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dürfe» in ihrer Art unübertrefflich genannt werden. Die einzelnen Felder, die dunkel-gelben Löwen auf violettem Grunde, der Cardinalshut oder die dreifache Krone:Alles ist so erakt, so frisch und lebendig wiedergegeben, daß man deS Schemens nichtsatt wird.
Unterdeß ist der Blumenweg vollendet worden und die Stunde, wo die Processionausziehen soll, herangenaht. Um das Ganze vollends zu überschauen, hat man sichein Fenster in entsprechender Höhe gemiethet, und der Eindruck, welchen die Bl»men>straße bei diesem Totalüberblicke macht, ist unvergleichlich. Wer wurde nicht überrascht,wenn er ein Mosaik aus der Ferne sah und eS ihm ivic da« prachtvollste Gemäldeerschient Hier aber sinv bildsamere Formen zu dem herrlichsten Mosaike zusammen-gerciht; die frischesten Farben bei den zartesten Formen der Natnr übertreffen in dieserAnsammenordnung Alles, was die Kunst AecnlicheS zu erzeugen im Stande ist. Mehrindeß als die künstlerischen Anlagen der Bewohner ehren wir die in so ausgezeichnetemGrade zcme und poetische Idee, das schöne Fest des Heilandes in so holder undidyllisch großartiger Weise zu begehen, worin Genzano seine Einzigkeit unbestritten bleibt.
Am meisten zog ein Engel die Bewunderung auf sich, welcher in dem WappendeS zeitigen Cardinal-Bischofs des Städtchens mit wahrer Meisterschaft ausgeführtwar. DaS Auge, daö Haar, die vollen blühenden Wangen, die freie schimmerndeStirne, der sanft lächelnde Mnnd dieses Himmelsboten bezauberte, von der Höhe deSFensters aus gesehen, wie das schönste Bild die Einbildungskraft. Die Processiongeht gegen halb sieben Uhr von der Hauptkirche aus. Kreuz und Fahnen werdenvorangetragen, eS folgt die Jugend in festlichem Schmucke Der Chor der Sängerund die Vornehmen deS Städtchens kommen in langsam feierlichem Schritte. Siealle betreten mit der größten Behutsamkeit die Blumeuteppiche, so daß sie nichts ver-rücken oder verderben. Unmittelbar vor dem Allerheiligsten erblickt mau ein zartesKind, in Engelkvstüm mit Flügeln gekleidet und von einem Erwachsenen an der Handgeführt, waS einen überraschend rührenden Eindruck macht. Schmerzlich jedoch undwehmüthig wird man sodann ergriffen, wie jene Arbeit so vieler Hände und viel-lägiger Mühe, das Werk voll der Knnst und des Geschmackes, so bald der Priestermit dem Allerheiligsten es betreten hat, von den nachströmendcn Haufen zertreten undabsichtlich der Vernichtung Preis gegeben wird. Indeß wird erst so die Idee deSFestes vollends realisirt Jener Biumenweg sollte bloß zur Verherrlichung des Hei-landes dienen, auf ihm sollte er seinen feierlichen Umzug hallen, seinen Fuß überTeppiche setzen, wie sie keinem irdischen Könige auSgebrciret werden. Ist diesesgeschehen, so ist die Bestimmung dcö Werkes erreicht und seine Erhaltnng wäre zweck-los. Am obern Ende der bergan laufenden Slraße angelangt, erthcilr der Priesterder zwischen den Laubgewindcn auf den zerstörten Biumenteppichen kniecndcn Mengeden feierlichen heiligen Segen. Dann tritt die Procession über die Teppiche derandern Slraße den Rückweg zur Kirche an. Noch einen Blick auf den kleinen Restder hi«r der Verwüstung entgegengehenden Pracht und >uif die hinter der hcrabströmen-dcn Menge zurückbleibende Zerstörung und man verläßt gewaltig ergriffen Genzano,das GebirgSstädtchen, einen Eindruck mit nehmend, welcher lange in der Seelewieder!) allt.
O möchten auch anderSwo recht viele opferwillige Seelen dem lieben Heilandsolche Freude machen! (Kath. i. d. Schw.)
Visitation deS Klosters der barmherzigen Brüder in Wien durchSeine Eminenz den Cardinal von ScitovSky.
Seine Eminenz kam Nachmittag den 12. Juni »ach abgehaltener Visitation inLinz mittelst Dampfschiff in Nußdorf an, wurde am Landungsplatze von den hoch-würdigen Herren, dem Provincial und Prior des Wiener Klosters begrüßt, nachWien begleitet und dort in der Ordenskirche vom hochwürdigen Herrn Convisitator,