Ausgabe 
14 (14.5.1854) 20
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Hunger und Kummer stiftende Fabrikwesen, eine Richtung der Neuzeit, in der Vielezum Nutzen des Einen sich hingeben und dessen steigender Habsucht dienstbar werden,in der der Einzelne, seiner Individualität verlustig, zu einem Theil der Maschineherabsinkt, und eben darum, weil er materiell geknechtet, in der Materie am liebstenweilt und seine Befriedigung findet. Hier neutralisirt sich der Wille wie daS Ver-mögen, und der Einzelne lernt sich seilen beherrsche» und nachhaltig versorgen. Manschwärmt für Fabriken, wenn man einer armen Gegend aufhelfen will, und diesewird dadurch immer ärmer. Die Arbeit wird erst zu einer christlich vollkommenenerhoben, wenn Jeder aus Liebe zu Gott einem bestimmten, selbstständigen Berufe sichhingibt, und wie die höchst mögliche sittliche Vollkommenheit, so auch die gewerblicheVollendung in freiem Fortschritt anstrebt. Das Fabrikvvlk ist überall daS schlechteste,weil nie oder selten ein Segen dabei. Blühende Fabriken sind gleich großem Elende.Darum im Mittclalter die vollendetsten Gewerbe, von denen viele sogar mit der Zeitzu Grunde gegangen.

5. Viele andere Mittel sind bloß Konsequenzen aus dem allgemeiner gewordenen,freien, christlichen Leben und aus der christlichen Haltung der Staaten. So wärez. B. nie zuzulassen die Emancipation der Juden; denn man muß auch den letztenRest christlicher Anschauung verloren haben, wenn man hiefür eifern oder gar ein Ret-tungsmittel gegen die Schäden der Zeit hierin erblicken will. Das Volk weiß es:das sind meine AuSsauger; wenn ich Noth habe, falle ich bei ihnen von der Scyllain die Charybdis.

Damit hängt serner zusammen die Verminderung der Gelegenheiten zur Noth,als da sind: zu viele Schenken, daS Fortbestehenlassen von Winkelkneipen und Schnaps-häusern, die an manchen Orten, besonders in Landstädten, zur Unzahl gestiegen sind,die häufigen Tanzbelustiguugen, daS öffentliche Spiel :c.

Unser CaronischeS^mplius" zur Hebung der Noth reducirt sich sonach immerauf das freie Aufblühen des gläubigen Lebens und der Kirche. (Kath. Wochenschr.)

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Luxemburger Zustände.

So wie man vor einigen Jahren überall von Volksversammlungen, ReichStagS-wahlen, Constitutionen, Kammerverhandlungen u. s. w. reden hörte, so bildet seiteinigen Monaten hier in unserem Luxemburger Lande das mit dem heiligen Stuhlebald abzuschließende und von einigen Zeitungen bereits als abgeschlossen angekündigteConcordat bei Weltlichen wie bei Geistlichen den Gegenstand des allgemeinenTagesgespräches. Die kirchenfeindlichen Bureaukraten und Freimaurer sammt einigen,im Verhältnisse zu der größten Mehrzahl unseres kerngesunden Klerus jedoch äußerstwenigen, altregierungsfreundlichen Geistlichen scheinen sich mit der Hoffnung zu schmei-cheln, daß die definitive Abberufung des hochwürdigsten Herrn Bischofs entweder einevon der jetzigen Regierung als unerläßlich dabei gestellte Bedingung oder doch gewißeine notluvenvige Folge dieser Uebereinkunft seyn werde; bei dem katholischen Volkeaber und bei seinen braven Priestern ist eS zumal die gegründete Aussicht auf diebaldige Rückkehr deS vielgeliebten Oberhirten, und zwar nicht mehr als apostolischenVicarS, sondern als Bischofs von Luxemburg, die den Luxemburgern so oft Veran-lassung gibt, vom bevorstehenden Concordate zu reden; denn es scheinen beide Fragenwohl zu eng miteinander verbunden, als daß die eine ihre Lösung ohne die anderefinden könnte. Doch mögen die Wünsche und Hoffnungen auch verschieden seyn, soscheint der Augenblick doch nicht mehr so gar ferne, in dem wir unsere kirchlichenAngelegenheiten durch gesetzmäßige Verträge geordnet sehen werden, und ward daSLand bisher auch in seinen gerechten Erwartungen getäuscht, so muß dieses einzig undallein den von unsererer früheren Regierung gemachten und vom Haag aus unter-stützten Schwierigkeiten zu gute gehalten werden, denn das Großherzogthum selbstkonnte nicht die geringsten Hindernisse in den Weg legen. Mag es auch immerhinals Provisorium angesehen werden, daß wir ein apostolisches Vicariat oder vorder Hand gar nur ein Provicariat besitzen, so hat diese unsere Vicarie doch