Ausgabe 
14 (9.4.1854) 15
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116
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fisch Christlicht." Sey dieß erst dargethan, dann brauche man nicht weiter zubeweisen, daß der Eintritt in die Loge nicht zuläßig sey, eben so wenig, als mannach den Worten Leo'S erst zu beweisen brauche,daß Ratten keine gute Schlaf«kameraden seyen." Der Beweis für jene de istische resp, panthe istischeRichtung deS Ordens wird nunmehr nach den vollgiltigsten Zeugnissen geführt uudhervorgehoben, wie planmäßig das specifisch Christliche und Kirchliche ferngehalten wird. Am Ende der Beweisführung heißt eS:Die Grundlage der Frei-maurerei ist die Läugnung des christlichen Gottes (Deismus resp. Pantheismus),die Aushebung deS Unterschiedes von Natur und Gnade, die Verschmähung aller Ga,den, welche Christus durch sein Leiden und Sterben uns erworben hat, das Zerrbildder christlichen Nächstenliebe, welche in ihrer wahren Gestalt nur iimerhalb der Kirchevorhanden ist. Der Mangel an jedem tieferen religiösen Gehalt wird auch durch dieSymbolik deS Ordens außer Zweifel gestellt. Von dem, was Christus für uns gethanund uns geschenkt hat, findet sich in ihr nichts abgebildet, alleS kommt auf bloßeMoral hinaus, und zwar auf eine solche Moral, in der die sogenannten theologischen,die specifisch - christlichen Tugenden völlig fehlen.Die maurerischen Mysterien sowerden wir in einer auS der Mitte deS Ordens selbst hervorgegangenen Schrift belehrt *) bezielen die Erheiterung deS Geistes, Erhaltung der Harmonie und die BildungdeS Herzens. Die Allegorie der Gesellschaft selbst ist sinnreich und unterhaltend.Man nimmt sich vor, einen Tempel auszubauen, und dieß ist der Tempel der Tugend.Die Werkzeuge zu diesem Bau find Symbole der Architektur deS Herzens. DaSWinkelmaaß, der Triangel und der Zirkel bilden die Billigkeit, Gerechtigkeit undRechtschaffenheit vor. DaS Licht ist eine Anspielung auf die Tugend. Der Mensch,ehe er zur Arbeit an diesem erhabenen Tempel zugelassen wird, das ist, ehe er dieBahn der Tugend betritt, ist ein Unglücklicher, der im Finstern wandelt; will er indiesen Tempel zugelassen werden, so muß er sich vorher von seinen Lastern reinigen,und deßhalb hinreichende Proben seiner Beständigkeit und seines guten Willens ab-legen. Die Handschuhe und der weiße Schurz, womit man einen ncugeweihten Bru-der bekleidet, stellen die Reinigkeit der Sitten vor. Die Maurer erkennen keinenandern Unterschied, als den die Tugend gibt. Geburt, Rang und GlückSgüter wer-den waagerecht gesetzt, sobald man den ersten Grad ertheilt. DaS ganze Geheimnißder Maurerei besteht in einem symbolischen Unterricht, daß nur die Moral wahreWissenschaft, und wahre Tugend nur die gesellige sey." Man wird dem Prediger amneuen israelitischen Tempel in Hamburg, Gotthold Salomon , Mitglied der Loge zuraufgehenden Morgenröthe im Osten zu Frankfurt am Main , Ehrenmitglied der Logezum silbernen Einhorn in Nicnburg, nicht Unrecht geben können, wenn er diejenige»^die den christlichen Charakter der Maurerei behaupten, fragt**):Warum findet sichin dem ganzen maurerischcn Ritual auch keine Spur von einem kirchlichen Christen-thum? Warum wird der Name Christus nicht ein einziges Mal genannt, weder imEide , noch im Gebete, daS bei geöffneter Loge oder bei der Tafelloge verrichtet wird?Warum ist in der Freimaurerei kein christliches Symbol? Warum Zirkel, Winkelmaaß,Waage? Warum nicht daS Kreuz? Warum stattWeisheit, Stärke und Schönheit"nicht die christliche Drei:Glaube, Liebe, Hoffnung?" Die Verwandtschaft deSOrvenS mit dem englischen Deismus legt sich auch in seiner Symbolik zu Tage.Man vergleiche nur Aeußerungen wie die deS Verfassers derbetrachteten AuferstehungJesu,***) die Vernunft sey seine einzige Regel, seine Absicht sey, die Würde derTugend der Welt vor Augen zu legen und die Hochachtung gegen Weisheit undWahrheil wieder in den Schwung zu bringen, die durch den Glauben verdrängt sey:die Menschen müßten erkennen, daß sie sich aus nichts in Ansehung ihrer gegenwär-tigen und zukünftigen Glückseligkeit zu verlassen hätten, als auf ihre eigeue Tugend

*) Freimaurerblbl. l. St. Berlin »773, S. tN8 ff. vgl. die neuesten ReliqionSb. S. 3t4.**) Eckcrt. S. 2S6,»**) zz^ Leland, Abriß der vornehmsten deistischcn Schriften Th. 1. S. ötv.