Ausgabe 
12 (12.12.1852) 50
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394
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blour wurde ein Meßgewand aufbewahrt, welches aus den Zeiten des heiligen Bern-hard stammte und sehr schön gestickt war. Auf demselben waren die drei Weisen alsKönige mit Kronen und weißen Gesichtern. Gegen die Meinung Luthers , daß esmehr als drei Weisen gewesen seyen, welche zur Anbetung Christi kamen, streitet, daßin Köln drei heilige Leiber der Weisen aufbewahrt werden, und daß Leo der Große und andere Schriftsteller drei aufzählen, Auf den Bildern der drei Weisen sieht manauch oft einen Mann bei dem Stalle, der die Hände emporhebt: der ProphetMichäaS (5, 1).

Als Christus nach Egypten gebracht wurde, sollen hier die Götzen zusammen-gestürzt seyn (Jsai. 19), weshalb man aus Bildern, die die Flucht nach Egyptenvorstellen, ein umfallendes Götzenbild fleht.

Der Teufel, welcher sich gern in einen Engel des LichtS verwandelt, kam wahr-scheinlich in der Gestalt eines ehrbaren und heiligen Mannes zu Christus, um ihn zuversuchen. Heinrich Agrippa schreibt, er habe auf einem Bilde, welches die Ver-suchung Christi darstellte, den Teusel nach Art der Mönche und Eremiten mit einerCapuce abgebildet gesehen, weshalb er mit einem schlechten Witze auSrust, er habe auseinem Bilde gefunden, was er in der heiligen Schrift vergeblich gesucht habe, daßnämlich der Teufel der Erfinder der Capucen sey.

Manche Maler verabsäumen es, bei Darstellung des letzten Abendmahles un-gesäuertes Brod zu malen. Gewöhnlich sieht man dreizehn Stücke Brod abgebildet,um anzudeuten, daß Christus nicht nur seinen zwölf Aposteln, sondern auch sich selbstdas heilige Sakrament gespendet habe. Der Gebrauch, das Abendmahlbrod rund dar-zustellen, ist sehr alt; schon der heilige EpiphaniuS erwähnt desselben.

Jetzt einige Bemerkungen über die Bilder, welche das Leidendes Herrn darstellen.

Der Heresiarch Beza tadelte die katholischen Maler, weil sie, gestützt auf jeneWorte:Dieser Kelch gehe an mir vorüber," den Kelch Christi im Oelgarten nachder Gestalt der in der Messe gebräuchlichen malten. Er sagt, daö griechische ?ror^to^dürfe nicht durch Kelch, sondern durch Becher übersetzt werden, und bezeichne den ZornGottes, die Strafe für unsere Sünden, weshalb jener Becher dasverfluchte OpferbeS Antichrists" nichts angehe. Gewiß ist keiner unserer Maler so dumm, daß erglaube, Christus habe von dem Meßkelche geredet. Weil aber der Heiland im figür-lichen Sinne bat, der Kelch oder der Becher seines Leidens möge an ihm vorüber-gehen, so malen unsere Künstler gewöhnlich einen Kelch; sie behielten die Form desKelches oder Bechers bei, welcher einzig beim heiligen Meßopfer gebraucht wird, weilChristus nicht einen gewöhnlichen, sondern einen allerheiligsten Becher (oder Kelch)trank, denn allerheiligst war sein Leiden, in welchem er sich seinem Vater sür unsals Opser darbrachte. Daher zog wohl auch der Uebersetzer den AusdruckKelch"vor, weil dieses Wort nach dem Gebrauche der Christen etwas Höheres nnd Heili-geres bezeichnet, als das Wort Becher. Von Alters her malte man aber den Kelchin der Hand des Engels, wodurch bezeichnet wird, daß, als Christus bat, der Kelchmöge an ihm vorübergehen, ein Engel erschien, der ihn stärkte.

Manches ist über die Kreuzigung Christi zu sagen. Man hat die Frage erörtert, obChristus vor oder nach der Aufrichtung des Kreuzes an dasselbe gehestet worden sey. Der hl.Gregor von Nazianz und Andere schreiben, er sey nach der Aufrichtung des Kreuzes gekreu-zigt worden. Die allgemeine Annahme ist wohl für das Gegentheil. Der Heiland wurde aberso an's Kreuz gehestet, oder hing an demselben so, daß er mit dem Rücken gegen Jerusalem ,also gegen Osten, mit dem Gesichte nach Westen sah, mit seiner rechten Hand nachNorden, mit seiner linken nach Süden zeigte. Ebenso stieg er gen Himmel auf; Erwendete sein Gesicht nach Westen, nach der römischen Kirche hin, für die er PetruSund Paulus auserkoren hatte. Vor dem vierten Jahrhunderte scheint man keineCrucifixe gehabt zu haben, was wohl durch die Rücksicht aus die Heiden und auf diekaum aus dem Heidenthum bekehrten Christen verhindert wurde; in den ältesten Zeitendiente das bloße Kreuz zur Erinnerung an den Versöhnungstod des Heilandes. Zu-weilen auch findet sich ein Lamm zu den Füßen des Kreuzes stehend, oder mitten in