411
eine Monstranz oder einen Kelch tragend. Sie nöthigte dadurch, daß sie das heiligeAltarssakrament vor sich hertragen ließ, die die Stadt Assist belagernden Sarazenenzum Abzüge. Auch war sie Stifterin eines Ordens, dem der heil. Franz von Assisi 1224 seine Regeln gab.
Die heilige Helena, mit einer Kaiserkrone auf dem Haupte, das Kreuz (welche«sie 326 wieder aufgefunden hatte) und die Nägel tragend. Sie muß zwar als einehochbejahrte, aber doch heitere, kräftige, muthige und hohe Frau dargestellt werden.Ihr Sohn Konstantin der Große hält eine Kugel, in welche ein Kreuz befestigt ist,zum Zeichen, daß ihm der Erdkreis durch das Kreuz unterworfen worden. Auch siehtman ihn mit Fahne und Schwert, meist in römischer Kleidung.
Der heilige Bischof und Kirchenlehrer Augustin trägt ein durchbohrtes brennen-des Herz in der Hand, eine Anspielung auf die Stelle des neunten Buches seinerBekenntnisse: „Durch deine Liebe hattest du mein Herz durchpfeilet." Zu seinen Füßensteht man zuweilen einen Knaben, welcher es versucht, das Meer in eine kleine Grubezu schöpfen. Es soll ihm einst, als er in seiner Zelle zu Hippo über die göttlichenGeheimnisse nachdachte, ein Knabe erschienen seyn und durch daS (vergebliche) Aus-schöpfen des Meeres die Unergründlichkeit des Göttlichen angedeutet haben. Doch istdie ganze Erzählung nicht begründet. Der heilige Augustin wird auch zuweilen, undzwar mit Unrecht, mit dem Habit deS nach ihm genannten Eremitenordens abgebildet,und über diese Tracht des Heiligen entstand zwischen den Augustiner-Eremiten undden regulirten Chorherren ein solcher Streit, daß 1484 SirtuS IV. denjenigen Mit-gliedern beider Orden mit dem Banne drohte, welche es sich künftighin beigehen ließen,darüber zu streiten, wie der Heilige abgebildet werden müsse.
Der heilige Eugen oder Gilles wird als Einsiedler mit einer Hirschkuh, diedurch einen Pfeil verwundet ist, oder im Diaconenkleive, eine Palme tragend, darge-stellt. Er lebte an der Rhonemündung und eine Hirschkuh ernährte ihn. Der Gothen-könig Flavius, der dieses Thier angeschossen und verfolgt hatte, entdeckte so den Hei-ligen. Man sieht ihn auch, wie er Carl Martell die Hände auflegt oder die Abso-lution ertheilt. Dieser Frankenkönig soll nämlich ein Verbrechen begangen haben, daser sich zu beichten schämte; der heilige Eugen soll ihm durch Auflegung der HändeVerzeihung erlangt haben. Dieß ist unwahr. Wahrscheinlicher ist dagegen, daß Carldurch die Auflegung der Hände des Heiligen die Gnade erhielt, die Scham, welcheihn am Sändenbekenntnissc hinderte, zu überwinden. >
Der heilige Adrian, mit ritterlicher Kleidung, einen Ambos zur Seite, aus wel-chem ihm in der Verfolgung des Maximian die Hände und die Füße abgehauen wur-den. Er hat auch auf manchen Bilvern einen Löwen bei sich, wahrscheinlich weil ermit großer Standhaftigkeit die Marter ertrug.
Der heilige Hieronymus entwirft in seinem Briefe an Eustuchium ein Bildseines bußfertigen Lebens in der Wüste, aus welches viele seiner Attribute hindeuten.Er hat einen Stein, womit er sich die Brust zerschlug, einen Todtenkopf und dasBildniß des Kreuzes bei sich, weil er sich viel mit der Betrachtung über das letztere,den Tod und das Gericht beschäftigte. Auch sieht man, wie er beim Studiren sichin der dunkeln Höhle eines Lichtes bediente. Er hat einen Cardinalshut, als Zeichender Cardinalswürde; ein Buch, weil er Kirchenlehrer ist; einen Löwen zu seinen Füßenoder zur Seite, als Zeichen der Einsamkeit. Zwar war er nicht wirklich Cardinal —denn diese Würde kam erst später auf, — aber er hatte beim Papste Damasus die-selben Verrichtungen, die jeyt die Cardinäle haben.
Der heilige Franz von Assisi im Habit seines Ordens. Vor ihm in der Höhesieht man einen Seraph mit sechs Flügeln auf dem Kreuze, von dem fünf Strahlennach den Wundmalen deS Heiligen ausgehen. Diese Vision ging bekanntlich derVrrleihung der Wundmale am Leibe des Heiligen vorher. — Der heilige FranciScuShat auch eine Lilie in der Hand; er hält den einstürzenden Lateran und fährt aufeinem feurigen Wagen in den Himmel.
Der heilige Dionysius Areopagita , als Bischof, trägt den Kopf in der Hand.