Ausgabe 
12 (19.12.1852) 51
Seite
407
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

407

Letztere ist das Wahrscheinlichere, weil gewöhnlich aus dem Kelche eine Schlange her-vorkriecht. Der heilige Johannes war bekanntlich Patron der Tempelherren , in derenWappen deshalb der Kelch aufgenommen war.

Wir gehen nun zu den Bildern der übrigen Heiligen über.

Die heilige Genofeva (von Paris ) hat eine brennende Kerze in der Hand undeinen gefesselten Teufel unter ihren Füßen, der einen kleinen Blasebalg hält, weil siedie Lichter, welche dieser während der Vigilien auSgeblasen hatte, ohne Feuer anzündeteund einige Besessene durch Gebet und daS Kreuzzeichen vom Teufel befreite. ES gibtnoch eine andere heilige Genofeva (von Brabant), welche eine Hirschkuh zur Seitehat und sich gewöhnlich in einer Höhle befindet, in der sie mit ihrem Kindlein lebteund von einer Hirschkuh ernährt wurde.

Der heilige Paulus der Eremit ist in Holzschindeln oder Blätter gekleidet undhat einen Raben zur Seite. Er war der erste Einsiedler. Ein Palmbaum vor seinerHöhle gab ihm Nahrung und Kleidung, weßhalb er mit Schindeln bedeckt oder inBlätter gekleidet ist, und ein Rabe brachte ihm täglich ein halbes Brod, und als ihneinst der heilige Antonius besuchte, brachte der Rabe ein ganzes Brod.

Der heilige Antonius, der Vater der Einsiedler, hat ein Feuer neben sich, weiler die Macht hat, vor dem ewigen Feuer zu bewahren und von dem Feuer der Pestbefreit: denn in der Collecte vieler Kirchen heißt es:Loncsäe obtsnäu k. ^ntoniiLvllkessoris wi morbiäum izasm extinZui." Er steht auch über den Thüren vielerHäuser, damit die Pest nicht in sie eindringe. Er hat auch ein Schwein neben sich,wcil ihm der Teufel in der Gestalt von Schweinen erschienen, und weil er der Patronder Schweine ist. (Vor der Antonikirche in Rom werden alljährlich die Hausthieregesegnet.) Er hält ein Buch in der Hand, weil er ohne alle wissenschaftliche Bildungdurch Aufmerksamkeit beim Lesen Anderer die heilige Schrift auswendig lernte, ja sieauch auszulegen verstand. Man sieht auch neben ihm ein I, welches das Kreuz be-deutet, wodurch er dem Teufel widerstand (Antoniuskreuz). Was die Glocke bedeutet,die er in seiner Hand hält, ist schon oben bei der Erplication der allgemeinen Sym-bole der Heiligenbilder gesagt worden.

Der heilige Sebastian war Hauptmann in der prätorianischen Leibwache nndwurde unter Domitkan an einem Baume erschossen. Man sieht ihn gewöhnlich ent-kleidet an einen Baum gebunden (manchmal auch an eine Säule), mit Pfeilen durch-schossen, dann auch in freier Stellung bekleidet, mit kriegerischem Costüm und einigenPfeilen in der Hand, oft mit einem kleinen Barte auf der Oberlippe.

Der heilige Fabian hat ein Schwert und neben sich eine Taube. EusebiuS er-zählt, bei der Papstwahl 236 habe sich diesem Heiligen eine Taube auf's Hauptniedergelassen, woraus er zum Papste erwählt worden sey. Er starb den Martyrtodunter DeciuS 253.

Die heilige AgneS wird mit langen, den Leib umhüllenden Haaren dargestellt,weil sie nach ausgestandenen Martern in ein schlechtes HauS gebracht und da ent-kleidet wurde, worauf sie ihren Leib mit ihrem langen Haupthaar bedeckte. Sie hatein Lamm zur Seite, weil sie mit einem goldenen Gewände angethan und ein schnee-weißes Lamm tragend in Gesellschaft vieler heiligen Jungfrauen ihren an ihrem Grabewachenden Eltern erschien. Man sieht die Heilige auch auf einem Scheiterhaufen sitzen.

Der heilige Jgnatius hat Löwen zur Seite und einige Knochen vor sich. Erwurde unter Trajan nach Rom gebracht und hier im Amphitheater zweien Löwen vor-geworfen (107). In dem Karmeliterkloster zu Mecheln war früher ein Bild, aufwelchem der heilige JgnatiuS den Namen Jesu im Herzen tragend dargestellt war.(Er nannte sich selbst TheophoroS, Gotteöträger, als er vor dem Kaiser Trajan imVerhöre stand.)

Der heilige Thomas von Aquin , ein Dominicaner, hat einen Kelch in derHand, weil er das so schöne Officium des FrohnleichnamS des Herrn geschrieben hat.Unter manchen Bildern desselben stehen die Worte:Du hast gut geschrieben, Thomas,"weil er einst, als er in Neapel vor einem Crucifixe sehr eifrig betete, diese Stimme