404
stellung Mariä, wenn sie bei ihrer Himmelfahrt von der heiligen Dreifaltigkeit alsKömgin des Himmels gekrönt wird.
Wir wollen nach der Beschreibung der Marienbilder etwas Näheres über dieder Eltern der heiligen Jungfrau, des heiligen Joachim und der heiligen Anna mittheilen.
Der heilige Joachim trägt die Jungfrau Maria als Kind und hat einen Korbmit Trauben (Opfer) zur Seite.
Die heilige Anna wird mit dem Kinde Maria, die sie lesen lehrt, dargestellt.Die heilige Anna soll mehrere Töchter gehabt haben (die drei Marien): aber dieseMeinung widerlegen gewichtige Schriftsteller, welche darthun, daß sie nur eine einzigegehabt hab?. Ebenso unerweislich ist es, daß sie dreimal verheirathet gewesen sey.
Der heilige Joseph hat einen Lilienstengel. Maria sollte nur mit dem Freierverlobt werden, zu dessen Gunsten ein Wunder geschehe, und Josephs Stab trieb eineLilienblüthe, und eine Taube setzte sich auf die Spitze des Stabes. So ward Mariadem Joseph verlobt. Auch trägt dieser einen Stab und hat Zimmermannswerkzeuge,alS: Hobel, Art, Säge u. s. w, bei sich. Die Maler stellten, vielleicht durch eineStelle im apokryphen Evangelium der Kindheit Jesu verleitet, den heiligen Joseph ostals einen Mann dar, der nicht drei zählen kann, weshalb der Name Joseph sprüch-wörtlich wurde, um einen geistlosen Menschen anzudeuten. Einige malten ihn bei derGeburt Christi als einen hochbejahrten Greis, der sich wegen seines Alters aus einenStab stützte. Dem letzteren besonders widerspricht Gerson, indem er sich auf jeneStelle Jsaias 62 beruft: „Ein Jüngling wird mit einer Jungfrau zusammenwohnenund der Bräutigam wird sich über seine Braut freuen." Einige behaupten sogar, derheilige Joseph sey, als er sich mit Maria vermählte, achtzig Jahre alt gewesen. Wiekonnte er aber als schwacher GrekS Maria beschützen, und mit ihr und dem Jesus-kinde nach Egypten fliehen und von da wieder zurückreisen? Wahrscheinlicher ist, daßJoseph ein kräftiger und starker junger Mann war, der eine Jungfrau in seinenSchutz nehmen, sie und den Knaben durch seine Arbeit ernähren und mit ihnen diebeschwerliche Reise nach Egypten und zurück machen konnte. Tresslich ist die Dar-stellung, wie Joseph den kleinen JesuS an der Hand führt. Dadurch wird bezeichnet,baß Christus seinem Vater Unterthan war.
Der große Vorläufer Christi, der heilige Johannes der Täufer , wird dargestellt,wie er sich in der Wüste in Felle gekleidet auf ein Beil lehnt, daö in die Wurzeleines BaumeS eingeschlagen ist. Diese allegorische Darstellung ist zunächst auS demEvangelium geflossen. Der heilige Marcus Cap. 1 schreibt jedoch, daß der heiligeJohannes „mit Kameelhaaren bekleidet gewesen sey," und der heil. Matthäus Cap. 2sagt, daß er „ein Kleid," und zwar wie der „ano rzi^äv --«/t^ov — von Ka-meelhaaren" gehabt habe. Johannes war demnach nicht mit bloßen Thierfellen, fon-dern mit einem aus Kameelhaaren gefertigten Kleide angethan, welches zugleich einAeichen der Buße, die er predigte, war. Auch einen Gürtel trug der Heilige: „Erhatte einen ledernen Gürtel um seine Lenden." Marc. 1. — Johannes trägt einLamm im Arm oder auf einem Buche (als Anspielung auf die erfüllte Prophezeiungdes alten Testaments) und ein Kreuzesrohr. Nicht selten hat er auch eine Lilie zurSeite. Das Lamm hat meist, zum Unterschiede von gewöhnlichen Lämmern, einegoldene Krone auf dem Kopfe und die Kreuzesfahne auf dem Rücken. Auf Gemäldender griechischen Kirche vermißt man dieses Lamm, dagegen sieht man in den Händendes Täufers ein Papier, auf welchem die Worte stehen: „Ich bin die Stimme desRufenden in der Wüste: bereitet den Weg des Herrn, ebnet seine Pfade." In Brügge und Gent sah man früher Gemälde, auf welchen der heilige Johannes mit einemFinger auf das Lamm Gottes zeigt und mit den Füßen auf Herodes, den er durchseinen Tod besiegte, tritt.
Von den Apoftelbildern Folgendes:
Der Chor der Apostel war durch jene zwölf Ochsen des Salomon vorgedeutet(3. Kön. 7; 2. Petr. 4). Beda schreibt: Wenn es erlaubt war, zwölf Ochsen zu