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Simon, ein ehrenwerther Mann, der, wie man sagt, hauptsächlich wegen diesesGeschäftes im strengsten Winter nach dem Haag gereist war und alldort mit dempäpstlichen Nuntius öfters darüber Rücksprache gepflogen, ist vor Kurzem hierher zurück,gekehrt. Er soll sich seither nicht nur bereit erklärt habcu, dem Entwürfe beizupflich-ten , von dem gut verbürgte Nachrichten in den öffentlichen Blättern des JahreS 185l)gemeldet, daß er von per nach Rom gehenden Gesandtschaft des Luxemburger KleruSdem heiligen Vater unterbreitet worden sey; sondern er soll sich sogar nicht abgeneigtgezeigt haben, der Rückkehr des hochwürdigsten Herrn Bischofs keine Hindernisse mehrin den Weg zu legen, falls die Umstände sich im Verlaufe der Unterhandlungen sogestalteten, daß sie dieselbe als geboten erscheinen ließen. (Kath. Wochenschr.)
Die Feier deS 24. April auf der Riedenburg bei Bregenz .
Wiewohl die Riedenburg am 24. April noch nicht in ihrer ganzen Aus-dehnung dem segensreichen Zwecke, dem sie fortan dienen soll, vollkommen angepaßtwar; wiewohl in einem Theil des Baues alle Arten von Handwerker noch beflissensind, ihrem Rennen und Poltern und Hämmern ein baldiges Ende zu machen, damitgeheiligte Ruhe und erhebende Stille durch alle Räume deS schönen HauseS walte;er.ichteten doch dessen fromme Besitzerinnen, der 24. April sey der geeignetste Tag zurfeierlichen Eröffnung ihrer Anstalt, zur Bezeugung ihrer ungefälschten Dankgefühle,zur Bewährung, daß in dem allgemeinen durch weite Länderstrecken wogenden Jubelauch sie nicht stumm und regungslos bleiben. Sollte doch sür die Anstalt selbst derSegen deS himmlischen Beschirmers herabgefleht werden und hätte es hierzu einenpassender» Tag gegeben, als denjenigen, an welchem die künftigen Bewohnerinnen,vereint mit Millionen freudig und dankbewegter Herzen, denselben zugleich über ihrenirdischen Schirmherrn herabzuflehen sich mußten gedrungen fühlen? Ist es doch dessenhelle Einsicht in das, wessen die Zeit vor allem bedarf, welche dem Herzen Jesu denSieg verschafft, treubesorgten Eltern eS möglich gemacht hat, ihr kostbarstes unvtheuerstes Gut sorgsam wahrender Pflege anzuvertrauen.
Gleich als zu einem lichten Gestirne blicken seitdem von allen Ufern deS schönenBodenseeS die Anwohner zu der Riedenburg auf, und als zweifach festlicher Tagwinkte, lud der 24. April sie dahin ein. Vornehmlich erkannte der katholische Adelaus dem angränzenden Württemberg und Baden es als angenehme Pflicht, ebensowohl seine iheilnehmeude Freude an dem Festtage Ihrer apostolischen Majestät, alsden Vamk8 clu 8ger6 eo<zur seine Anerkennung und Verehrung zu bewähre», öffentlichzu bezeugen, der in Baden und der SHveiz verworfene Stein sey von Oesterreich zum Eckstein sär den Bau einer bessern Zukunft ersehen worden, Selbst die Schweiz blieb nicht auS, der beinahe achtzigjährige Bischof vvn St Gallen wollte den Beweisgeben, daß ein kostbares Gut an seinem Werth darum nicht Voliere, weil der Unverstanddasselbe verschmähe. Schon am Vorabend trafen aus der Schweiz , aus Baden undaus Württemberg Zöglinge, meist Kinder angesehener Eltern, mil ihren Eltern ein,zwar nicht in großer Zahl, weil die Räumlichkeit für den Augenblick noch Beschrän-kung auferlegte, die aber in vier Wochen gehoben seyn wird.
Zu der Festlichkeit selbst war der im gothischen Style hergestellte Capellensanleingerichtet, durch vunkelrothe Sammttapcten mit vergoldeten Leisteil schön ausge-schmückt. Das Bild deS heiligsten Herzen Jesu, unter demselben die verschlungenenBuchstaben deS kaiserlichen Brautpaares, lud freundlich alle Eintretenden zum Gebetfür dasselbe ein; Reliquien deS heiligen FranciscnS nno Joseph, dann der heiligenElisabeth, kunstbeflisscn in Silber gefaßt, lagen auf einem Sammtkissen, von brennen-den Kerzen umgeben, unter jenen NamenSzügeu, und davor eine der Frauen zumheiligsten Herzen je durch eine halbe Stunde auf den Knieen im Gebet.
Am Morgen deS 24. hielt der Bischof von St. Gallen das Hochamt, nnterwelchem die ganze Klostergemeinde aus seiner Hand ihren göttlichen Herrn undBräutigam erhielt, aus der Fülle tief bewegter Herzen seinen Segen sür das hoheKaiserpaar erflehend.