Ausgabe 
14 (9.4.1854) 15
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114
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natürlich, denn die vom Weinstock getrennte Rebe Hort zwar nicht auf zu seyn, abersie verdorrt, sie lebt fort, aber dvrr und zäh, sie grünt nicht, sie blüht nicht, sietreibt keine Sprossen, weil sie vom Weinstock abgetrennt ist. Die Vorsehung wollteverhindern, daß dieses lebensunfähige, unfruchtbare Schisma das Erbtheil der halbenWelt werde, und schob darum dort in der Türkei seinem weitem Vordringen einengewaltigen Riegel vor, und so wurde die Invasion der Türken nicht blos die StrafedeS Abfalls vom wahren Glauben, sondern auch die Schutzwehr gegen daS weitereUmsichgreifen deS Abfalls, denn Gott straft immer nur um zu heilen. Noch heute istdie Pforte dieser Riegel, welchen Gott dem Schisma vorgeschoben hat.

Aber warum stellt sich dann, wenn es also ist, das katholische Oesterreich nichtvereint mit den Westmächten in die Reihen der bewaffneten Kämpfer für die Integritätder Pforte?

Auch das hat seinen guten Grund. Frankreich und England haben, indem sieden Krieg mit Nußland aufzunehmen sich anschicken, die religiöse Frage für jetzt inden Hintergrund gedrängt, und kämpfen zunächst nur für die Interessen ihres Handels.

Wir sagen nicht, daß eS nicht recht, nicht erlaubt wäre, wenn auch Oesterreichsolche we.tliche Interessen gegen Rußland verfechten würde, wir sagen im Gegentheil,daß es Oesterreichs Pflicht ist, dieß zu thun, sobald für Oesterreich eine Nöthigunghiezu vorliegt, denn das Reich Gottes auf Erden ist zwar nicht von dieser Welt,aber in dieser Welt, und um in dieser Welt sich kräftig entfalten zu können, bedarfes eben so sehr der Grundlagen weltlicher Macht, als die menschliche Seele, so langesie hier auf Erden weilt, des irdischen Leibes bedarf, um sich zu offenbaren.

Ist einmal für Oesterreich die Nöthiguug gekommen, seine weltlichen Interessengegen Rußland zu verfechten, so wird eS nicht fehlen in den Reihen der Kämpfer.Ist einst die Zeit gekommen, wo der Halbmond seine von der Vorsehung ihm über-tragene Sendung erfüllt hat, so wird er untergehen, und dann, so hoffen wir, wirddas lateinische Kreuz in Konstantinopel herrschen. Welchen Antheil Oesterreich daranhaben wird, ist noch im Schooße der Zukunft verborgen. (Oest. Volkssr.)

Zustande der Katholiken in Schweden .

DaS katholische Bewußtseyn, welches man in unS seit einem Jahrhundert soplanmäßig ersticken wollte, regt sich unverkennbar in allen Schichten des Lebensein Zeichen zum Besserwerden. Man kam, freilich erst nach bittern Erfahrungen, zuder Einsicht, daß ohne tiefen, ächt katholischen Glauben sich weder eine Familie nochein Staat glücklich und dauernd gestalten lassen, und daß ein muthiges und entschie-denes Auftreten zur Wahrung katholischer Interessen mit zur Pflicht eines jedenKatholiken, ja der Gesammtheit der Katholiken gehöre. Die jüngsten Ereignisse imGroßherzoglhum Baden mögen unS hier als Beleg dienen, wo nur immer ein ächtkatholisches Herz schlägt, fühlt eS Mitleiv mit den verfolgten und unterdrückten Brü-dern; Gebete und Unterstützungen bekunden diese Sympathie. Aber dieses gewecktekatholische Bewußtseyn trägt auch auf einem andern Felde hoffnungsvolle Früchte; dieMissionen Afrikas sind sein Werk; die heißen Zonen sehen, wie die SiegeStrophäen,die Kreuze errichtet werden, diese Säulen deS neuen Domes, welcher die Neger zuEiner Gemeinde in der katholischen Kirche vereinigen soll. Während aber dort imSüden der Same gestreut wird, um einstens Früchte zu tragen, während man unsäg-liche Mühe verwendet, um den Boden empfänglich zu machen, sieht man ruhig zu,wie im hohen Norden, im Königreich Schweden , die bereits gereiste Frucht, welchedie Fähigkeit der Fortpflanzung in sich trägt, wie diese Frucht mit gott- und ehrver-gessener Hand sammt der Wurzel ausgerissen, der wohl bestellte, ja mit Märtyrer-blute gedüngte Boden mit den Hufen lutherischen Fanatismus zertreten wird, ausdaß die letzte Spur katholischen Lebens auf immer verschwinde. Diesem gottvergessenenTreiben sieht die katholische Welt ruhig zu! Als vor Iahren der Maler Nilson