Ausgabe 
14 (9.4.1854) 15
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Landes als ein gutes, einfaches, offenes Volk; noch »»verpestet von Sittenverderbniß,empfänglich für religiöse Belehrung. Dieses Land stehe an einem kritischen Zeitpunct,der auf lange hinaus entscheiden dürfte: um so dringender sey daS Bedürfniß katho-lischer Entwicklung. ViucenneS, am WabeSh gelegen, wird als eine schone Stadtbezeichnet; sie hat zwei katholische Airchen und zwei Waisenhäuser. DaS Land stelltden pflegenden Händen noch eben so mühevolle Arbeit in Aussicht, wie daS Volkeiner günstigen Pflege bedarf. Ein Kloster, daS zum Erercitien- und MissionShnuse,zu einem Mittelpuncte der seelsorglichen Aushilfe und Jugenderziehung dienen sollte,hofft man nach dem Wunsche deS Herrn Bischofs errichten zu können.

Im mächtigsten Emporstreben aber erscheint die Benedictiner-Kolonie deS HerrnPater Supcrior, Bonifaz Wimmer , in St. Vincent, Staat Pensylvanien, GrafschaftWestmoreland, wie dessen ausführlicher Bericht an die Centraldirection deS Ludwig-MissionSvereineS in München darthut. Bis zum 5. Juni deS JahreS 1852 zählteer fünfzehn Priester, wovon aber Herr PlaciduS Düt! gestorben ist, sechzehn ki-stre-sclerici nech dem Tode deS Frater Gallus Urban noch fünfzehn, und zweiundfünfzigLaienbrüder, die sich derart in alle Professionen theilen, daß das Kloster einer weib-lichen Hilfe nur für Strick- und ähnliche Arbeiten benöthigt ist. Dazu kamen nochfünfzig Studenten, von denen mir der vierte Theil ein mäßiges Kostgeld entrichtete.Das Klosterpersonal war auf vier Plätze vertheilt, t) St. Viucent. Hier ist einKnabenseminar, wo die deutschen und die englisch Redenden m beiden Sprachen sichgegenseitig unterrichten. St. Vincent versieht folgende Filiale: Greensburg, Leganier,Johnstowe, Jefferson, Sumit, Hollydaysburg und Altona . Der zweite Platz istSt. Benedicr in Carroltown, Grafschaft Cambria am Alleghany-Gebirge, 55 Meilenvon St. Vincent nordöstlich, nahe den Quellen deS SuSquehannah. Hieher gehörendie Gemeinden Glonkondel, Loretto, Clarafield, Frencbville, Cooper-Settlement.Die dritte Station, 80 Meilen weiter nördlich ist St. Maria, eine Gemeinde von400 Familien, meistens Bayern , deren religiöser Eiser gelobt wird; von hier auSwird die deutsche Niederlassung in Williamsville versehen. Mitten zwischen S. Mariaund St. Vincent liegt die vierte, jüngste und schwierigste Ansiedlung Jndiana,die an pecuniären Opfern noch mehr als daS Brachland von St. Maria erfordert,dagegen aber durch ihren sittlichen Zustand weniger befriedigt. Daß eine unermüdlicheAusdauer, daß ein gränzenloses Gottvertrauen in diesen Verhältnissen erfordert ist,ergibt daS doppelte Mißverhältniß der geringen Geldkräste und bei weitem noch nichtzureichenden Personenzahl zu der nöthigen Ausdehnung über weit entlegene Puncteund zu dem Aufwande, den jede bleibende Niederlassung erfordert. Daher fehlt eSauch an Schulden nicht, die zwar bald zn decken wären, wenn nicht immer neueBedürfnisse der Bevölkerung auch neue Hilfsquellen erforderten.

II.

Ober-Canada.

AuS Toronto in Ober-Canada berichtet Pater Holzer 8. ^. über die Lage derDeutsche» in der Diaspora, in Guelph und Neu-Germany. In jenem Districte hatteauch Pater Fruzzini (in Würzburg seit der Mission in gesegnetem Angedenken) seineGesundheit dem apostolischen Amte geopfert. Nach Guelph sollen die barmherzigenSchwestern berufen und ibrcr Leitung ein Orphauasylum unterstellt werden.Zwar," sagt Pater Holzerhier in Canada ist fast jedes Kind ein verlassenes Waisen-kind, denn wir haben so wenige katholische Schulen "ES ist in unserer Guelph -Missivn auch ein Schottländer, Namens Mac Naughton, ein vortrefflicher Mannmit einer braven Familie; dieser hat einen Bruder im schottischen Colleg zu RegenS.bürg. Sehr viele Familien von dem übcrvölkcrtui Neu-Germany wandern nach derGuelph-Mission auS, und so werden wir sie alle in ein Townschip sammeln und einedeutsche Gemeinde bilden. Auch katholische Indianer gibt es in der Mission, mitdenen man mittelst Dolmetschern verkehren mußte.''