Vierzehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger Psjheitung.
4. Juni H^- 25. 1854.
Dieses Blatt erscheint regelmäßig all« souutage. Der halbjährige Aboimemcitteprei'skr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter ««d atle Buchhaudlnvgen bezogcn werden kan>>.
Fürstbischof von Gorz — Franz Xaver Luschin .
(N e k r o l o g.)
Die letzten Tage des vorigen und die ersten Tage dieses Monats brachten derStadt Görz eine schmerzliche Heimsuchung; der dort resivirende hochverehrte Kirchen-fürst, dessen Leben ein Vorbild aller christlichen Tilgenden war, der hochwürdigsteFürsterzbischof Franz Xaver Luschiu, wurde nach längerem Unwohlseyn am Llbeud des20. April von einem heftigen Fieberanfalle ergriffen, der ihn auf ein SchmeizeuSlagerwarf, von dem er sich trotz der Anwendung aller nur irgend angezeigten Mittel nichtwieber erheben sollte. In den ersten Stunden des L. Mai entschlief er, nachdem erdie letzten Tröstungen der heiligen Religion empfangen halte, sauft in dem Herrn.
Der hochwürdigste Fiirsterzbischof war der Sohn schlichter, wackerer Laudieute,der Bauern Leonhard und Kalharina Luschin, denen er am 3 December 178t aufihrem, im Jaunthale in Kärnlhen gelegenen Bauernhöfe geboren wurde; in der Pfarr-kirche zu Tainach erhielt er bei der heiligen Taufe die Namen Franz Xaver.
In ländlicher Einfalt erzogen, erregte der heranreifende Knabe allmalig dieAufmerksamkeit der prüfenden Seelsorger der Umgebung, was die Elttrn bestimmte,ihn nach Klagenfurl zur Schule zu schicken, wo ihn Talent im Bereine mil Fleiß uudBescheidenheit bald in so hohem Grade auszeichneten, daß seine Milschültr nach Been-digung der philosophischen Jahrgänge den ihnen liebgewordenen Luschin zur Fortsetzungder Studien und zum Eintritt in das dortige Seminar bittend veranlaßlen, wo ersich durch frommen Sinn, gründliches Wissen und kluges Benehmen bald hervorthatund am 26. August 1804 die priesterliche Weihe erhielt.
Als zweiler Eaplan der Slablpfaire St. Egiden in Klagenfurl verwendete ersich eifrig für die Seelsorge von Mitte December 1806 bis Ende Jänner 1d03.Jede freie Stunde jedoch den tiefern Forschungen in theologischen Lehrfächern wiomend,bestand Eaplan Luschin im Jahre 1807 an der Wiener Universilät die bezüglichenRigorosen und wurde am 16. Jänner 1808 zum k. k. Professor der morgenländischenSprachen und des Bibelstudiums nach Gratz ernannt, womit seinen wissenschaftlichenBestrebungen sich eine freiere Bahn eröffnete. Im Jahre 1813 erhielt ProfessorLuschin den Grad eines DoctorS der Theologie. Die wissenschaftlichen Forschungenhatten den gelehrten Priester keineswegs der Seelsorge ganz einzogen und er widmetemehrere Jahre hindurch so manche Zeit als Beichtvater im dortigen Fraueuklostcr,wobei er stets jene christliche Milde und Klugheit beurkundete, welche einer solchenObsorge höhere Weihe geben. Anch hielt Professor Luschin vom Jahre 1L10 bis1814 die akademischen ErHorten am Gratzer Lyceum und wurde vom Kollegium derProfessoren für das Studienjahr 1815 zum Rcccor gewählt.