Ausgabe 
14 (4.6.1854) 23
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In Folge so vielseitiger, erfolgreicher Verwendung wurde dem Professor DoctorLuschl'n im Mai 1818 das Direktorat der dortigen philosophischen Studien übertragen.

Auch in dieser höhern Stellung entsprach Luschin den gehegten Erwartungenund als im Jahre 1819 daS Bedürfniß eines tüchtigen Referenten der Studien- undgeistlichen Angelegenheiten für daö Tiroler Gubernium fühlbar geworden war, erfolgtemit Allerhöchster Entschließung vom 6. Jänner 1820 LuschiuS Ernennung zum Guber-nialrathe nach Innsbruck . In dieser neuen, ungemein schwierigen Stellung bewährteer einen so richtigen Tact und ergiebigen Diensteifer, daß die getroffene Wahl baldauch höchsten OrteS als eine glückliche anerkannt wurde.

Weiland Se. Majestät der väterlich sorgsame Kaiser Franz I. hatte die längereErledigung des BiSthumcS Trient bereits in geeignete Erwägung gezogen; nach gnä-diger Würdigung der um Kirche und Staat erworbenen Verdienste, so wie deserprobten Charakters des Gubernialrathes Luschin fand Se. Majestät sich bewogen,denselben am 12. November 1823 zum Fürstbischöfe von Trient zu ernennen; SeineHeiligkeit Papst Leo XII , sprach am 24. Mai 1824 die Bestätigung auS.

Nach am 3. Oktober 1824 zu Salzburg erhaltener Consecration zog der Kirchen-fürst am 17. desselben Monates unter dem aufrichtigen Jubel der Bevölkerung inseine Residenz ein, woselbst er während der nächstfolgenden zehn Jahre die segenreichsteThätigkeit und eine solche Fülle frommen WohlthunS entwickelte, daß dem Andenkenan seinen Aufenthalt dort noch jetzt die innigste Verehrung dankbar geweiht wird.

Mittlerweile liatte das Königreich Galizien seinen erzbischöflichen Primas durchVersetzung verloren, auf welchen hohen Posten Se. Majestät am 10. Februar 1834den vielerprobten Kirchenfürsten Franz Xaver Luschin zu berufen geruhle. So ungernderselbe sich von seiner bisherigen Diöcese trennte, entsprach er doch allsogleich derallerhöchsten Bestimmung, verließ Trient am 23. August 1834 und langte nach demnöthigen Aufenthalte zu Wien am 6. November desselben Jahres in Lcmberg an;später bestimmten die Schwierigkeiten der dortigen ökonomischen Verhältnisse den anergiebige Wohlthätigkeit gewöhnten Prälaten auf jene erhabene Stellung zn resigniren,worauf ihn der Kaiser in seiner Weisheit am 9. Jänner 1835 mit dem eben erledig-ten Sitze eines Fürst - Erzbischofes von Görz und Metropoliten von Jllyrien bethcilte,wozu der heilige Stuhl am 9. April desselben Jahres seine Beistimmung gab; am22. August 1835 feierte Görz die Ankunft seines Kirchenfürsten.

Die seicher verflossenen neunzehn Jahre bilden eine uuunterbrochcne ReihenfolgedeS edelmiithigsten Wirkens des hochwürdigsten ErzbischofeS, welches den Reichen einerhebendes Beispiel, den Armen den mildthätigsten Trost und Allen ein enmmterndeSVorbild in frohen wie in bittern Tagen gewährte. Die bereits bestehenden frommenund wohlthätigen Institute der Stadt fanden in dem hohen Vorstände den werkthätig-sten Gönner, während mehrere durch seine Anregung und kräftige Unterstützung inöLeben traten, alle aber unter seiner umsichtigen Leitung bestens gediehen.

Im Jahre 1849 zum Cougressc der österreichischen Bischöfe nach Wien berufen,trug Fürst -Erzbischof Luschin zur Ausrechthaltung kirchlicher Ordnung redlich bei undfand im Umgange mit den versammelten hohen Vätern eine wohlthätige Erquickungfür sein durch die Wirren des vorhergegangenen Jahres tief verletztes Gemüth.Bei dieser Gelegenheit lernte auch die neue Zeit die WerthfMe des seltenen Mannesnäher kennen und Se. k. k. apostolische Majestät geruhten denselben zu Ihrem gehei-men Rathe zu ernennen, so wie im Jahre 1852 durch Verlei'huug des Großkreuzesdes Leopoldordens den unwandelbar treu ergebenen Prälaten der Allerhöchsten Gnadezu versichern.

In seiner äußern Erscheinung vereinte der hohe Kirchenfürst imponirende Würdeund klare Besonnenheit mit Milde und herzgewinnender Freundlichkeit gegen Jedermannin >o hohem Grade, daß man sich unwillkürlich angezogen und erbaut fühlen mußte.Leutseligkeit und Gastsreundlichkeit waren weitere hervorragende Zierden seines Charak-ters. Seine Wohlthärigkeit fand nur in den ihr zu Gebote stehenden Mitteln Begrän-zung und seine letztwilligen Verfügungen bezeugen, daß er auch am Schlüsse seiner