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sucht; gebet Euch dem Himmel hin und ersterbet den sinnlichen Lüsten; gebet Euch demJnstitutszwecke hin und opfert Enere Bequemlichkeit. So gebet denn AlleS hin, abergroßherzig und edelmüthig! Sprechet aus Euere Gelübde vor den Engeln, die unsicht-bar diesen heiligen Ort umschweben; sprechet sie aus vor Euerer ehrwürdigen Oberin,die fortan Euch geistige Mutter seyn will; sprechet sie aus vor Eueren Mitschwestern,die für Euch in diesen Augenblicken zum Himmel flehen; sprechet sie aus vor uns An-wesenden Allen, die wir mit gerührtem Harzen Zeugen sind Euerer heiligen Handlung,sptechet sie auS Euere Gelübde!
?ost prole88ionem votorum: So ist sie denn geschlossen, Euere Verlobung, EuereVermählung mit Jesus. Engel haben Euere Worte gehört und sie hingetragen zumThrone des LammeS. Das Lamm aber will den Bund, den Ihr jetzt mit ihm ge-schlossen, besiegeln mit seinem eigenen Blute I Ihr sollet seine Wohnung, sein Taber-nakel werden! ES will sich mit Euch vereinigen so innig, so gnadenvoll, wie dieMutter mit dem Kinde, der Freund mit dem Freunde nicht vereiniget ist! DemüthigtEuch tief in der Betrachtung dieser. unerfaß liehen Gnade, und weil die hochheiligeCommunion um so segensreicher wirkt und um so schöner Euern Liebesbund mit Jesusbekräftiget, je tiefer Euere Demuth ist, so sprechet mit mir in Andacht: „Herr, ich binnicht würdig ic."
Christliche Lefefrüchte und Betrachtungen eines Laien.
(Fortsetzung.)
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Zwei Kelche werden dem Menschen im Leben vorgesetzt, der Kelch der Leidenund der Kelch des weltlichen Trostes, des FreiseynS von Leiden; nach demletzteren greift der Mensch begierig, den ersteren trinkt er nur mit Widerstreben; undhat er ihn auch zuweilen mit Ergebung getrunken, so greift er doch, kaum daß dasLeiden gewichen, wieder nach dem anderen Kelche. Den Menschen hindert eben seineSündhaftigkeit, aus Leiden den rechten Nutzen für seine Seele zu ziehen;er ist ein König Pharao , kaum ist eine Plage vorüber, so ist er wieder der Alte.
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Du warst oft vor einem Heiligenbild?, vor einer Krippe, in einer Kirche so an-dächtig, so fromm gesinnt, so aufrichtig demüthig und später — bleibst du ebenda-selbst kalt, andachtslos, kannst dich jener schönen frühern Stimmung oft nur mehrdumpf, oft gar nicht mehr erinnern. Gott selbst stellt dir eben manchmal solche lieb-liche Bilder, solche fromme Gefühle vor die Seele zur Beschauung, zur Stärkung.Läßt Er dir auch später hievon keine Erinnerung mehr, was thut'S? Er weiß,wozu es dir damals gut war, und es kommt nicht darauf an, daß du jene süßenAugenblicke in der Erinnerung wieder genießest. Danke Ihm vielmehrinnigst, daß Er dich auch nur einmal damit beglückte!
10.
Deine Barmherzigkeit, o Herr! gegen uns, Deine Gnadenspendungen, Hilfenund Errettungen sind so groß, daß wir darüber eigentlich zeitlebens nur betrübt seynkönnen; denn nicht nur, daß wir Dir (ausgenommen etwa durch recht geduldiges Lei-den und durch Selbstkreuzigung) nicht die mindeste Dankbarkeit bezeigen können, sobetrüben und beleidigen wir Dich sogar fortwährend und tagtäglich durch unsereSünden und haben also vollen und ausreichenden Grund, uns im Angesichte DeinerErbarmungen zu beweinen.
11.
Man muß unterscheiden zwischen göttlicher Gnade und göttlichem Trost; letz-teren entzieht Er bisweilen den Menschen, die Gnade aber, wenigstens die noth-wendige, hat der Mensch jederzeit; ja, er muß sie haben vermöge der Gerechtig-