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Duste seinen Augen entzieht und daS Schiff an dem so freundlich auf den Stromhereinschauenden Schlosse Offenderg vorbeigefahren ist, — da gewahrt plötzlich seinüberraschtes Auge am linken Ufer im Hintergründe einer anmuthigen, durch diebeiderseits eine Viertelstunde vom Strome zurücktretenden Vorberge des bayerischenWaldgebirges umfaßten Bucht ein ausgedehntes stattliches Gebäude. Wie ausumhüllendem Blättcrgrün ein verschämtes Maiblümchen, so blickt es lieblich undreizend ans einem Walde schaltender Obstbäume hervor, und die große Kirche mit denzwei kuppelbedeckten Thürmen sagt dem Fremde», daß hinter jenen Mauern fromme,freiwillig von der Welt und ihren Genüssen und Bestrebungen loSgesahte Männer nachder Regel dcS Heiligen von Nursia mir Gebet und Nachtwachen und uneigennützigemWirken zum Heile der Menschen dem Herrn dienen. Es ist das BenedictinerstifrMetten, welches den Fremden durch seine herrliche Lage am Saume der Waldberge,durch eine Umgebung von seltener Schönheit und durch seine großen, wellberühmtenAnstalten für Jugenderziehung unwiderstehlich zum Besuche reizt. Man sieht eS jadiesem Kloster schon von Außen an: eS ist eine Stätte des GlückcS, des Friedensuud der Ruhe, und den Reisenden befällt eine gewisse ahnungsvolle Sehnsucht, eSzu besuche», indem er auch für sich ein paar Stündchen voll Segen und Freude undTrost sich verspricht, und wenn er irgend Sinn hat für die Schönheiten der Naturund der Kunst, für menschenbeglückenve, Segeu verbreitende Anstalten und schönehistorische Erinnerungen, so wird er eS gewiß nicht unterlassen, bei der schönen, reizendgelegenen, wohlhabenden, gewcrbsamen Stavt Deggenoorf das Schiff zu verlassen,an lieblichen Anlagen vorbei eine Stunde dem Strome entgegen zu gehen und dadie gastliche Klosterschwelle zu überschreiten, hinter welcher die guien Vater ihn mitzuvorkommender Herzlichkeit wie einen alten Freund aufnehmen werden.
Ich will hier daS Kloster, seine Lage, seine Einrichtungen und Anstalten nichtbeschreiben; der Zweck dieser Zeilen ist nur, einen flüchtigen Blick auf die Geschichte,die Schicksale uud Verdienste dieses gottgeweihien HauseS zu werfen, wobei ich fürmeine Unlunde um Verzeihung, für meine Mangclhafligkcit um gütige Nachsicht bitteund mich glücklich schätze, wenn ich nur Einem eine vergnügte Stunde gewähre, dochwenigstens Einem einigermaßen entspreche.
Der Name deö Klosters, Metten , oder wie es in den allen Urkunden heißt,Melena, Medena, Mebema, Metim, Medm, Medcmum, Melumum, Metcmon,Metmen kommt nach der Menumg des gelehrten Obernltachers Dr, HcrrmannScholliner (in der Vorrede der Uonumenw Netensi» in den lVIon. Loio. 1'om. XI.p. 343) von dem perlenrcichen Bache gleichen Namens, der auf den waldigen Bergen,die das Kloster auf der Nord- und Ostseite umgeben, entspringt, durch die EcwendeS Klosters läuft unv eine Viertelstunde von demselben sich in die Donau ergießt.Mir scheint diese Meinung, welche auch die des Joh. Avenlin <>rm. Kos . I.. IV.p, 294) ist, die annehmbarste, obwohl Andere glauben, daß erst das K>oster demBache den Namen gegeben, und wieder andere verschiedene, wohl mehr scherzhafte,als ernstlich gemeinte Ableitungen, wie z. B. von dem griechischen Worte /«xAovol«(Gemeinschaft) anführen.
Waß nun weiter den Stifter und die Zeit der Gründung anbelangt, so ist eSnach dem Zeugnisse der lebendigen Volkssage, der ältesten bayerischen Geschicktschreiberund der Klosterurkuuden gewiß, daß Kaiser Carl der Große das Kloster zur Ehre desheiligen Erzengels Michael (Mori. Loie. XI. p. 420. Huncl, Uelrop. Sslisbur^.lom. II. p. 502) erbaut und den seligen Utto als ersten Abt demselben vorgesetzthabe. Als erstes Zeugniß dessen sühre ich an, daß bis auf den heutigen Tag derheilige Kaiser als Stifter im Kloster besonders verehrt und sein Gedächtnißrag alljährlicham 28. Januar feierlich begangen wird. Die besonderen Umstände der Stiftung unddas Leben der bei derselben betheiligten Personen schildert am besten uud ausführlichstender alte Johann Adlzreiter von TetenweiS. <>nri. öoiese Zentis. ?art. I. luli. XVIII.p. 196—198 der Frankfurter Ausgabe von 1710); das Leben des seligen Gamelberrund alle Vorgänge der Gründung sind dort so schön beschrieben, daß ich nicht umhin