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darum, weil er vom Protestantismus in die Kirche zurücktrat, deS Landes verwiesenwurde, da regten sich allerdings einige Stimmen, aber sie verhallten, von andernEreignissen verdrängt; — jetzt, wo sieben Eonverliten, sage sieben Personen, daruntersechs Müttern mit Kindern, ein ähnliches LooS bevorsteht, schweigt man, man siehtruhig zu, wie im 19ten Jahrhundert ein Staat sich auf ein Gesetz vom 3. September1686 berufen darf, welches da lautet, „wer von der rechten evangelischen Lehreabfällt, und zu einer irrigen übertritt, wird aus dem Königreiche Schweden ver-wiesen und jeder Erbschaft und jedeS bürgerlichen Rechtes für verlustig erklärt."Ohnehin ist die arme katholische Kirche in Schweden vom mittleren Europa gänzlichvergessen; man muß ihre gedrückte Lage an Ort und Stelle gesehen haben, um sichvon der Opserwilligkeit der dort lebenden kleinen Heerde und ihrer Diener einen Begriffzu machen. Wenn nicht baldige Hilfe kommt, dann ist eS um dieseGemeinde geschehen. So weit geht der Fanatismus der Schweden , daß sie jederandern Konfession, nur nicht der katholischen Kirche , Cultusfreiheit gewähren wollen;sie ahnen: der Raub, den sie vor zwei Jahrhunderten an der katholischen Kirche begangen, würde ihnen mit den neuerrichteten Kreuzen schwer auf ihr verblendetesHerz fallen; sie fürchten wie verstockte Sünder die Besserung, darum drängen sie jedeGelegenheit hiezu zurück. Auffallend, daß ein im Grunde gemüthliches und verstän-diges Volk sich nicht scheut, mit Grundsätzen aufzutreten, die selbst der Mohamedanerzur Schau zu tragen sich schämen würde. Man muß bei einem solchen Verfahrenwirklich zu der Ansicht kommen, daß die Schweden blos darum jenes barbarische, jagelind gesagt, rohe Gesetz, selbst auf die Gefahr eines Widerspruches hin (denn dieKonstitution vom Jahre 1809 drückt sich über diesen Punct ganz anders aus) ausihrer glorreichen Zeit, — glorreich, Einem zu nehmen, was ihm nicht gehört — her-vorheben, weil sie im Bewußtseyn deS unstchern BodenS, auf dem sie mit ihrer soge-nannten Kirche stehen, den Uebertritt von sieben schwachen Frauen schon als gefahr-bringend ansehen müssen! — Noch wäre eS Zeit, den bedrängten Katholiken inSchweden zu helfen, noch ist der Urtheilsspruch nicht gefällt — der Reichstag debat-tirt darüber, aber eS muß die Hilfe bald kommen; kräftig müssen sich die katholischen Stimmen gegen ein so hartes Verfahren erheben, erheben wider die Schweden , die,weil sie keine Nächstenliebe im Busen zu tragen scheinen, vom katholischen Stand-puncte aus aus diese auch den Protestanten heilige Pflicht aufmerksam gemacht wer-den müssen. (W> Kirchenz.)
Die Freimaurerei.
Die „Hengstenberg'sche Evangelische Kirchenzeitung" enthält in Nr. 19, 2t), 21und 22 einen Artikel gegen die „Freimaurerei, * welcher wegen der freimüthigenund offenen Besprechung dieses Gegenstandes alle Anerkennung verdient. Nachdem eSlängst bekannt ist, was man ,,ka tholisch er seits" über diesen „Geheimbund" denkt,wird eS für unsere Leser nicht ohne Interesse seyn, auch eine protestantische Stimmein dieser Angelegenheit zu hören. Der Artikel in der Evangel. Kirchenzeitung gehtdavon auS, daß nach den Auszügen aus den Verzeichnissen der drei Berliner Haupt'logen allein in Preußen dem Freimaurerorden mehrere hundert protestantischePrediger als Mitglieder angehören. Wenn aber nun dieser Orden eine nacktheiligeWirkung auf seine Mitglieder ausübe, so sey eS allein in Rücksicht auf diese Predigereine heilige Pflicht, den Schaden auszudecken und könnten davon keinerlei Rücksichtenund selbst nicht eine hohe Protection zurückhalten. Wenn in Deutschland Katho-liken und Protestanten gegenseitig ihre Lehre sich widerlegen dürsten, dann möchteman doch auch von der Freimaurerei sagen dürfen: „Das ist, so viel man ausihren Schriften entnehmen kann, ihr Zweck :c. DaS vierte Gebot, so heilig eS sey,habe doch seine Gränzen." Nach diesen einleitenden Bemerkungen wird an die Sacheselbst gegangen und als erster Satz an die Spitze gestellt: „Die Grundlage deSFreimaurerwesenS ist der Deismus , die Antipathie gegen das sveci«