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Angriffe, die doch noch hier und da von solchen gegen ihn gerichtet werden, die nuneinmal mit sehenden Augen blind und mit hörenden Ohren taub seyn wollen, einfachantworten: iscts loczuuntur. Für uns aber, die wir seit Langem daS Glück haben,die einzelnen Mitglieder dieses Ordens näher zu kennen, und ihrer hohen Vortrefflich-keit die aufrichtigste Verehrung zollen, ist eS eine angenehme Genugthuung, dieß auchdem deutschen Publicum gegenüber offen auszusprechcn. (D. VolkSh.)
Eine GchiffSpredigt.
* Wir haben in der Postzeilung berichtet, daß am 19. März auf dem Admiral-schiff der französischen Flotte im schwarzen Meer eine erhebende religiöse Feier statt-fand, nämlich die Einweihung eines Marienbildes, das der Kaiser seiner Marine zumGeschenk gemacht hatte. Der Geistliche des Schiffes, Abb6 Crepö, hielt dabei fol-gende Anrede an die versammelten Osficicre, Soldaten und Matrosen:
AIS unser Heiland vom Kreuze herab an den Liebesjünger Johannes die Worterichtete: „Sohn, sieh da deine Mutter," legte er den Grund zu dem Mariencultusund ließ all die Süßigkeiten und unzählbaren Gnaden desselben ahnen. Von diesemTag an hielten es die Kinder des neuen Bundes, denen Christus daS Recht erworben,Gott unsern Vater zu nennen, für Pflicht, und fanden ihren Nuhm darin, Mariaihre Mutter zu nennen.
Ueberall wo das Licht deS Evangeliums verbreitet, überall wo ihm Altäreerrichtet wurden, erschien die erhabene Gestalt Mariens als Zeichen der Gnade, desTrostes und der Stärke; die Katakomben wie die Basiliken, die prachtvollsten Tempelwie die einfachsten Betörte bezeugen diese Gefühle der Verehrung, deS Vertrauens undder Liebe, die alle Genercnionen für die Jungfrau Maria an den Tag legten,
Städte, Provinzen, Reiche selbst erwählen sie zu ihrer Patronin und Herrin,und die stärksten Armeen sieht man unter ihrem Banner sich versammeln und sich ihresNamens als einer mächtigen Schutzwehr bedienen.
Aber wie erklärt sich denn diese erstaünenswerthe Liebe des Volkes? Durch dieEigenschaft als Mutter unseres Gottes, der Marien die Macht der unfehlbaren undunerschöpflichen Fürbitte gegeben, die sie auch ohne Rückhalt gegenüber allen Unglück-lichen, die sie darum bitten, übte. Ja, durch ihre Eigenschaft als Mutter Gottes istMaria die Spenderin der größten Gnaden und der rührendsten Erbarmungen ihresgöttlichen Sohnes geworden, und daher begreift man auch die allgemeine Verehrung,die dem Namen Mariens in allen Jahrhunderten zu Theil wurde.
Wer wollte ihre Wohlthaten alle aufzählen? Ihre Reihe wäre so lang, als dieder Leiden, womit unsere arme Menschennatur heimgesucht ist. Wer zählt sie die Werkeder Barmherzigkeit, der Ergebung, der Aufopferung, die sie eingab und die in ihremNamen vollbracht wurden?
Dringet in daS Herz jenes eifrigen und unerschrockenen Missionärs, der, um denPreis eines ganzen Lebens voll Entbehrungen und Leiden, die Wohlthat deS Evan-geliums den Völkern, denen es noch unbekannt, mittheilt; oder schauet in die Seeleder barmherzigen Schwester (unter welcher Fahne sie auch stehe), die ihr Leben in denPsründehäusern, in den Spitälern, in dem Bagno zubringt, das heißt, menschlich zureden, umgeben von Eckel, Qualen und Schrecknissen aller Art, und ihr werdet inbeiden eine unendliche Liebe zu Jesu Christo und zu dem Nächsten finden, umgeben,geschützt und genährt durch die Andacht zu Maria.
War es nicht vor dem Allar Mariens, daß unsere Mütter mit den Blickender innigsten Zärtlichkeit uns in die Arme schloffen? Und wenn das Ungewitter tobt,wenn der Sturm heult und die Wogen sich am Ufer aufthürmen, ist eS da nicht wie-der der Altar Mariens, oder auch nur ihr einfaches schützendes Bild am häuslichenHerd, um den sich unsere Mütter, unsere Schwestern, Weiber und Kinder versam-meln, Kraft und Vertrauen schöpfen und die Geliebten ihrem Schutze empfehlen?