Ausgabe 
12 (12.12.1852) 50
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Sehr Viele tadeln eine solche Darstellung Maria', wie ste in den erwähntenOffenbarungen und auf manchen Bildern 'gemacht wird. Denn vor Allem schreibt derheilige Johannes (19.)-Bei dem Kreuze Jesu stand seine Mutter."Ja," sagtein Kirchenschriftsteller,sie, deren Glauben nicht wie der der Apostel wankte, standda, ohne ein Zeichen eines schwachen Geistes von sich zu geben; ste sank nicht aufdie Erde, sie zerriß nicht ihre Haare, sie zerschlug nicht ihre Brust."Sie stand da,sagt der heilige AmbrosiuS,selbst bereit, für das Heil deS menschlichen Geschlechteszu sterben." Matthäus GalenuS schreibt:Wer kann, ich möchte fast sagen die Gott-losigkeit jen er Maler ertragen, welche die Mutter so vorstellen, als habe sie ihre Haarezerraufet, ihr Haupt besudelt, ihre Brust zerschlagen, als sey sie von Krämpfen be-fallen worden und niedergesunken u. s. w.?" Fast ebenso äußert sich der heilige An-selm, und Bernardin von Bustis bemerkt, daß der Fall Maria unter dem Kreuze auseiner ungegründeten Meinung süße. Auch sagt derselbe, daß Maria links vom Kreuzevorgestellt werden müsse, denn ste stand nach Norden hin und betete für die Sünder;daß sie nicht zur rechten Seite des Kreuzes gestanden habe, folgert Alexander vonHaleS aus Pf. 14t, wo es heißt:Ich sah rechts und schaute mich um, und Nie-mand war da, der mich kannte."

Der heilige Thomas von Aquin schreibt in seinem Werke über das heilige Sa-krament deS AltarS, daß man zuweilen auf der rechten Seite deS Kreuzes ein Mäd-chen mit fröhlichem Gesichte, von sehr schönem Aenßern und mit einer Krone auf demHaupte dargestellt finde, welches das Blut des Herrn in einem Kelche auffängt unddie Kirche bedeutet.Eine gläubige Seele," bemerkt der Heilige hierzu,trinkt geistigerWeise das Blut des Herrn und empfängt dagegen Licht, Freude deS Herzens und dieKrone der ewigen Herrlichkeit."Links vom Kreuze," fährt derselbe fort,wird dieSynagoge vorgestellt, und zwar mit verbundenen Augen, trauriger Miene, gebeugtemHaupte und einer herabfallenden Krone; sie schüttet daS Blut aus und behandelt esmit Verachtung. Hierdurch wird bildlich angedeutet, daß sowohl die Synagoge, wieJeder, der eine Todsünde begeht, drei Güter verliert: das Licht, die Freude deS Herzensund die Krone der Herrlichkeit.

In dem apokryphischen Evangelium deS Nicodemus und durch die allgemeineUeberlieferung wird der Schächer, welcher zur rechten Seite Christi hing, DiSmaSgenannt. Die heiligen Augustin und Leo sagen: Christus zwischen den zwei Räubernam Kreuze hängend sey ein Vorbild deS letzten Gerichtes gewesen, in welchem er dieGuten zu seiner Rechten, die Bösen zu seiner Linken stellen wird. In derselben Weisesprechen sich aus der Papst Cölestin , der heilige HieronymuS, der heilige HrabranuS,der heilige Hilarius und Andere. Auch sieht der heilige Augustin in dem rechtenSchächer Die, welche wegen der Gerechtigkeit leiden, und im linken die falschenMärtyrer, die ohne Liebe leiden. Daß beide Räuber mit Nägeln an das Kreuz an-geheftet worden seyen, schreiben die heiligen Augustin, Chrysostomus, GregoriuS undAndere; die Meisten kommen anch dahin überein, daß die Kreuze derselben dem unseresHeilandes ganz ähnlich gewesen seyen. Seit längerer Zeit sieht man die Schächer mitStricken an das Kreuz gebunden, wahrscheinlich, damit ste nicht so leicht mit Christusverwechselt werden.

Unter dem Kreuze ist oft ein Todtenkopf abgebildet, und dies ist, wie Albertder Große bemerkt, der Schädel AdamS, der unter dem Kreuze begraben gewesen sey.Doch erscheint Adam hier wohl mehr als sinnbildlicher Stellvertreter des gesammtendurch die Sünde dem Tode verfallenen Menschengeschlechtes. An sich ist der Schädelunter dem Kreuze eher eine Anspielung auf den Ort, wo Christus gekreuzigt wurde,und der Schädelstätte hieß. Man sieht auch oft Adam unter dem Kreuze liegen, durchwelches er erlöst wuroe, und die heiligen Väter schreiben, er sey der erste gewesen, denChristus aus der Vorhölle befreite.

Daß Christus ohne alle Wunde, ohne Flecken vom Kreuze herabgenommenworden sey, ist unbegründet. Unerweislich, aber ein schönes Moment für künstlerischeDarstellung ist, daß er nach semer Abnahme vom Kreuze in den Schooß seiner Muttergelegt worden. (Fortsetzung folgt.)