Ausgabe 
12 (19.12.1852) 51
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erstehung. Wenn schon die Gerechten im Reiche des Vaters wie die Sonne glänzen,um wie viel größer muß der Glanz des Gerechtesten der Gerechten , deS Heiligsten derHeiligen seyn? Aber beim Leiden war er ohne alle Schönheit (JsaiaS 53), weshalbdie s. g. Eccehomobilder den Heiland ganz entstellt, mit Blut bespritzt, mit blauenFlecken:c. vorstellen. Daß in Rom daS Schweißtuch der heiligen Veronica, aufwelchem daS Antlitz deS Herrn abgedrückt ist, ausbewahrt wird, ist bekannt.

Die GesichtSzüge der Jungfrau Maria sind zunächst und ursprünglich aus älterenChristusbildern abgezogen. Denn einer Tradition zufolge war Christusin Allemseiner Mutter ähnlich." Der heilige Lucas soll ein Bild der Mutter Gottes gemalthaben. Diese Bemerkungen bilden den Uebergang zu der Besprechung der Marienbilder.

Daß die heilige Maria die Jungfrauschast gelobt habe, läßt sich aus jenenWorten (Luc. 1) folgern:Wie kann denn dies geschehen, da ich keinen Mann er-kenne?" Als dreijähriges Kind soll Maria von ihren Eltern in den Tempel gebracht,die fünfzehn Stufen, deren jede eine halbe Elle hoch gewesen, ohne Straucheln hin-aufgegangen seyn. Vielleicht ist in dieser bildlichen Darstellung die alte jüdische Sitteangedeutet worden, nach welcher beim Heraufsteigen aus dem Vorhofe der Frauen inden Tempel fünfzehn Psalmen abgesungen wurden. Unter dem weiten Mantel, mitwelchem man oft Maria angethan sieht, ist der Gnadenmantel, der Mantel der Liebe,zu verstehen, unter den sie als größte Fürbitterin die Gläubigen nimmt. Ost wirdMaria auf dem Monde stehend dargestellt, wohl in Rücksicht auf Apokal. 12. Ofthat sie auch einen Stern über dem Haupte (den Stern der Weisen), und dann sindbeide Bilder (Mond und Stern) verbunden. Ueberhaupt scheint die Zusammenstellung:Maria mit dem Kinde, von einer strahlenden Sonne umgeben, auf dem Haupte eineKrone von 12 Sternen, ein goldneS Scepter in der Hand, zu ihren Füßen der Mond,der hinwiederum auf der Erdkugel steht, um welche die Schlange gewunden ist, diegewöhnlich einen Apfel im Maule hat, aus dem zwölften Kapitel der Apokalypsegeflossen zu seyn. Jedoch liegen allerlei Spuren vor', daß dieses mystische Marienbildauf die Kirche gedeutet wurde. Die Kirche (die Braut mit Krone), in ewigerWahrheit (Sonne ) erhaben über allem Wandelbaren (Mond), beherrscht (Scepter)die Welt (Kugel), sie, die Kirche, ist die Trägerin des menschgewordenen Wortes (sieträgt Christus im Arm), der die alte Schlange, welche die Welt gefangen hielt, mitder Sünde zertrat.Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischendeinem und ihrem Saamen: sie wird dir den Kopf zertreten," sagte der Herr zu derSchlange, und unter diesem Weibe ist Maria zu verstehen, unter der Schlange derSatan. Der Saame der Schlange ist, wie der heilige Peter CanisiuS schreibt, diegesammte Ketzerei. DaS Concilium von Chalcedon bestimmte schon, daß in der Kirchegesungen werde:Freue dich, Jungfrau Maria, denn du allein haft alle Ketzereienvernichtet"

OliveriuS MailarduS spricht sich in einer Predigt tadelnd über ein Bild aus,worauf sich Joachim und Anna gegenseitig küssen, und worunter geschrieben steht:Sowurde die heilige Maria empfangen." Daher der dumme Glaube, Maria sey durcheinen Kuß empfangen worden. Doch steht auch Aehnliches in einem apokryphischenEvangelium des heiligen Jakob. Bekanntlich wird der VerS (aus Cant):Du bistganz schön, meine Freundin, und kein Makel ist an dir; du bist auserwählt, wie dieSonne, schön wie der Mond, ein Stern des Meeres, eine Pforte deS Himmels, wieeine Lilie unter den Dornen," auf die unbefleckte Empfängniß Mariä gedeutet.

Ob alle Apostel, außer dem heiligen Thomas, bei dem Tode Mariä zugegenwaren, wie man dies häufig auf Bildern sieht, ist nicht gewiß. Nach dem heiligenGregor ist Maria ohne Schmerz verschieden.Daher," schreibt Johann Eck ,darfMaria nicht mit einem Sterbekleide und mit dem Gesichte einer Kranken abgebildetwerden." JodocuS Clichtoväus sagt, Maria habe auf den Knieen, mit nach demHimmel erhobenen Händen und unter Gebet den Geist aufgegeben. Engel sollen beider Himmelfahrt Mariens zugegen gewesen seyn, ja der heilige Anselm sagt, alle Be-wohner des himmlischen Vaterlandes seyen da gewesen, und BrunuS billigt die Dar-