Ausgabe 
14 (28.5.1854) 22
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169
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Vierzehnter Jahrgang.

Sonntags Beiblatt

zur

Angsburger Pojheitung.

*

28. Mai 22. 1854.

DteseS Blatt erscheint regelmäßig alle Touutage. Der halbjährige Abounement«pre>«itt kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer, Poßämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kanv.

AuS der Jugend PiuS IX.

Pfarrer MooS in Solothuru hat bei Schercr daselbst eine Schrift in zweiBänden unter dem Titel:Die wunderbaren Wege der göttlichen Vorsehung," her-ausgegeben. Das Werk enthält viele merkwürdige auch neuere belehrende Erzählungenfür die Jugend. Ein Ereigniß aus der Jugend des gegenwärtig glorreich regierendenheiligen VaterS das weniger bekannt ist, wollen wir hier aus dem trefflichenBüchlein folgen lassen:Johann Maria'Mastai Ferrelti, aus der durchlauchten Familieder Grafen von Mastai , wurde den 13. Mai 1792 zu Sinigaglia, in der zumKirchenstaate gehörigen Landschaft Urbino-kt-posln-o, geboren. Seine Eltern gingenalle Jahre auf ein ungefähr sechs Meilen von der Stadt entferntes Landschloß, wosie mit ihren Kindern die Frühlings-, Sommer- und Herbstmonate zubrachten. Johannes,ein lebhaftes, liebenswürdiges Knäbchen gefiel sich am wohlsten im Freien. EinesTages naht sich das Kind einem ziemlich tiefen,'mit steheudcm Wasser augefülltenGraben. Der kleine Johannes steht still, erblickt kleine im Wasser spielende Fische,ergötzt sich an ihren Wendungen, will sie mit der Hand fangen, nähert sich, ohneGefahr zu ahnen, dem Wasser, plötzlich glitscht er auf dem schlüpfrigen undlehmigen Boden aus, stürzt in den Graben und versinkt unter dem Wasser. Er wäreunzweifelhaft ertrunken, hätte die göttliche Vorsehung, die in ihren unergründlichenAbsichten Großes mit diesem Kinde vorhatte, es nicht vor diesem frühzeitigen Todebewahrt. Ein armer Bauernjüngling von zwanzig Jahren, der dem kleinen Johannesals Diener beigegeben war, erblickr die.Gefahr, stürzt sich in's Wasser und zieht denKnaben unverletzt und lebend heraus. Wohl dachte dieser edle Jüngling noch nicht,was für ein kostbares Leben er der ganzen Weit gerettet habe, und daß dieser Knabenach ungefähr vierzig Jahren die erhabenste Würde, die je einem Sterblichen anver-traut werden kann, bekleiden, daß er als der 255ste Nachfolger des ^heiligen Petrusauf den päpstlichen Thron erhoben und unter dem Namen PiuS IX. die Kirche GotteSunter den furchtbarsten Stürmen so weise regieren und verherrlichen würde.

Die Königsgräber zu Gt. DeniS.

(Schluß,) «

St. Deniö ist zerstört," sagte Chateaubriand im Anfange dieses Jahrhun-dertsdie Vögel fliegen durch seine öden Räume und Gras wächst auf seinenzerschlagenen Altären. Statt des GrabgesangeS, der einst unter seiner Wölbungwiederhallte, hört man nur noch den Regen, der von seinem zertrümmerten Dacheniederträuft, oder das Fallen eines Steines, der sich von dem Gemäuer ablöst."