Ausgabe 
14 (9.4.1854) 15
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und auf die Liebe zur Weisheit und Wahrheit," Nicht einmal deistische Gottesfurchtwird man dem Freimaurerorden zusprechen können. Sein Gott hat das bloße Zusehen.Ob er ist oder nicht ist, hat auf die Moralität keinen Einfluß. Dem erhabenen Zieleder Tugend streben die Brüder auf eigene Hand nach. Sie bedürfen dazn keinerandern Kraft, als der eigenen, deren wahre Beschaffenheit sie in der dem natürlichenMenschen eigenen Verblendung verkennen. Eben so auch die wahre Beschaffenheit deöZieles. Sie meinen, eS sey genug, die Hände rein zu halten, dieböse Lust undNeigung" lassen sie fortwuchern, sie ist einmal die Mitgabe der menschlichen Natur.Der dem natürlichen Menschen eigene Mangel an Furcht Gottes, an Vertrauen gegenihn, macht ihnen keine Sorge. Die Tugenden, die sich auf das Verhältniß zu Gottbeziehen, haben sie gestrichen. Die Gebote der ersten Tafel sind für sie nicht vor-handen. Gott ist ihnen viel zu sehr ein unbestimmtes Etwas, als daß man ihmverpflichtet seyn könnte."

(Schluß folgt, >

Die auswärtige» Missionen.I

Vereinigte Staaten.Eine kurze und klare Uebersicht der Gesammtlagc gibt ein Brief des hoch-'würdigen Pater de Smet aus St. Louis vom 6. Februar 1853, dem wir Folgendesentnehmen:

Die Gesellschaft Jesu schreitet hier langsam vorwärts, aber der Fortschrittist ein stetiger; sie besitzt schon siebzehn Kollegien, und diese Zahl würd- sich sehrschnell verdoppeln, wenn wir das zu diesen Instituten nothwendige Personal hätten.Anfragen, Vorschläge, mitunter sehr annehmbare, kommen an imS von den Bischösenaus allen Theilen der Union, sogar aus Neu-Meriko und Kalifornien , und HerrBischof Lamy hat uns so eben einen Drängbrief gesandt, ihm zu Hilfe zu kommen;er hat in seiner ganzen Diöcese weder Schule noch Colleg, und er zählt kaum z ^ ölfPriester, um ungefähr 100,000 Katholiken von denen 10,000 bekehrte Indianer sind,die Sacramenie zu spenden.

Die Anzahl der Katholiken in den Vereinigten Staaten beläuft sich auf ungefähr4,000,000; und jedes Jahr bringt unS aus Europa 10.000 20.000 katholischeEinwanderer, so daß sich ihre Anzahl in dem Maaße vermehrt, als die Schiffsahrtleichter, schneller und minder kostspielig wird. Um diese Millionen von Gläubigen zuleiten, zählt man ungefähr 1400 Kloster- und Weltpriester. Der Beruf zum Pricster-stand ist bisher bei den Amerikanern noch immer sehr selten, und genügt weitausnicht, den täglich wachsenden Bedürfnissen zu entsprechen. Nach d-n statistischenNotizen, die wir durch die beiden ausgezeichneten Prälaten, Herrn Brüte und Eng-land erhalten haben, erlitten bereits mehrere Millionen Katholiken und vor-züglich ihre Nachkommen, in Beziehung auf Religion in Amerika Schiffbrnch, welchgroßes Unglück rein dem Prieftermangel zugeschrieben werden muß. So wie nur eineifriger Geistlicher sich irgendwo niederläßt und seine Kirche baut, so bildet sich auchschnell um das HauS deS Herrn eine schöne Christengemeinde, und man findet gegen-wärtig in Amerika eine sehr große Anzahl, Kongregationen, die eben so eifrig sind,als die besten Psarrgcmeinden von Europa . Hier in der Stadt St. LoniS zähltman schon zwölf Kirchen und ^ine gut- Anzahl Klöster. In der Kirche des heiligenFranz Xaver , die mit unserer Universität vereinigt ist, beläuft sich die Zahl der Com-munionen jedes Jahr auf dreißig- bis vierzigtauscnd. Auch Bekehrungen vom Prote-stantismus sind sehr häufig.

Nicht minder im Aufblühen sind die benedictinischen Klöster begriffen. Zu -Lin-cenneS in Jndiana, dem Sitze eines BisthumS, haben sich die Patres Ulrich Christenund Beda Connor aus Einsiedeln niedergelassen. Sie schildern die Bewohner deS