139
seyn, wir meinen die Staatsschrift, welche nothgedrnngen über die Verhältnisseder katholischen Kirche in Rußland unter dem Pontificate Gregors XVI. veröffentlichtwurde. Die Schrift erregte schon damals Aufmerksamkeit und wird unter gegenwär-tigen Verhältnissen noch größeres Aufsehen erregen. Ein Jahrzehent ist etwa ver-flossen, als Kaiser Nicolaus in Rom war, und Gregor XVI. , im vollen Bewußtseynseiner apostolischen Würde und Sendung dem mächtigen Selbstherrscher aller Renssendie merkwürdigen Worte sagte: „Wir werden einst beide im Gerichte vorGott stehen." Gregor ist längst gestorben, die Staatsschrift schien scl sc-ts gelegt,— der Kaiser befand sich auf dem Gipfel seiner Macht — und siehe, die Welt erin-nert sich wieder der Worte Gregors, und die Staatsschrift ersteht auS der Verborgen-heit und fängt an, Rußland zu richten. (Salzb. Kbl.)
Zustände der Katholiken in Schweden .III
Wer die kleine Schmiedgasse in Stockholm betritt, sieht ein von Ziegeln imgefälligen, einfachen Style aufgeführtes HauS, das durch seine etwas längeren, nachoben zu gerundeten Fenster, noch mehr aber durch sein nettes, reinliches Aussehen auffällt.Dieß ist die Kirche mit dem angebauten Waisen- und Pfarrhause der kleinen katho-lischen Gemeinde in Stockholm . Eine unansehnliche Thüre fuhrt in den kleinen Hofund eine andere aus demselben in die Kirche. Hieher möchten wir alle diejenigenführen, denen das Wort „Kirche und Glauben" nur wie ein Kindermärchen klingt.Wenn man am Sonntage Nachmittag die dreißig bis fünfunddreißig Kinder, welcheim Waisenhause verpflegt und erzogen werden, von denen mehrere den Namen „Mutterund Vater" gar nie auSsprachen, in ihren zwar ärmlichen, aber reinen Gewändernvor dem Altare der unbefleckten Jungfrau km'een und die Hände falten sieht, wennman hört, wie sie die vom Priester vorgesprochenen Gebete andächtig nachsagen, wiediese Gebete Bitten sind für daS ehedem katholische, jetzt lutherische Vaterland, vollErgebung und Nächstenliebe, wie die Namen ihrer Wohlthäter genannt werden, damitsie sich den armen Waisen zur Dankbarkeit einprägen mögen, wenn dann die Kinderdas Salve Regina anstimmen und in einem geregelten Gesänge durchführen, wennsie dann in kindlicher Einfalt ihre kleinen Gaben, sey es eine Blume, oder ein Band :c.aus den Stufen deS Altares niederlegen, und wenn man bedenket, daß diese Kindervon der zartesten Jugend an für diese ihnen eingepflanzte Geisteserhebung im katholi-schen Cultus außerhalb ihres HauseS um Spott, ja oft thätliche Beleidigungen zuerfahren haben, wenn man erwägt, wie von der Kanzel und durch die Presse, vonden Sitzen der ReichStagdeputirten und durch die legislative Macht nur Spott, Hohnund Drohung gegen die Katholiken ausgestoßen werden, und endlich, welch materiel-len Nachtheil bloß der Name eines Katholiken nach sich zieht, was alles den Kindernnicht unbekannt bleibt, wenn man dieß alles bedenkt, dann muß man wohl auSrusen:„Die Gnade des Herrn beschützt sein letztes Samenkörnlein in der kleinen Schmied-gasse zu Stockholm , auf daß einmal ein Baum daraus werde, der Blätter trägt mitden Namen der Heiligen." Und diese Säulen und Wächter der Kirche, die Heiligen,sie stehen, durch Bilder und Statuen vergegenwärtigt, noch immer hie und da in denschwedischen ehedem katholischen Domen; noch immer kämpft der heilige Georg, hochzu Roß, in Riesengestalt in der Stockholmer Hauptkirche, mit dem alten Drachen injener Kirche, welche an der Außenmauer, gegen die königliche Residenz zu, eine großeMarmortafel trägt, die da besagt, daß Schwedens großer König, Gustav Adolph,diese Kirche der papistischen Jdololatrie und dem finstern Aberglauben entrissen unddem reinen Evangelio übergeben hat. Graphischer hätte man die schwedische Luther-Gesellschaft nicht zeichnen können. Innen in der Kirche der heilige Georg, unddraußen der Lügendrache! Auch die heilige Barbara ist in dieser Kirche — die reinegläubige Jungfrau, und vor ihr der abtrünnige Henker I Und damit die Schweden