Ausgabe 
14 (21.5.1854) 21
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Gottes kein furchtbareres mehr kennt:Ich will heraufführen über euch daS Schwertund zu Schanden soll werden all' eure Herrlichkeit ich will zerstören eure Altäreund eure Gebeine uniherstreucu, .... Au jenem Tage werden sie hinauswerfen dieGebeine der Könige von Jnda und die Gebeine seiner Fürsten aus ihren Gräbeindie Sonne soll auf sie scheinen und der Mond und alles Heer der Sterne; nichtgesammelt sollen sie werden und nicht begraben, ein Haufen Koch sollen sie seyn überdem Augesichte der Erde."

Am 12. October 1793 wurde es laut in den stillen Mauern der Abtei. Stattder frommen, wehmüthigen Choräle, die für die ewige Ruhe der Begrabenen beten,heult wie ein Gewittersturm die Marseillaise auS tausend und tausend wilden Kehlendurch die alten, ehrwürdigen Hallen mehr und mehr strömt die Menge hereindurch die eingebrochenen Thore. Die Republik hält ihren Gottesdienst CamillcDcSmoulinS und die übrigen Gesandten deS ConpentS eS war ein schauerliche:Tag. Statt der Mitra die Jakobiner-Mütze, statt deS feierlichen Zuges der Mönchezum Grabe der Könige der tolle Tanz der Carmaznole; an der Stätte, wo Bossneiund Massillon unsterbliche Worte sprachen, hallt der Ruf der Männer des BcrgSzum Beginne der Feier. Da fallen die Kreuze; sie werden zerschlagen und zertreten,die Altäre zertrümmert und besudelt, die ernsten Gestalten der steinernen Aebte undRitter und Herren verstümmelt, verhöhnt, unter Fluchen und wieherndem Gelächterdurch die Stadt geschleift.Vorwärts! ruft DcSmoulinS, Die Republik hatteBlut gekostet und Blut getrunken, das Blut des Königs nnd das Blut der Priester aber sie ist nicht satt. Ihre Hyänennatur treibt sie vorwärts; sie wühlen dieGräber auf, sie wollen Leichen. Die Pforten der Grüfte ein Werk Ear!S deSGroßen werden gesprengt; hinab stürzt sich der zügellose Haufe. Da lagen siealle in ihren Bctteu von Stein die Merovinger, die Karolinger , die Capetingcr,die ValoiS, die Bourbons alle Größen der Geschichte von Frankreich dieHerzoge und Herzoginnen, die Prinzen, Dauphins und Marschälle. Einen Augen-blick schauerte die Rotte die ernsten, scharfen Gesichter der alten Helden jagtenihnen nach Jahrhunderten noch Furcht ein es lag noch Majestät in den verbli-chenen Zügen dieser Könige aber DeSmoulinS geht voran, die Andern folgenDie Leichname werden herausgeworfen, die Gewänder in Fetzen zerrissen da liegensie schmählich in ihrer Blcße, Die Sansculotten, die Fischweibcr kühlten ihre WuthVN den entehrten Leichnamen; sie ^aben ihnen Faustschläge, zerrauften ihre Haare,schnitten ihnen die Glieder ab und warfen die verstümmelten und besudelten Leiterdann hin, den Straßenjungen zu Sp 'tt und Spiel. Doch lassen wir den Schleierfallen über dieß scheußlichste Schauspiel in der Geschichte von Europa .

ES waren der Todten so viele ein Tag reichte nicht auS, die Hyänen warenmüde geworden. Sie kamen deS andern TageS wieder, und am dritten wieder.Frankreich sollte gereinigt werden von dem letzten Rest des Königthums; Alles wurdedurchsucht, Alles besudelt. Das Volk sollte Rache nehmen für das Unrecht, das eSseit Jahrhunderten von seinen Königen erlitten keine einzige Leiche entging denBestien Alle wurden sie hinausgeworfen Heinrich IV. , der König des Volkes,und Ludwig XI ; die Väter deS Landes und seine Dränger, der Regent, der schänd-liche Orleans , und FenelonS trefflicher Zögling, der Dauphin; die MediciS und diegute Henriette von England; Ludwig der Heilige und Ludwig XV. da lagen sieAlle übereinander in einer schmählichen Grube. In sterczuiünium suswr sgciem terrgverunt! DaS war ein schreckliches Gottesgericht!

Aber noch läßt der Zorn deS Herrn nicht nach, und seine Hand bleibt auS-gestrccki. DaS letzte Andenken an die Könige sollte verschwinden. St, Denis, daSHciligthum der Nation, St. DcniS, an dem zwölf Jahrhunderte in Ehrfurcht vorüöer-gegangen waren, in dem jede Generation ihr Kostbarstes niedergelegt, Sr. DeuiS,geweiht durch so viel Thränen, die hier geflossen, so viel Seufzer, die hier aus demHerzen gestiegen, so vielen Schmerz, der hierher getragen war, St. DeniS sollte derErde gleichgemacht werden. Seine starken Säulen wurden zerschlagen und stürzten