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auf dem Arme oder gar auf einem Stocke trägt und einem Unthiere ähnlich steht.Nicht minder verwerflich ist jene Weise, diesen Heiligen als einen vornehmen Mannabzubilden, die den Worten des Teufels im Pseudo-Abdias ihren Ursprung verdankt.
Der heilige Jacob der Größere sitzt auf einem weißen Pferde, weil er in denKriegen der Sarazenen mit den Spaniern (die ihn ihren Apostel nennen) diesen aufeinem weißen Rosse zu Hilfe kam. OefterS wird er als Pilger mit dem langen Pilger,ftabe und einem Schwerte abgebildet. Er verlor unter allen Aposteln zuerst das Leben;er wurde im Jahre ä3 in Jerusalem auf Agrippa'S Befehl enthauptet. Einige Malermalen den heiligen Jacob Christus sehr ähnlich, was jedoch gar keinen Grund hat.
Auch der heilige Jacob der Jüngere wird mit gleichem Unrecht von vielen MalernChristus ähnlich gemalt. . Er wurde von den Zinnen des Tempels herabgestürzt, undda er noch lebte, gesteinigt, bis ihn endlich ein Tuchwalker mit seiner Stange todtschlug. Deshalb wird er mit einer Walkerstange in der Hand dargestellt.
Der heilige Judas Thaddäus wird mit einem umgekehrten Kreuze, häufiger miteiner Keule abgebildet. Die Nachrichten von seinem Tode sind sehr verschieden; Einigesagen, er sey mit Pfeilen erschossen worden, Andere, er sey gekreuzigt worden.
Der heilige Matthäus hat ein Beil, eine Lanze oder eine Hellebarde als Zeichenseines Martertodes. Er wurde von dem Könige Hirtak von Aethiopien ermordet.Oft hat er auch als Attribute ein Winkelmaß oder (als ehemaliger Zöllner) einenGeldbeutel in der Hand. Als Evangelist hat der heilige Matthäus als Symbol einenEngel bei sich. Die Erklärung dieses Symbols führt uns zu allgemeinen Bemerkungenüber die Sinnbilder der Evangelisten. Die Bilder der vier Evangelisten sind aus derbekannten Vision des Ezechiel (1, 10) hergenommen, in der die Herrlichkeit Gottesund der mystische Wagen beschrieben werden. Die vier geheimnißvollen Gestalten(Adler, Löwe, Stier, Mensch), welche den Thron des Allerhöchsten tragen, sind in derjüdischen Geheimlehre von Alters her auf die Erzengel Gabriel, Michael, Raphael undUriel bezogen worden. Die christliche Mystik faßte den Sinn dieser Symbole andersauf und deutete dieselben so: der Adler bezieht sich auf die Inspiration des heiligenGeistes, er ist auch das Symbol der Gottheit, und ihn hat Johannes bei sich, weiler die Gottheit Jesu Christi besonders hervorhebt; der Löwe ist das Sinnbild derEinsamkeit, und ihn führt Marcus, weil sein Evangelium mit der Stimme eines Pre-digers in der Wüste beginnt (V. 3); Lucas hat einen Stier, um JcsuS Christus alsHohenpriester zu bezeichnen und weil sein Evangelium mit dem Opfer des ZachariaSim Tempel anfängt: und Matthäus den Menschen, weil er sein Evangelium mit demGeschlechtsregister deS David'schen HauseS und der Menschwerdung Jesu Christi beginnt.
Der heilige Matthias hat ein Beil oder eine Lanze und ein Buch. Nachdem ergesteinigt worden war, wurde ihm der Kopf abgeschlagen. Letzteres scheint durch seinBeil angedeutet, während die Lanze schlechtweg, wie Schwert, mit dem es ohnehinoft wechselt, sür Martertod steht.
Der heilige Philippus hält ein einfaches Kreuz, AntoniuSkreuz, wie 1'gestaltet;oder einen langen runden Stab, der sich aber in einem Kreuze endigt; oder einenPilgerstab, ans dem oben ein kleines, nicht selten goldenes Kreuz befestigt ist.
Der heilige Simon, der Eiferer, hat etne Säge, als Zeichen seines Martyrthums.
Der heilige Thomas hat eine Lanze, zuweilen auch ein Winkelmaß.
Der Nerräther Judas hält einen Beutel in der Hand, weil ihm, unter denJüngern, das Almosenamt anvertraut war.
Nachträglich hätten wir noch etwas über die Darstellung des Evangelisten Jo-hannes zu bemerken. Der heilige Johannes wird ohne Bart gemalt, theils weil erzur Zeit des letzten Abendmahls noch jung war, theils um den Jünglingen ein Bei-spiel an die Hand zu geben, wie sie (gleich dem Heiligen) die Blüthe ihrer Jugenddem Herrn weihen unv sich seinem Dienste widmen sollen. Er hat auch einen Kelchin der Hand, entweder in Bezug auf die Worte Christi (Matth. 2V): „Ihr werdetmeinen Kelch trinken," oder vielmehr, weil, wie der heilige Jsidor schreibt, das Giftsich in Gestalt einer Schlange ausschied, als er den Giftbecher austrinken mußte. DaS