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unter ihren besondern Schutz gestellt und sie zur Patronin gewählt u. s. w. Deßhalbhat man auch einen Monat, den schönsten im Jahre, zu ihrem Lobe und Preisebesonders bestimmt, den Maimonat. Man hält, Gott sey dafür gelobt und gepriesen,auch schon in vielen Gemeinden Deutschlands im Mai eine sogenannte Maiandacht,welche darin besteht, daß man mit besondern Ehrenbezeugungen, andächtigen Gebetenoder mit andern Tugendübungen im Maimonate öffentlich oder zu Hanse die allerseligsteJungfrau verehrt. Es ist dieß nicht eine Andacht, die bloß d^'r Billigung undEmpfehlung Einiger, sondern der Gutheißung und Begünstigung der Kirche selbst sicherfreut, da das Oberhaupt der Kirche sie mit Ablässen beschenkt hat. Diese Begünstigungdes Nachfolgers Pctti muß schon allein für jeden guten Katholiken ein triftigerBeweggrund seyn, nach Möglichkeit diese Andacht zu fördern.
Im Herzogthum Anhalt-Dessau besteht keine katholische Kirche ; die kleine katho-lische Gemeinde hält ihren Gottesdienst in einem gemietheten Locale, das aber aufdas Jahr 1855 gekündet ist. Der protestantische Herzog hat der armen katholischen Gemeinde einen Bauplatz um 21,000 Thaler großmüthig angekauft, in einer schönenLage der Stadt. Im Allgemeinen sind auch die dortigen Prolestanten darüber erfreut.Beim Bau der Kirche wird nun besonders auf den Bonifaciusverein und auf dieHerzen der katholischen Milbrüder gerechnet. In einem Briefe an den Bonifacius-verein in Linz schreibt unter Anderm die Gemeinde: „Bei der Glaubensspaltung deslöten Jahrhunderts ist im Anhaltischcn innerhalb fünfzehn Jahren, von 152U bis1535, die neue Lehre an die Stelle des alten katholischen Glaubens getreten, undvon da an war katholischer Gottesdienst gänzlich auS dem Lande verbannt, bis 1697der rühmlichst bekannte Fürst Leopold, der „alte Dessaner" oder „Schnurrbart" genannt,der kleinen Anzahl Katholiken, die allmälig auS katholischen Ländern sich dorr ange-siedelt hatten, die Ausübung ihres Cultus, wenn gleich unter sehr beschränkendenBedingungen, wieder gestattete. Seitdem haben über ein Jahrhundert auS Westphalcnberufene Franciscaner unter großen Entbehrungen und Kämpfen die katholische Seel-sorge dort versehen. Nach dem im Jahre 1833 erfolgten Tode des letzten MissionärsauS jenem Orden blieb die Mission über ein Jahr ohne Hirten, und wurde erst 1825einem jungen Weltgeistlichen aus Böhmen überwiesen, unter dem sie 1830 zu einerPfarrstelle erhoben, und vom heiligen Stuhle dem jeweiligen Nuntius in München ,als apostolischen Vicar von AnHall, untergeordnet wurde." Daß es auch an einerkatholischen Schule und an einem Pfanhause fehlt, versteht sich von selbst. Sieschreiben: „O kommet unter Armmh zu Hilfe. Der Bau einer katholischen Kirchehier ist wichtig. ES« ist dieß die einzige, die erste katholische Kirche , die seil derGlaubenSspallung in diesem Herzogthume Wiedtr erbaut werden soll. Für Viele wirdsie eine rettende Arche werden." (Salzb. Kbl.)
Geständnis und Einsicht.
Die Berliner prot. Kirchenzcitnng kommt in ihren Lamentationen über den badi-schen Conflict auf folgendes merkwürdige Geständniß (Nr. 18): „Wohin führt alsoder ganze Kirchenstreü? Auf allen Puncten zu einem Terra in Verlust derRegierung — sagen wir lieber aller protestanlisch en Regierungen,welche, um ihre Häresie (so nennt'S Rom) vergessen zu inachen, sich von Zugeständ-nissen zu Zugeständnissen herbeilassen." vr. Schenkel (in der darmstädlischen Kirchenztg.)sagt gerade im Gegentheil: „Die Kurie und der Erzbischof verlieren durch diesen Sireitüberall an Terrain und die prot. Regierung gewinnt." Wem soll man da glauben?
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.