Ausgabe 
14 (21.5.1854) 21
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Vierzehnter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburger PostMtung.

21. Mai 21. 1854.

Diese« «litt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuemenieprei«40 kr., wofür e« durch alle köm'al. baver. PoKämter und all« Bochhaudluvqcu bezoa'N werde» kauv.

R o m.

Rom, 19. April. Die heilige Charwoche zog durch ihre Feierlichkeiten wiedereine Unzahl von Fremden an. Manche derselben zeigten aber den heiligsten Hand-lungen gegenüber ein Benehmen, daß nickt nur jeder ousrichiige Kalh Ick, sondernjeder wahrhast Gebildete daiüber einnistet seyn muß. Wenn die Ausschließung allerAkatholiken von katholischen Feierlich keilen daS erlremste Mittel wäre, so wäre einestrengere Aussicht das nächste. Die Abführung einer geschwätzigen Gruppe Engländerwürde vielleicht die Menge der übrigen Fremden schweigsamer macheu. Neben solchenScenen des Unglaubens und der Unart ficht man Beispiele der rührendsten Andacht.Als ein wahres Muster der Frömmigkeit ist zu rühmen der jugendlich blühende PrinzFriedrich August von Sachsen , welcher dadurch, wie durch seine edle Erscheinung einLiebling Roms wnrde. Der heilige Vater neigte sich bei jeder Gelegenheit diesemgetreuen Sohne der Kirche mit jenem ÄuSdrnck der Liebe zu, der durch keine Wortegeschildert, durch kein Bilduiß erreicht weiden kann. Bei der Bisichligung der Meik-würdigkeilen halte Se. königl. Hoheit einen Be leiler zur Seite, der wohl nicht bessergewählt und gewünscht werden konnte: den königl. >ächsischen Geschäftsträger ErnstPlanier, der bekanntlich den wesentlichsten Antheil hatte an der Verfassung des großenWerkesBeschreibung der Stadt Rom" und der kleineren Ausgabe ,,Beschru'bnnzNomS". Herr Platner ist ein Mann von achtzig Jalnen, aber noch lebenskräftig,mic ungeschwäch-em Gedächtnisse, voll geistiger Regsamkeit und in der Ge>cllschajtimmer zu Geistigem weckend und bewegend: ein Biedermann von aller ätler Art, einenischievener Kcuholik. Auch der junge Prinz von Preußen, Friedrich Wilhelm,Wohnte vielen Funktionen der Charwoche bei. Wie ich höre, schickte er sein Slamm-buch in das Kollegium sl lesu mir dem Ersuchen um eine Erimleiuiigözeile von demhochwürdigsten Paler General und von dem deutschen General-Assistenten. Se. königl.Hoheit sprach sich über die Jesuiten-Mission in Bonn mit großer Anerkennung auS.Der Prinz von Preußen reiSle gestern von Rom ad, der Prinz von Sachsen verläßtuns morgen; er kehrt nach Deulschland Zurück. Am Ost rsonnlage snllle sich derungeheure St. Pe'crsplatz mir Volk und Militär. Man schätzte die Zihl der Ver-sammelren auf 40,000 Köpfe. Die faibigen Parasols schwenkten sich wie Korn-blumen aus der Masse hervor. Die Riesen i.ien der Wasserstrahlen aus den Spring-brunnen zu beiden Seiten deS Obe iSkeS ragten ruhig wie von Kristall über derwogenden Menge. Ein Viertel nach zwölf Uhr erröinen die Glocken. DieKardinäle sammelten sich auf dem hohen Balkon der Fahnde. Der heilige Vatererschien mit der Tiara und im Pluviale auf dem Throne sitzend, weiß und goldigschimmernd, mit blühendem Antlitz. Mit lauter klarer Stimme verrichtete Se. Hei ig-keit die Gebete und erhob sich nun auf dem Throne, die Hände zum Himmel streckendund feierlich segnend die Anwesenden, die Stadt und die Welt. Eine wunderbare