Vierzehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger Poltzeitung.
11. Juni ^ 24. 1854.
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Pater Fruzzini.
Dieser jüngst in Padeiborn verstorbene Jesuit, ein Schweizer , war eine jenerglücklichen Naturen, die bei strenger Lebensweise und rastloser Arbeit eine unveränder-liche GeifteSruhe und Hoheit bei der demürhigsten Sinnesart mit aller Lebendigkeit undFrische vereinigen und so eines jener herrlichen Charakterbilder, die so höchst selten sind.Er stammte aus einer der angesehensten Familien in Brieg im Wallis und ward schonin frühester Jugend, wie sein anderer Bruder, Jesuit. Durch treffliche Geistesgabenausgerüstet, machte er glänzende Studien. Nachher wirkte er als Magister. SeineSchüler liebten den heitern, genialen, jnngen Gelehrten mit beispielloser Innigkeit.Er redete schon damals mehrere Sprachen, und kaum 27 Jahre alt, sah man mitSpannung auf diese imponirende Persönlichkeit, die mit jedem Tage mehr Aufmerk-samkeit erregte. Dichter, Redner, Philosoph, Theologe, feuereisriger Missionär, AlleSließ sich erwarten. Er predigte schon als Magister, ehe er Prediger war, mit großemBeifall. Sein anziehendes Aeußere hatte etwas ungemein EdleS und Würdiges.Besonders sein scharfes, see'envvlleS Auge fesselte. Gewandt wie ein Weltmann undfromm wie ein Engel, verband der Hoffnungsvolle jene seltene Energie, wie sie nurin großen Charakteren von christlichem Hochsinne durchdrungen und begeistert erscheint.Der männliche Ernst und die Liebenswürdigkeit kommen unwillkürlich, wie aus deminnersten Wesen. An den großen Tugendgestalten seiner frommen und gelehrten Um-gebung entfaltete sich in schönem Glänze diese edle Jugendblülhe der viel mißhandeltenGesellschaft Jesu , die er feurig und kindlich liebte. Der Sturm von 1847 warf ihnnach Italien und endlich nach Amerika , um da zu finden, was ihm und seinen Ge-nossen das undankbare Vaterland schnöd versagte, eine neue Heimat. Gern wäre deredle junge Schweizer a>S Missionär bei den Wilden Amerikas zeitlebens geblieben oderwohin ihn immer der Obere berufen. Es wird ein ewig schwarzes Blatt bleiben dieseJesuitenjagd der Neuschweizer. Er vollendete nnn die theologischen Studien, wardPriester und kam nach Belgien und Deutschland . Hier wirkte Pater Fruzzini mitverzehrendem Seeleneifer in den Rheinlanven, in Westphalen und Schwabenland, biser ein Opfer seines heiligen Eifers wurde in der schönsten Periode seines so viel ver-sprechenden Lebens. Er war erst Anfangs in den 30ger Jahren. Die Gesellschaftverlor in ihm einen andern Pater Roh. In kurzer Zeit hat er viele Jahre vollendet.Sein Leichenbegängnis) war ein großer Triumphzug. Es war vem gebornen Schweizer nicht gegönnt, in der schönen Heimat zu sterben. Solche Menschen kann der Radi-kalismus nicht dulden und er weiß warum. Sie sind sein Tod. (Kath. i. d. Schw.)