Ausgabe 
12 (19.12.1852) 51
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sich die Könige der Wagen im Kriege und bei Triumphzügen bedienten. Auch liestman 4. Kon, 6:Siehe, der Berg war voll von feurigen Pferden und Wagen umden Elisäus herum;" unter diesen Wagen sind gleichfalls Engel zu verstehen. AlsChristus in den Himmel fuhr, segnete er seine Jünger mit ausgehobenen Händen, in-dem er wahrscheinlich nach jüdischer Weise seine Hände über sie ausstreckte. Daß aberder Herr seine Fußstapfen am Orte seiner Himmelfahrt zurückgelassen habe, bezeugenPaulinuS von Nola und Beda. Aus der Richtung dieser Fußstapfen kann manschließen, daß Christus mit dem Rücken nach Jerusalem und das Gesicht nach Westengekehrt, aufgefahren sey.

Die Herabkunft des heiligen Geistes wird durch feurige Zungen (Ap. 2) ange-deutet. Außer den Aposteln waren noch andere Jünger Jesu , sowie seine Mutterbeim Gebete versammelt, und Die, welche wollen, über die Apostel allein sey derheilige Geist herabgekommen, erinnern sich nicht der Stelle bei Joel Kap. 2, welcheauch der Apostelfürst anführt:In jenen Tagen will ich über meine Knechte undMägde mein«n Geist ausgießen." Auch räumen die Maler der Mutter deS Herrneinen ehrenvollen Platz unter den Aposteln und übrigen Jüngern ein.

Christus wird bei seiner Ankunft zum jüngsten Gerichte ebenso gemalt, wie er inden Himmel stieg.Er wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt in den Himmelfahren sehen," sagten die Engel (Act. 1).Und dann wird das Zeichen deS Menschen-sohneS erscheinen," sagt Christus (Matth . 24).DaS Zeichen deS MenschensohneS,"schreibt der heilige ChrysostomuS ,ist das Kreuz, welches glänzender als dieSonne erscheinen wird." Mit Recht wird daher bei der Vorstellung des letztenGerichts ein Kreuz gemalt. Der Regenbogen, auf welchem der Herr sitzt, ist beiEzechiel t angedeutet. Zu dieser Stelle macht der heilige Gregor die Bemerkung:der Herr stellte den Regenbogen zwischen sich und die Menschen zum Zeichen auf,daß er die Welt nicht mehr durch eine Sündfluth heimsuchen wolle, indem er sprach:Ich werde meinen Bogen in die Wolken setzen, und er wird ein Zeichen des Bundeszwischen mir und der Erde seyn, und wenn ich den Himmel umwölke, wird meinBogen in den Wolken erscheinen, und ich werde mich meines Bundes mit euch er-innern. Daher zeigt sich an demselben Bogen zugleich die Wasser- und Feuerfarbe,weil er theils bläulich, theils röthlich ist, damit er Zeuge sey der beiden Gerichte,nämlich eines, welches noch zu halten, unv eines, welches schon gehalten ist."

Die Hölle wird gewöhnlich so abgebildet, wie sie in der heiligen Schrift be-schrieben wird. Job (Kap. 1V) sagt, sie sey eindunkles, mit der Finsterniß desTodes beveckies Land, wo der Schatten des Todes , keine Ordnung, sondern ewigerSchrecken wohnt." Ezechiel (Kap. 33) nennt sie einen See, Jsaias (Kap. 5) ver-gleicht sie mit einem ungeheuern Rachen, und die Kirche hat der letzteren Beschreibungden Vorzug gegeben. Die Hölle wird nämlich als ein weilaufstehender Rachen einesungeheuern Thieres dargestellt, auS welchem von allen Seiten dunkles Feuer und sodunkle Flammen hervorbrechen, daß man eher Finsterniß und Schatten, als Lichtzu sehen glaubt.

Zum Schlüsse der Abhandlung über die Christusbilder noch etwas über dasAntlitz des Erlösers.'

Die Christusbilder, welche seit Konstantin dem Großen innerhalb der katholischenKirche entstehen, zeigen sast durchgängig einen übereinstimmenden Charakter und lasseneinen gemeinsamen Typus erkennen, der sich nicht unwahrscheinlich an eine alte Tra-dition anlehnt. Zunächst freilich scheint dieser Typus aus apokryphischen Schriften(z. B. aus dem Berichte des Lentulus an den römischen Senat) gezogen zu seyn;aber auch diese mögen leicht aus allerlei Nachrichten und mündlichen Ueberlieferungenherzuleiten seyn, die unter den Gläubigen gangbar waren. Der heilige JohannesChrysostomuS schreibt:Christus solle von Angesicht sehr anmuthig gewesen seyn," undder heilige HieronymuS sagt:Selbst der Glanz und die Majestät seiner verborgenenGottheit strahlte auf seinem menschlichen Antlitze wieder." Weit schöner ist es imHimmel, da die Engel es zu schauen verlangen, und ebenso war eS nach seiner Auf-