Ausgabe 
14 (7.5.1854) 19
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den Wortenverdammter Katholik" begrüßen hört; nur daS Aureden einiger demWüthenden nacheilender Männer haben den Reisenden vor thatsächlicher Mißhandlungaerettet. Aehnlicke christliche Worte werden nur zu häufig dem katholischen PfarrerBernard und seinem Caplcm Huber zugerufen. Bernard ist ein Elsasser, auS derSlraßburger Diöcese, ein Maun, welcher mit französischem Feuer deutsche Thatkraftzu verbinden weiß. Wohl bewandert in der lutherischen Jnconsequenz, besitzt er Ruhegenug, um oft mit sarkastischem Witze seine Angreifer zu beschämen, Pastor Ekdahl,der öffentliche Süudcnbock der Katholikeuverfolger, fürchtet ihn am meisten, und daBernard die schwedische Anklagebank und den GerichtSsaal eben so gut kennt wieseinen Predigistuhl und seine Kirche, so waren die Denuncianten und bezahlten oderciusgehehtcn Ankläger bis jetzt nicht im Stande, den Herrn Pfarrer mit einer andern,oder höchstens mit einer Geldstrafe zu beehren Vor nicht langer Zeit saß PfarrerVernarb wieder auf seiner Ehrcnbank, wie er die Anklagebank nennt; er braucht,weil im constitutionellen Schweden , einige Geschworene; er bat mehrere achtbare undals Kaiholikenfreunde bekannte schwedische Bürger, ihm diesen Liebesdienst zu leisten;der eine entschuldigte sich ganz nach der reinen Lehre deS Evangeliums, der anderereiste ab, und Bernard mußte ansäßige Katholiken wählen so terrorisirt ist dieöffentliche Stimmung! Kanm waren aber die Namen der katholischen Bürger alsGeschworene bekannt, schon predigte die radikale ZeitungVolkesstimme" in ihrerlutherischen Weisheit,der Eid eines Katholiken ist kein Eid, denn seinPfarrer könne ihn desselben entbinden." Ja, man mied sogar die Häuserdieser Katholiken, und da sie Geschäftsmänner sind, fühlten sie auch empfindlich ihröffentlich abgelegt^ Bekenntniß. Caplcm Huber ist ein geborner Bayer, die verkör-perte Sanstmuth und geistliche Aufopferung; obwohl physisch schwach, stärkt ihn diegöttliche Gnade dermaßen in seinem Berufe, daß er nebst seinem Schulunterrichte,der den gauzeu Tag in Anspruch nimmt, noch jeden zweiten Sonntag die Predigt inschwedischer Sprache hält. Rührend ist jene Sorgfalt für seine Kinder, die er unab-lässig vorbereitet auf den Slunn, der sie erreichen muß, wenn sie der schützenden Um-friedung einmal entwachsen. ,,WaS wird ans meinen Kindern werden", hört man ihnoft ausrufen. Und wirklich trüb, äußerst trübe ist die Zukunft eines solchenkatholischen Waisenknaben, der lutherische Meister scheut sich einen solchen in die Lehrezn nehmen; in irgend ein Bureau oder in das Heer einzutreten wehrt ihm daS Gesetz;einen Handel anfangen kann er nicht, denn er ist arm; sich den höhern Studienwidmen darf er ja nicht, auch fehlen ihm hiezu die Mittel also, da er nicht Zeit-lebens im Waisenhause bleiben kann, muß er auswandern, und in der Fremde seinBrov suchen eine traurige Aussicht, die dem heranwachsenden katholischen Jünglingnicht unbekannt ist, so wie auch, daß eS von seiner Seite nur einen Gang zum PastorEkdahl kostet, um die trübe Aussicht in eine hoffnungsreiche Gegenwart verwandelt zusehen. Und vollends die Mädchen! was soll aus diesen werdeu? Diese erhalten denUnterricht und die Anweisung in weiblichen Arbeiten von Madame Boyer, einer schonältlichen Französin, die bei einer umfassenden Bildung jene diplomatische Flexibilitätbesitzt, welche ihr allein ermöglicht, die anStretenden Mädchen bei katholischen Fami-lien dcö J>^ und Auslandes, namentlich iu Belgien , unterzubringen. Die wenigstenfinden eine bleibende Stätte in Schweden , denn wie sie wissen, daß eine gemischteChe nur unter Bedingungen, welche die Schweden nie eingehen, von der katholischenKirche gebilligt werde, so gehören solche Ehen zn den größten Seltenheiten. Freilichkann auf diese Weise die Anzahl der Katholiken in Schweden nicht steigen; sie kannsich nur durch Rücktritte zur Kirche mehr heben; welches Loos aber den Konvertitenbevorsteht, baben wir schon gezeigt. Wann wird auch hier die Morgenröthe heran-brechen? In Afrika kaull mau Heidenkiuder, um sie katholisch erziehen zu lassen,und in Schweden muß mau katholisch erzogene Kinder auswandernlassen, damit sie sich vielleicht bei deutschen Heiden verkaufe»!!