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Missionar, GlaubenSfreudigkeit und guten Willen bei jedem vorausgesetzt, wird der nach-stehende Brief eines deutschen protestantischen Missionärs in Missouri vom Febr. l, I., inder „Neuen reformirien Kirchenzeituug" veröffentlicht, einigermaaßen dienen können. —„Müßteich," so schreibt der prolestanlische Missionär, „müßte ich das bisherige Leben inder bisherigen Form noch lauge fortsetzen, so würde ich ein immer schlechterer Theolog, unddoch auch kein rechter Stollknecht werden, — zwei Ertreme, zwischen denen ich immer inerbärmlicher Mitte hängen bleibe. Denke Dir nur so einen Samstag und Sonntag, wie ichsie habe, und vergleiche sie mir dun Sonntag und Sonnabend eines Landpredigers! Sonn-abend beginne ich vor dem Frühstück meine Arbeit mit dem Füttern und Melken unsererbeiden Kühe; mein Pferd habe ich seit vorigem Sommer der Mühe wegen abgeschafft. Nachdem Frühstück muß ich unser Kind warten, während meine Frau ihren Arbeiten nachgehenmuß und auswaschen, rein machen und Essen richten. Vielleicht kann ich daneben meinekleine Sludirslube säubern — oft die einzige Gelegenheit mehrere Tage hindurch, bei wel-cher ich mich längere Zeit darin beschäftige. Nach dem Mittagessen wird Holz gc-ragen. derHof und Stall sauber gemacht, die Kirche meist gekehrt, Stiefel geputzt zc. Jetzt vielleichtkommt vor Sonnenuntergang noch ein ruhiges Haibstündchen. Beginnt es zu dunkeln, somüssen wieder die Kühe gemolken und gefüttert werden. Es wird meist 7 Uhr, ehe alles inOrdnung ist. Was nach einem solchen Tage noch studirt wird, merkst Du wohl ohne wei-tere Schilderung. Der Sonntag beginnt wie der Sonnabend, mit Melken und Füttern;dann Frühstück. Ist eS kalt, so mache ich Feuer im Kirchenofen an, und hüte dann meinKind, bis die Mutter für die Kirche fertig ist. Dazwischen muß ich noch zum ersten Maleläuten. Oft bleibt mir nur ein Viertelstündchen ungestört vor dem Gottesdienst, dann wirdam Nachmittag noch Kinderlehre gehalten, dann kann ich den übrigen Tag bei den Meiui-gen sitzen, die Zeit des AbcndfüttcrnS uud Melkens abgerechnet. Könnten wir freilich einetüchtige Magd halten, so wäre Manches anders; daS ist aber nicht ihuulich, weil manaußer vielem Aerger, den die Dienstboten in den hiesigen Verhältnissen immer f.ist ohneAusnahme verursachen, die Sache zu theuer bezahlen muß. Auch olwe Dienstboten kosteteunser Haushalt im Jahre 1853 über 1500 fl., und doch leben wir so einfach, wie nurmöglich. Seit drei Monaten z. B. essen wir tagtäglich gesalzenes Schweinefleisch, das wirselbst eingeschlachtet haben, und ersparen durch unsere kleine Hühnerzucht und Viehzuchtnicht wenig. Bier ist seit zwei Jahren nicht in mein Haus gekommen, und ein paar Fla-schen Wein, mit denen mich meine Schwiegermutter beschenkte, werden für Beiuche uudKrankheitsfälle gespart. Meine Einnahme betrug dagegen vom September l852 bis Sep-tember 1853 kaum 100 Dollars (250 fl ). Ich würde übrigens mit dem einfachsten Lebenzufrieden seyn, und hätte, so lange meine Schwiegermutter offene Kasse hält, auch nichtsdagegen, wenn ich daS einfache Leben theuer bezahlen muß (es ist übrigens im Verhältnißzum Arbeitslohn nicht theuer, denn ein Holzhacker verdient per Tag wenigstens 2fl. 40 lr.,ein Eiscnarbeiier 3 fl. 7—40 kr., ein Zimmermann 3 fl. 15 lr. u. s w., ein Ack^rtnechterhält außer Kost und Wohnung monatlich 20—30 fl. — aber der Pfarrer kann ja vonder Lust leben!!) — wenn ich auch diese und jene Arbeit im Stall und sonst thun müßte,ließe ich mir's gefallen — aber Zeit — mehr Zeit und Ruhe zum Arbeiten und zur Ein-kehr bei mir selber und in Gottes Wort wünsche ich! Der Einfluß dcS KlimuS, daS imletzten Sommer, von seinen besondern Beschaffenheiten abgesehen, oft eine Hitze von 31 Gr.R. zum Bcsteu gab, und statt kühlender Nächte eine schwüle, dampfende Luft mit 25—28Gr. brachte, und erst in voriger Woche eine Scale von 40 Gra) durchlief, indem sich nichtnur in Zeit von vier Tagen der Thermometerstand von 28 Gr. R. unter 0 auf 19 Gr.über 0 änderte, sondern vom 28. Jan. Abends bis zum 29. Jan. Morgens in kaum 15Stunden von 19 Grad Wärme auf 8 Grad Kälte sank! — der Einfluß dieses KlimaSwirkt ohnedies) lähmend genug, so daß Einem hier 6 Stunden oft kaum so viel möglich machen,als zu Hause 3 Stunden." — Wie ganz anders lauten die Briefe ans der katholischenMission! (Fmnkf. K. Bl.)
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