Ausgabe 
14 (21.5.1854) 21
Seite
162
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

162

Erscheinung! Ein Moment ganz eigener Art! Einige Augenblicke verweilte der heiligeVater, die ausgebreitete Menschenmasse betrachtend: dann folgte ein zweiter Segen;der Thron bewegte sich über den rothgekleideten Trägern langsam zurück und verschwand.DaS Landvolk in der Umgegend von Rom warf sich gleichzeitig mit der Menge desPetersplatzeS auf die Kniee: Der Donner der Kanonen gab das Zeichen, Und inden Fernen, wohin der Schall nur mit schwachen, leisen Schwingungen sich fort-pflanzt, legten Manche das lauschende Ohr an den Boden. Ach das arme Land-volk sehnt sich immer sorgenvoller nach Erhörung der Gebete! Denn die anhaltendeTrockenheit bedroht mit einem Mißjahre, Die Noth wird mit jedem Tage größer,die Theurung steigt. Doch wäre eS bedenklich, aus Rücksicht für diese Umstände her-kömmliche Unkosten für Volksbelustigung zu suspendiren und einem wohlthätigen Zweckezuzuwenden. Die Beleuchtung von St. Peter wird, wie ich höre, durch eine Stif-tung bestritten, aber die Girandola (Feuerwerk) des Pincio bezahlt die Casse der Stadt.Die eiste fand am Ostersonntage statt, die zweite am Ostermontage. Obgleich ichsonst für Scenen dieser Art kein Interesse habe, ging ich doch beide Male hin, umsie zu sehen. Die Phänomene übertrafen meine Erwartung. Denn die Beleuchtungder PeterSkirche zeichnet sich durch ihre ruhige Würde aus, die Girandola durch ihreBewegung und Änmuth. Dort glänzte die Kirche im himmlischen Triumphe; hierentfaltete die Well mannigfache Reize erlaubter Freuden. Die Farben der Blumen-fülle, die sich i» der Luft entzündete und über die Menge verschwebend ergoß, warenvon erstaunlicher Frische und Schönheit. Auch Beziehungen auf das Religiöse fehllennicht: Mitten in täuschender Aehnlichkeit schwebten durch die Lust und wie durch einenZauber glänzte der Tempel Salomons plötzlich vor unsern Augen. (Salzb, Kbl)

Dublin .

Der hochwürdigste Herr Erzbischof von Dublin hat, wie alljährlich, auS AnlaßdcS Beginnes der Marienandacht im Mai einen Hirtenbrief erlassen. Es heißl darin:

. . . Während die Feinde unsers heiligen Glaubens sich gegen uns verbinden,während sie unS deö heiligen Einflusses dcS Beispiels der keuschen Braut Jesu Ehristiund die irische Kirche einer ihrer kostbarsten Zierden, der klösterlichen Institute berau-ben und die Ausübung der evangelischen Rechte der Armuth, der Keuschheit und desGehorsams gleichsam ächten wollen, indem sie das religiöse Leben durch Gesetze ver-dächtigen, während sie die Uebung der christlichen Liebe aufzuheben snch'en, welche dieUnwissenden belehrt, die Thränen der Trauernden trocknet, die Wittwen und Waisentröstet, und den sterbenden Sünder zum Erscheinen vor seinem Richter vorbereitet: istes da nicht unsere Pflicht, u-iS um Hilse a» den Himmel zu wenden, und um unserGeber erfolgreicher zu machen, eS un er den Schutz der Mutter Gottes zu stellen?Ihr werdet zwar fortfahren, alle Mittel anzuwenden, welche die Verfassung euch andie Hand gibt, um eure religiösen Freiheiten zu schützen und dabei gemeinsam handeln,die Eintracht bewahren und die DiScussion aller Fragen vermeiden, worüber dieKatholiken nickt derselben Meinung sind .... Aber dabei vergeßt nicht, daß dasGebet unsere Hanptwaffe ist ... . Aber die Verfolgung unserer religiösen Instituteist nicht der einzige Beweggrund für unS, in diesem heiligen Monate den Himmel umBarmherzigkeit anzurufen und Maria nm ihre Hilse anzuflehen. Vor einiger Zeiterinnerten Wir euch an das Nahen der schrecklichen Geißel der Cholera, welche soviele Länder verheert hatte, und Wir ermähnten euch Buße zu thun für die Sünde,die Ursache aller Uebel auf der Welt, von den bösen Wegen abzulassen, nno euch vorUumäßigkcit und den andern schmählichen Lastern zu hüten, welche selbst schon indiesem Leben die sichtbaren Züchtigungen GotteS auf den Schuldigen herabrusen.seitdem haben die Geistlichen dieser Diöcese täglich bei dem heiligen Meßopfer umAbwendung dieser Geißel deö göttlichen Zorns gebetet; Dank Seiner Barmherzigkeit,wir sind bis jetzt verschont; aber da die Gefahr noch droht, wollen wir unsereGebete fortsetzen, daß wir vor den Verheerungen dieser Pest bewahrt bleiben, namenl-