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nicht wieder gedingt, — Solche Prediger, die sich so miethen lassen, hören natürlichauf Diener Gottes zu seyn, es sind Menschen- und Gcmcindcknechte, die um einengewissen Lohn geistliche Geschäfte, wie Taufen, Begraben und dergleichen verrichten.So schrecklich wird das heilige Predigtamt hier in den Koch getreten. Wird nun einsolcher Punct von einer Gemeinde festgehalten, so kann man mit gutem lutherischcmGewisse» nicht bleiben; denn der Beruf zum heiligen Predigtamt ist ja ein göttlicher.
— Nach Matth. 9, W, Kpheser 4, 11, Apostelgesch. 20, 38 ist es ja die heiligeDreifaltigkeit, welche Prediger sendet und setzt. — So thun sie auch stöltlicbe Werke
— und vor den herrlichen Namen, die ihnen die Schrift beilegt, müssen ja Köin'gS-nnd Fürstennamen in den Schatten treten. — ES ist ja auch dieses Miethen gegendie Augsburger Consession Art. 14. — Nun daS weißt Du besser als ich. Es heißtdieß auch wahrhaftig nicht einen Diener Gotteö zwiefacher Ehre werth halten. Nichtnur sollte ich von nun an alle Jahre nach Stimmenmehrheit aufs neue gewählt wer-den, sondern auch alle Kirchenzncht (Matts,. 18, 15—t8) sollte abgeschafft seyn. —Ja, wer zur Gemeinde gehöre, solle mich gar nicht kümmern. Das Recht, zur hie-sigen Gemeinde zu gehören, solle nicht an den Personen, sondern an dem Besitz derGrnndstücke hasten, und wenn auch ein Jude daS Grundstück besäße. — Die allei-gröbsten und offenbarsten Sünder sollten nicht von der Gemeinde ausgeschlossen werden.Einmal bekam ich gar einen Brief, in welchem ich im Namen Vieler ersucht wurde,für Kossuth zu beten. Kossuth wurde in diesem Brief ein heiliger Märtyrer undVölkerbesreier genannt. — Ich suchte in einer stnnden'angen Predigt die armen Leutezu belehren, und eS fruchtete auch bei einigen so viel, daß sie ihr Geld, welchessie zu einer Collectc für Kossnth mitgebracht hatten, in ihren Taschen stecken ließen,5ie meisten aber legten frei und öffentlich nach der Kirche eine Summe Geldes fürdiesen saubern Herrn zusammen, nachdem sie schon vorher öffentlich in der KircheWidersprechen und Lärm gemacht hatten. — Ans G-mcindeversammlungen trat manmit geballten Fünften und Messern in der Hand auf, so daß man sich stillschweigendaus solchen Räuber- und Mörderversammlungen entfernen mußte. — Endlich kurz vorPfingsten 1352 kam eS zu einer Entscheidung. Eine ganze Rotte hatte sich zusammen-gekoppeit, ein gottloser Arzt war bisher ihr Helfershelfer gewesen. Man hielt eineVersammlung gegen meinen und mehrerer Gemeindeglieder Willen. Ich wurde vonden Vorstehern im Namen der Majorität noch einmal befragt, ob ich ordentlichenBeruf und Kirchenlicht wolle fahren lassen, und da ich dieß verweigern mußte, wurdemir sofort die Kirche verschlossen, und binnen zehn Tagen sollte ich die Pfarrwohnungverlassen. — Die gläubigen und treuen Diener baten mich um GotteS Willen, siedoch nicht zu verlassen. Ich wollte auf bloßes Drohen gar nicht räumen. Weilaber Stimmenmehrheit hier zu Lande Recht bekommt mich bei der weltlichen Obrigkeit,so entschlossen wir unS endlich, a»S Liebe zum Friede» alle Kirchengüter fahren zulassen, und von vorn anzufangen. Der Treugebliebenen waren im Anfang von siebzigFamilien etwa dreißig. Die Pfiugstseienage über hatten wir Gottesdienst in meinerWohnung. Die Rotte soff unterdeß nebenan in einem Wirthshaus. — Hätten wiruns an diesem Tage geregt und etwa versucht, die Kirche zu erbrechen, waö wir nachhiesigen Gesetzen hätten thun dürfen, so hatte es wahrscheinlich blutige Köpfe gegeben.Wir wichen der Gewalt. Ich bezog nun eine andere Wohnung. Zur Kirche gab eintreues Gemeindeglied gern sein Haus her. Da nun die Feinde sahen, daß ich d.'chnicht wich, fingen sie erst recht an zu verfolgen, so daß wir unö des Nachts nur mitFurcht und Zittern zur Rnhe legen konnten. Und eS wäre wohl noch schlimm aus-gefallen, wenn Gott nicht mit der Cholera dazwischen gefahren wäre. Diese trat aberso heftig auf, daß binnen drei Wochen achtzig Menschen von derselben ergriffen unddahingerissen wurden — In dieser Zeit hatten wir Ruhe. — Einige batenum Vergebung. — Ich besuchte zu der Zeit so viel ich nur konnte, auch die Feinde.
— Da war ich willkommen und hatte die große Freude, wenigstens einen Wider-sacher noch vor seinem Tode in die Wunden Jesu hinein zu leiten. Viele sind wohlverstockt und unbußfertig dahin gefahren. — Bei den Treugcbliebenen fand ich überall