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viele fromme Gebete für den Kaiser als den Schutzherrn dieses neuen, dem Dienstedeö Allmächtigen geweihten Hauses und die hohe Lebensgefährtin, welche der Allmäch-tige ihm zugeführt hat, zum Himmel emporsteigen.
So endigte dieser Tag, der nicht blos für die Riedenburg und für ihre nächsteUmgebung, sondern für viele in weiter Ferne in nie verbleichendem Andenken sicherhalten wird. (W. Z.)
AuS einem Schreiben deS Herrn Pfarrers Prisac vom 14. April entnehmenwir, daß der Pilgerzug, in welchem er sich befindet, nach einer höchst beschwerdevollenReise am 3V. März glücklich in Jerusalem angelangt ist. „Erwarten Sie nicht," sagtHerr Prisac, „daß ich Ihnen den Eindruck schildere, den die heilige Stadt aus michgemacht, ich konnte nichts als weinen. Wir hatten den furchtbarsten Weg gemacht,den sich je meine Phantasie nur denken konnte, hatten Unsägliches ertragen an Kälteund Hitze, Hunger und Durst. Als wir eine kleine Ercursion von Jerusalem nachdem Hause des ZachariaS machten, dachte ich in der Nacht in dem Hause des Johan-nes zu sterben; doch war ich, nachdem ich am folgenden Morgen an der Stelle derGeburt des Vorläufers Christi Messe gelesen, auf einmal wieder frisch und wohl, undritt getrost gen Bethlehem , wo ich nun schon mehrere Tage war und an der Krippedie heilige Messe gelesen. Von Bethlehem ritten wir über St. Saba nach Jerusalem zurück. Wir mußten durch ein enges Thal und über Klippen hinweg, wo sich zurRechten unsern Blicken ein Lager von Beduinen zeigte. Unser Präsident sprengte indessenheran und ermähnte zu geschlossenen Gliedern, Wir kamen glücklich an ihnen vorbei,aber einer unserer besten Reiter lag wie todt an der Erde. — Ihnen die Feierlich-keiten der hl. Woche zu beschreiben vermag meine Feder nicht, der Brief würde dazunicht ausreichen, und will ich bloß vom Gründonnerstage und Charfreitage reden. Amersten dieser denkwürdigen Tage war die Feierlichkeit unmittelbar vor dem heil. Grabe.Ich mußte mich bereit erklären, mir mit zwölf fremden Priestern die Füße waschen zulassen, und war unter diesen der Erste, an dem die heil. Handlung vollzogen wurde.Zwar hatte ich diese Ehre den französischen Priestern zugedacht, allein ich erinnertemich an die Weigerung deS hl. PetruS und an das Wort des Heilandes. CharfreitagAbends hielten wir von sieben bis eilf Uhr den Kreuzweg an den heil. Stätten. Dieganze Handlung geschah dramatisch und war von gewaltiger Wirkung. An der Säuleder Geißelung wurde italienisch gepredigt, am Kerker deS Heilandes türkisch, am Orteder Auffindung des heil. Kreuzes englisch , auf dem Calvarienberge an der Stelle derKreuzeSanheftung deutsch , am Orte des TodeS französisch, am Salbungssteine arabisch,am hl. Grabe spanisch. Da lag nun das Bild des göttlichen Heilandes an der Stellevor mir, wo ihn die Menschen bis zum schrecklichsten Tode mißhandelt. Ungeachtet ichsehr ermattet war, nahm ich doch, göttlichem Trost vertrauend, meine ganze Kraftzusammen; und da man mir vorhergesagt, daß ein großer Theil meiner Zuhörer Prote-stanten wären, dachte ich nicht bloß für das katholische Deutschland , sondern auch sürdaS protestantische zu predigen. Ich fühlte mich wundersam gestärkt und redete ausvoller Kraft: „„^ttenclite omnes Zerites et viästis, si <zuis dolor 8icut meus."" DaSBild deS göttlichen Heilandes wurde auf dem Calvarienberge vom Kreuze hcrabgenom-men, von seinen Nägeln befreit, in Leinwand gewickelt, auf dem Salbungssteine gesalbtund inS Grab gelegt. Ich war ein Geleitsmann deS Nicodemus und Joseph von Ari-mathia, und trug die Zipfel der Leinwand bis inS hl. Grab." — Herr Prisac rühmtsodann, mit welcher Auszeichnung der Patriarch von Jerusalem ihn behandle, wie mitzuvorkommender Güte und Freundlichkeit die FranciScaner ihn und seine Gefährten allent-halben begleiten und ihnen den Zutritt zu den heil. Stätten erleichtern. (D. V.-H.)
Verlags-Inhaber: F. <5. Kremer.