Ausgabe 
14 (20.8.1854) 34
Seite
271
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Freundlich, bückend sie der Wirth willkommen heißet,Liebe heuchelnd, große Gastfreundschaft er gleißet,Denn erkannt hat er des Kaisers Angesicht.

Sorglos Barbarossa mit dem Mann verkehret,Der ihn liebreich, scheinbar freundlich, hoch verehret;Aus des Ritters Auge blicket Sorg' hervor.Seine scharfen Sinne bald Gefahren wittern,Für des Kaisers Leben fing er an zu zittern;Fest verriegeln sah er, ach, des Hauses Thor.

In ein Prunkgemach, mit Reichthum ouSgezieret,Ward der hohe Gast zur Ruhe eingeführet.Für den Ritter gab'S ein Stübchen neben an.Laue Düfte bald das Haus in Schlummer wiegen,Alles scheint im Schloß dem Schlase obzuliegen,Auf der Zinne ruhet selbst der Wetterhahn

Leise kommet sachte vor des Kaisers BettenKummervoll der treue Ritter angetreten,Kniet voll Liebe, kniet voll Treue vor ihn hin.Küsset heiß des Theuern segensvolle Hände,Wecket sanft ihn auf, daß er Gehör ihm spende,Daß auf seine Bitte lenke er den Sinn.

O mein Kaiser! Du des Vaterlandes Stütze,Kennst mein Herz, das Treue in des Kampfes Hitze,Wie in Freud' und Ruhm Dir jederzeit bewährt;Höre meine jetz'ge, meine letzte Bitte,Daß Du kehrest sicher in der Deutschen Mitte,Daß Dein kostbar' Leben bleibe unversehrt:

Tausch mit mir heut' Deines Lagers falsche Stätte!Traue nicht des Wirthes heuchlerischer Glätte!Denn mein Schutzgeist zeigt mir großes Unglück an!"Nicht mehr hört er auf zu bitten und zu flehen,Bis der Kaiser lächelnd ließ den Tausch geschehen,Bis des Ritters dringend Wünschen er gethan.

In geborgter, kaiserlicher, prächt'ger HülleBetet er mit eines Christen Herzensfülle,Daß der Ewige ihm wolle gnädig seyn;Daß das Opser, welches nun mit seinem LebenFür des Vaterlandes Haupt er wolle geben,Rettend sey; und ruhig schlummerte er ein.

In der Mitternacht, als kaum der Mond verblichen,Kamen spähend still Banditen hergeschlichcn,Dringen in des Kaisers prunkend Schlafgemach.Lautlos bohren sie des Eisens scharfe SpitzeMit erboster, teuflisch schadenfroher HitzeIn des Ritters Brust, dem schnell das Auge brach.

Zieh nun heim, Du deutscher Cäsar, zu den Deinen,Die vergeblich nach Dir ringen, nach Dir weinen!Mit Dir sinket Deutschlands Macht und Stütze hin!"