Ausgabe 
14 (28.5.1854) 22
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Benehmen ist er ganz einfach und anspruchlos, und hört jeden an, der ihn zu spre-chen wünscht. AIS wir zu Grenoble und an andern Orten Leute fragten, ob sie denPfarrer kennten, erhielten wir jedesmal die Antwort:O gewiß; wer in Frankreich ,der in etwa religiös ist, kennt nicht den Pfarrer von Ars?" AuS allen Gegendenvon Frankreich strömen Pilger zu ihm. Unsere ganze Reisegesellschaft beichtete bei ihm;er fertigte uns aber alle sehr kurz ab. Wir hörten, er thue daS bei Vielen, währendAndere zwei- oder dreimal wieder kommen und auf'S Genaueste ausgefragt würden.

Das Bibelgeschast.

Bekannt ist, wie viel die englischen Bibelgesellschaften zur Revolutionirung Ita-liens beigetragen haben. Eine gleiche Thätigkeit entwickeln die nordamerikanischenBibelgesellschaften in allen Staaten der ehemaligen spanischen Kolonien in der neuenWelt. Einen merkwürdigen Beleg dafür «heilt dasUiüveri-" aus Mexiko mit. DerJustizminister machte nämlich den Erzbischof von Meriko ans daS verderbliche Treibender protestantischen Bibelgesellschaften aufmerksam, die in den mexikanischen Staateneine Flulh von verfälschten Bibeln und unsittlichen französischen Romanen zu verbreitenstreben, um dadurch das Land zu entsittlichen und den Geist der Revolution zu Gun-sten der Nordamerikancr zu verbreiten. In Folge der Ausforderung deS Justizministershat der Erzbischof ein Hirtenschreiben an das gläubige Volk erlassen, worin es kräftigermahnt wird, die Wölfe in Schafspelzen auSzutreibeu.

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Paris .

Die Administration des .MgZgsin utile" in Paris hat vor Kurzem bei demerzbischöslichen Sekretariat die Summe von 3l)l)(1 FrcS. niedergelegt, die als Preisdemjenigen Schriftsteller zuerkannt werden soll, der binnen Jahresfrist daS beste Werküber die christliche Nächstenliebe und über die Principien der christlichen Philosophieeinreicht. Die Gesellschaft will dadurch, wie sie in ihrer Ankündigung sagt, nachKräften zur Uebung und Läuterung der guten Sitten und der wahren Civilisationbeitragen. Die Hauptgedanken, die jenem Werke zu Grund liegen müssen, sind diefolgenden zwei: die aufrichtige und verständige Beobachtung und Uebung der GeboteGoites und der Kirche genügen vollständig, sowohl zur Befriedigung aller Ansprüche,die das eigene Gewissen, wie die ganze menschliche Gesellschaft an unS macht; undzweitens: die christliche Nächstenliebe, praktisch verwirklicht, genügt vollkommen, unsmit dem großen Mißklange, den die ungleiche Vertheilung der irdischen Güter undBesitzthümer in der Wclr hervorruft, harmonisch auszusöhnen. Das Werk wird Eigen-thum der Gesellschaft, die dasselbe in einer halben Million Eremplaren in ganz Frank-reich verbreiten wird, und zwar zu dem billigsten Preise; Exemplare sollenaußerdem an alle Mairien, Communen, Schulen und Lehranstalten deS ganzen Reichesgratis versandt werden. Man hofft auf eine große Concurrenz.

«t. Polten.

St. Pölten, 3. Mai. In der hiesigen Domkirche wird wie im vorigen Jahredie liebliche Maiandacht gefeiert. Die täglich stattfindenden Predigten (6 Uhr Abends)werden zumeist von den H.H. Professoren deS bischöfl. Alumnates gehalten, und eSist eben so erbauend als rührend, das Lob Mariens von so vielen gelehrten Männernin ächt katholischer Weise verkündigen zu hören. DaS Generalthema aller Maipredigtenbildet die Erklärung der lauretanischen Litanei.

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.