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ein, der Wind zog klagend durch die leeren, der Regen schlug durch die offenen Fen-sterbogen, und in sein Inneres schien die Sonne bei Tag, der Mond zur Nacht, undalles Heer der Sterne — die Republik hatte das Bleidach abgedeckt und Kugelndaraus gegossen. Die letzten Anhänger der Könige sollten durchbohrt werden von denletzten Ziesten der KönigSgräber!
(Schluß folgt.)
Der Monat Maria.
Wir finden, daß von jeher alle ächt katholisch gesinnte Christen eine große Liebeund Zuneigung zur Mutter Gottes gehabt haben. Unter den Heiligen der KircheGotteS strahlen als besondere Verehrer der allerseligsten Jungfrau ein heiliger Bernard,ein heiliger Johannes Damascenuö, ein heiliger AlphonsuS von Liguori und vieleandere hervor, die in ihren Schriften nicht Worte genug finden konnten, sie würdigzu preisen und zu verherrlichen, die die ganze Kraft der Rede ausgeboten haben,Mariens Größe und Erhabenheit, Mariens Tugenden und Heiligkeit zu rühmen.Worauf beruhet diese Verehrung gegen die Gottesmutter? Worauf anders, als aufder großen Ehre, die Gott ihr selber erwiesen, da er sie vor allen Andern. ihreSGeschlechts erkor, die Mutter seines eingeborncn SohneS zu seyn; worauf anders,als ans der hohen Heiligkeit, in der sie jederzeit strahlte, auf den großen Tugenden,die sie geübt; worauf endlich anders, als der Liebe, die Maria zu unS Menschenhat und auf der Macht ihrer Fürbitte bei ihrem göttlichen Sohne. — Wir nennenMaria unsere Mutter. Sie ist eS in der That. Keine irdische Mutter kann eine sogroße, innige Liede haben zu ihrem Kinde, wie Maria zu uns hat! Die Ursachen,warum unS Menschen Maria so sehr liebt, solle» hier nicht angeführt werden, da siebekannt genug sind. — Willst du Beweise dieser Liebe? Wenn der Raum cS gestattete,würde ich dir viele Beispiele von der liebevollen und gütigen Wirksamkeit Marienserzählen können, Beispiele, wie durch ihre Vermittlung die verstocktesten Sündererweicht und zur Sinnesänderung gefühlt sind. Wie viele Beispiele werden außer denbekannt gewordenen ohne Zweifel einst ans Tageslicht kommen, wenn die Bücher desLebens aufgeschlagen werden! Wie schön passen daher auf Maria die Worte in denSprichwörtern 8, 35: Wer mich findet, der wird das Leben finden. Wie vielelausend Sünder haben Maria gefunden und durch sie das ewige Leben! Maria wirdmit Recht die zweite Esther genannt, die bittet für ihr Volk, für Alle, welche zu ihrihre Zuflucht nehmen. Sie braucht nicht zu sagen, wie die Esther deS alten Bundes:habe ich Gnade gefunden, so schenke meinem Volke das Leben, da sie vom Engel dieGnadenvollc genannt worden. — Damit du siehst, wie die Heiligen GotteS von Mariadachten, will ich dir von den vielen tausend AuSsprüchen derselben einen nennen.Der heilige Johannes DamaScenus sagt: „Nahe dich, Mutter meines Heilandes!Du bist meine Hilfe, mein Trost im Leben. Nahe dich und ich werde mitten in denFlammen der Versuchung nicht brennen; unter tausend Schlingen der Nachstellungwerde ich sicher seyn; unter Winden und Wellen der Anfechtungen wird mich dieGefahr deS Echifsbrnchcs nicht schrecken. Ich fürchte nichts, wenn du meine Schutzfraubist, bin nicht ängstlich über meine Schwachheit, wenn ich von dir gestärkt werde.Dein Name ist mein Schild, dein Beistand meine Rüstung, deine Hilfe mein Schwert.Durch dich greife ich den Feind herzhaft nn; durch dich treibe ich ihn beschämt zurückund erhalte den herrlichsten Sieg." Welch' hohe Meinung hatten also die Heiligenvon der Gottesmutter, welche Ehrfurcht vor derselben, welche Andacht und welch' einZutrauen zu ihr! — Wegen der hohen Verehrung, die der Gottesmutter gebührt, hatdenn auch unsere heilige Kirche mehrere Feste zu ihrer Verehrung eingesetzt, die wiehellleuchtende Sterne am kirchlichen Himmel glänzen, deßwegen ist ihr ein Tag derWoche, der SamStag, also der Tag vor dem Sonntage, dem Tage deS Herrn, besondersgeweiht. Wegen der Macht ihrer Fürbitte haben sich so manche Genossenschaften