Jesu willen, weil Ihr dem Zwecke der Jugcndbildung dienenwollet um Jesu willen: darum wird er mit seinem Frieden Euch beglücken, mit seinenTröstungen Euch heimsuchen. Auf darum, dem göttlichen Bräutigam entgegen! SeineArme sind auSgespauut, Euch zu umarmen; sein Haupt ist geneigt, Euch den Kuß dergöttliche« Liebe auszudrücken; sein Herz ist geöffnet, Euch im Sitze der göttlichen Liebeselbst Wohnung zu bereiten! Nehmet hin das heilige Kleid, und übet Euch fortan inArmuth, Gehorsam, Reinheit, um Euereu Beruf zu erprcbcn! Leget nieder Enere Ge-lübde in das Herz Eueres göttlichen Bräutigams! Erhebender Gedanke, eine reineBraut deS GotreS der Heiligkeit zu seyn, mit seinen Engeln an seinem Tabernakel zuwachen, ihn durch Armuth, Gehorsam, Reinheit zu ehren und jugendliche Seelen ihmzuzuführen! Weihet Euch dem unbefleckten Lamme; dieses Lamm wird Euch führendurch die Zeit in die Ewigkeit. Amen.
^nte prnlessinnom votoi-um: Sehet an das Lamm GotteS , welcheshinwegnimmt die Sünden der Welt! Sehet eS an in seiner sacramentalenUmhüllung. ES ruft einer Jeden von Euch gleichsam zu: Mit ewiger Liebe habe ichdich geliebt! Dein bisheriges Leben habe ich so geleitet, daß dn erkennen konntest:ich will dein Herz! „Meine Tochter, schenk mir dein Herz!" Dein Herz istzu groß und zu weit und zu erhaben, als daß die ganze Welt mit all' ihren Schein-gütcrn es ausfüllen und befriedigen könnte; darum reiß es los vou dieser trügerischenWelt, schenk mir dein Herz. Ich habe dein Herz geschaffen; ich habe es mir erkaustum den theueren Preis meines eigenen Blutes; ich will es besitzen durch meine Gnade;darum, meine Tochter, schenk' mir dein Herz! So ruft Jesus in diesem Augenblickeeiner Jeden von Euch zu, lautlos zwar, aber doch vernehmbar dem gläubigen Herzen!Höret sie also, diese freundliche Stimme! Gebet Euch Jesu hin und verzichtet ihm zuLiebe auf Euer Eigenthum; gebet Euch Eueren Oberen hin und entsaget Euerer Selbst-