Ausgabe 
14 (14.5.1854) 20
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worden, als die Natur der Sache verlangt. Dadurch, daß die Kirche ihr Ver-mögen nicht mehr verwaltet, ist ihr ferner eines der wichtigsten Mittel zum Steuernder Noth entrissen, wie sie auch dieses im ungebundenen Zustande bethätigte.*)(Nvnss pimperuin, mensa 8. Spiritus.) Die Bischöfe, von schwer bindenden Vor-schriften**) ausgehend, schufen um sich Anstalten, die, wie die Armen mit Christus,dem Haupte der Kirche verbrüdert sind, gemeinsamen Bestand und Titel mit der Kircheführten. ***)

In der freien Kirche waltet ferner allein jene nachdrucksame Disciplin,welche die moralischen und ersten Quellen der Noth zu beseitigen im Stande ist.Denn wo statt deö seichten HumanitätSprincipeS gegen den sittlichen Versall eineheilige Strenge einschreitet, da wird Gott und Gesetz als Rächer gerufeu, und derErfolg ist kein Hohn der Gesetze mehr. Erst unter einer strengen Zucht kann daSHerz zu Großthaten für Gott und den Nächsten erstarken, wie auch die Physiologienachweist, daß an einer strengen Lebensweise Geist und Körper sich aufrichtet. DieStrenge der Kirchenzucht wandelte öffentliche Sünder in reuige Büßer und Heiligeum. Könnte also die Kirche die ihr als eigene Corporation rechtlich zuständige Dis-ciplin entfalten in Bezug auf das Armenwesen wäre ein bedeutender Schritt zurBesserung gethan.

Die freie Kirche sieht sich im Besitze des Rechtes auf die Erziehung, und eSist ihr dann gegeben, nach Abwendung einer seichten und unchristlichen Bildung, demGrunde alles Uebels, einen Zustand hervorzurufen, der Alles hoffen läßt. Ansdiesem ihrem wesentlichen und unveräußerlichen Rechtes) folgern wir viel für unsereBeweisführung. Die Sache ist zu evident, als daß man noch längere Worte ver-lieren sollte. Unser jetziges Schulwesen, das weder kalt noch warm ist, mag eS dashöhere oder das niedere betreffen, hat keine innere und dauerhafte Kraft zur Erreichungeines erfreulicheren Zustandes; denn wir sind der Ueberzeugung, daß da, wo dasPrincip verfehlt ist, kein günstiges Resultat erfolgen kann.

Die freie Kirche hat endlich jenes Ansehen für sich, wodurch sie in den Standgesetzt wird, die herrschenden Vorurtheile zu besiegen und namentlich als die natürlicheMutter der Armen zu erscheinen. Erst muß ein neuer Morgen angebrochen seyn,wenn man nach vorausgegangener Finsterniß die Wohlthat des Lichtes empfinden will.Einer Magd wird nichts Größeres zugedacht, als die ihr gerade zugemessene Arbeit.Dann, wenn der Reiche eben so Achtung vor der Kirche gewinnt, wie der Arme;dann, wenn man die göttliche Autorität der Kirche durch Gesetze und gesetzliches Ver-halten öffentlich anerkannt und gefeiert sieht; dann, wenn die Vorständeder Kirche nicht mehr bloß als ebenbürtige Beamte, sondern als Stellvertreter GotteSund Spender der himmlischen Gnaden angesehen werden; dann, wenn auf das ganzeVerhalten der Kirche wie auf das des erlösenden Gottessohnes hinübergesehen wird:kann, eine bessere Zukunft anbrechen.

2. ES gestatte und begünstige der Staat die freie christliche Association.Erst seitdem diese unterdrückt ist, ist die Armuth ein Krebsschaden der Staaten gewor-den, der mehr und mehr sie zu verderben droht. Mögen Vereine unter alten Regelnsich bilden, oder unter neuer Form austreten sie müssen zugelassen werden. Esdarf etwa der Zusammentritt Solcher, welche gemeinsam das Feld bebauen, ledigbleiben, ihreu Verdienst zu Wohlthaten verwenden, welche Vereine hie und da anf-tauchen und eben so zeitgemäß als segenreich sind, nicht mit argwöhnischen Augenangesehen oder gar unmöglich gemacht werden. Hiemit würde einem doppelten Uebelbegegnet, dem Proletariate und der Furcht vor einbrechender Uebervölkerung. WaSman mit allen Planen noch nicht zu Stande gebracht, erwächst aus dem gläubigenLeben von selbst. Hierher ist zu rechnen die Vervielfältigung von religiösen Anstalten,

') Conc. Lvlon. IK62, 3, tZ.

") c, 1 v. 82. e<mc. Knvenn. l3!1. c, 30. - 't'ricl. 25, I ,Ie ref.>") t^spit. Ksrol. »I. ->. 793, e. 1. Lone, '1'icin. 850. v. !ö.t) D,nkschrift des Episkopats d»v sbttrhein. Kirchenprovi'nz K t»>